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Feministische Superheldin

Aya Nakamura: "AYA"

Aya Nakamura: "AYA"

Feministische Superheldin

Von Anna-Bianca Krause

Ihre Hits sind unwiderstehlich, ihre Message selbstbestimmt und weiblich. Aya Nakamura ist mit über 158 Millionen Streams die erfolgreichste Künstlerin aus Frankreich. Die 25-jährige Sängerin mit Roots in Mali verteidigt auf ihrem neuen Album den Titel als Afro-Pop-Königin.

Aya Nakamura, (eigentlich Aya Dianoko) in Mali geboren, in der Pariser Banlieue aufgewachsen, singt seit sie ein Kind ist. Schon früh kam sie mit Musik in Berührung, da ihre Mutter eine Griotte war, eine dieser traditionellen westafrikanischen Sängerinnen und Dichterinnen. Sie sang bei westafrikanischen Hochzeiten und anderen Festen der malischen Community in Frankreich.

Aya Nakamura: "AYA"

COSMO Sound Supreme 16.11.2020 02:49 Min. Verfügbar bis 16.11.2021 COSMO


Erste Songs im Netz

Anfangs belegte Aya Nakamura Modekurse, wurde wegen ihrer athletischen Schultern vom nationalen Schwimmverband umworben, dachte über eine Zeichnerinnenkarriere nach, doch eigentlich zog es sie zur Musik. Die ersten öffentlichen Auftritte hatte Nakamura mit 17 Jahren bei Stadtteilfesten. Die ersten Songs veröffentlichte sie autonom im Netz, Follower und Produzenten begannen schon da auf sie aufmerksam zu werden.

Selbstbestimmte Hits

Dann ging es schnell: 2017 erstes Album "Journal intime" erreichte Platz 6 der französischen Charts. Das zweite Album "Nakamura" bekam vierfach Platin und schlug musikalisch eine Brücke zwischen Afrika, Europa und Lateinamerika. Schon 2018 der erste Nr.1-Hit,  "Djadja", ein Afro-Pop-Ohrwurm mit Female-Empowerment-Message. Im Text sagt sie einem Typen klar, dass er sie nervt. Wie Rihanna oder Cardi B singt Aya Nakamura selbstbewusst davon selbst Geld zu verdienen, und selbstbestimmt zu sein, sprich die Verhältnisse umzukehren und die Männer zu unterwerfen.

Unwiderstehliche Hooks

"Aya" ist das 3. Album von Aya Nakamura. Es heißt "AYA" weil sie schon im Titel signalisieren wollte, dass sie diese Texte aus der Ich-Perspektive geschrieben hat und ehrlicher war als zuvor. Musikalisch bleibt sich Aya Nakamura treu, liefert wieder eine oft tanzbare, meist in den Refrains mitsingbare Mischung aus Afro-Pop, Afrobeats, R'n'B, Zouk, Trap, karibischen Zutaten und sogar Reggaeton. Die Songs nehmen sofort mit, wie die Hooks so unwiderstehlich sind. Inhaltlich geht es oft um Frauen, die sich das nehmen, was für Männer selbstverständlich ist. In "Tchop" (Slangwort für Auto) geht es um die Einsamkeit einer Frau, die Arbeit und Geld hat. In "Ca blesse" singt sie: Ich weiß, dass es weh tut, wenn ich dich links liegen lasse. Und auch in "Biff" (Slangwort für Geld) geht es um eine Frau, die zu ihrem Typen sagt: Wenn du nicht das Zeug hast mit mir zusammen zu sein, dann geh! Ich bin unabhängig.

Sprachmix galore

Nakamura singt wieder in dieser wunderbaren Sprachmischung aus Französisch, dem Slang der Pariser Banlieues, streut hie und da paar Worte Englisch dazwischen oder die malische Sprache Bambara. Kein Problem wenn nicht alles verstanden wird, Hauptsache das Gefühl kommt rüber. Mit einem Satz wie "Je suis pas dans le mood" zeigt sie, wie universell sie denkt, spricht und singt. "Jolie Nana" (übersetzt: Schönes Mädchen) war der erste Song, den Aya Nakamura vom neuen Album vorab veröffentlicht hat. Er erschien im Juli 2020, enthält alle Zutaten eines Sommer-Hits und erreichte sofort Platz 1 der Charts in Frankreich, war in einigen anderen Ländern Top 10 und hat bislang schon mindestens 250 Millionen Streams - ein Ende ist nicht abzusehen. Die Musik zwischen afrokaribischem Pop und Afrobeats. Es gibt ein herrliches Video dazu, das spielt im multikulturellen Alltagsleben der Nordpariser Banlieue und neben Aya Nakamura und ihrer Girl-Gang ist darin auch die bekannte französische Schauspielerin und Sängerin Camille Lellouche zu sehen. Im Netz kursierten sehr schnell Videos von jungen Leuten und auch Kolleg*innen, die den ohrwurmigen Refrain gesungen haben.

Superheldin

Die New York Times nannte Nakamura eine der aktuell wichtigsten Künstlerinnen in Europa, sowohl musikalisch wie gesellschaftlich. Und sie hat viele prominente Fans, darunter Madonna, Sam Smith, Neymar, Maluma oder Rihanna. Einen von ihnen hat sie zum Duett ans Mikrofon geholt: Mit dem britischen Grime-Rapper Stormzy singt Nakamura die melancholische Liebesballade "Plus jamais". Ihr großes Vorbild ist die malische Sängerin Oumou Sangaré. Für sie hat sie schon 2017 den Song "Oumou Sangaré" geschrieben und auf ihrem Debütalbum veröffentlicht. Weil Sangaré eben nicht nur Sängerin ist, sondern auch erfolgreiche und selbstständige Businessfrau. Nakamuras erste große Leidenschaft war jedoch viel banaler: TV-Serien gucken. Daher hat sie auch ihren Künstlernamen Nakamura. Den hat sie sich von Hiro Nakamura geliehen, dem Typen aus der Serie "Heroes", der durch Raum und Zeit reisen kann. Aya Nakamura ist eine Königin zwischen Afro-Pop und Afrobeats - und so schnell wird ihr keine diesen Titel streitig machen.

Stand: 15.11.2020, 00:00