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Mit "Lucid" öffnet Asa ein Fenster zum Himmel

Asa - "Lucid"

Sound Supreme: Asa - "Lucid"

Mit "Lucid" öffnet Asa ein Fenster zum Himmel

Von Johannes Paetzold

Mit ihrem Debütalbum wurde Asa zum Global-Pop-Star. Die französisch-nigerianische Singer-Songwriterin singt Afro-Folk-Balladen und gefühlvolle Liebeslieder. Ihr neues Album "Lucid" sucht schon im Titel nach Klarheit, Asa verarbeitet eine unglückliche Beziehung.

Asa - "Lucid"

COSMO Sound Supreme 07.10.2019 02:45 Min. Verfügbar bis 06.10.2020 COSMO

Geboren wurde sie in Paris, wo ihr Vater für das nigerianische Konsulat arbeitete. Als sie zwei Jahre alt war, zogen ihre Eltern wieder nach Lagos. Ihr Vater war ein Musik Fan, früh hörte Bukola Elemide - so ihr bürgerlicher Name - in seiner Plattensammlung die Musik von Aretha Franklin und Fela Kuti. Sie begeistert sich für Musik, besucht eine Musikschule in Lagos, lernt Gitarre und schreibt Lieder. Der Vater möchte aber nicht, dass seine Tochter Profimusikerin wird. Während eines Austauschprogrammes in Paris wird ihr Talent entdeckt, sie veröffentlicht 2007 ihr Debütalbum.

Lieder wie "Fire on the Mountain" und "Jailer" werden Ohrwürmer. Aufgrund ihrer politisch engagierten Poplieder vergleicht man sie mit Tracy Chapman und Joan Armatrading. Nur ein Jahr nach dem Debut erhält sie den renommierten Prix Constantin Musikpreis in Frankreich. Es folgen gemeinsame Songs mit Lenny Kravitz, Katie Melua und Angelique Kidjo und Tourneen aufgereiht auf einer endlosen Perlenkette. Ein neues Album hat lange auf sich warten lassen, mit "Lucid" enden fünf Jahre Albumpause.

Liebesschmerz verdrängt Protestsong

Schon beim ersten Albumsong denkt man, Asa suche wieder den Weg der engagierten Popballaden, mit denen sie Unterdrückung und Not anprangert. Aber “Murder in the USA” handelt von einer fiktiven Liebesgeschichte, wenn auch mit tödlichem Ausgang. “Sie” erschießt den Liebhaber und läuft davon im Song. Asa erkundet die Tiefe und Widersprüchlichkeiten am Ende einer Beziehung. Wie weit würde man gehen? Das sind nicht  nur Gedankenspiele, sondern Asa verarbeitet auf "Lucid" eine unglückliche Liebesbeziehung mit traurigem Ausgang. “Destruktiv” nennt sie diese Beziehung in der Rückschau sogar, "Until we Try", "Don t Let me Go" und "You and Me" loten den Liebesschmerz in seinen Facetten und seiner Tragweite aus.

Inspiration nur mit offenen Fenster

"Lucid" ist aber weit mehr als ein Couchgespräch beim Therapeuten. Asa hat sich Zeit gelassen, hat ihre Umgebung studiert nach Inspirationen für Songs. In einem Zeitungsartikel liest sie von einer indischen Hochzeit, bei der die Braut vom Bräutigam sitzengelassen wird. Ein Verwandter steht auf und sagt, er wolle stattdessen diese Frau heiraten. Asa nutzt die Vorlage um über das Warten in der Liebe zu singen und erzählt ihre Version der Geschichte aus weiblicher Sicht. Vielleicht haben die Fans lange nichts Neues von Asa gehört, sie selbst aber war ständig auf der Suche. Einen Song schreibt sie, während sie vor dem Konsulat auf eine Passverlängerung wartet, ein anderer wird im Restaurant auf einem Zettel festgehalten. Sie könne heute überall schreiben, sagt sie, einzige Bedingung: Ein offenes Fenster und der freie Blick in den Himmel.

Marlon B

Musikalisch kann Asa inzwischen aus dem vollen schöpfen. Angesagte Session Musiker aus Paris unterstützen den sympathischen Star, der über die Jahre seine Scheu etwas abgelegt hat und heute offen und selbstbewusst über das eigene Leben und die Musik plaudert. Die wichtigste Unterstützung für den Klang des Albums bekam Asa aber von Marlon B von den Söhnen Mannheims. Marlon B ist ein Analog-Freak, der das ganze Album mit Asa auf alten Bandmaschinen aus den 50ern aufnimmt. Warm soll es klingen, direkt. Asa inszeniert und arrangiert ihre Lieder stärker denn zuvor, E Gitarren kommen dazu, Bläsersätze, Streicher. Alles wirkt elegischer, breiter, im Zentrum bleibt trotzdem ihr künstlerischer Ausgangspunkt - die gefühlvoll emotional aufgeladene Ballade. Als I-Tüpfel trifft Asa mit Patrice in Köln zusammen, einer der Songs – "Good Thing" –trägt seine Handschrift.

Happy People

Nur bei "Femi Mo" singt Asa in der nigerianischen Landessprache Yoruba, Englisch bleibt auch nach Jahren in Paris ihre erste Sprache. Asa hat sich immer dagegen gewehrt, als afrikanische Song „Princess“ vermarktet zu werden. Manchmal meint man, Nigeria schimmere in den Phrasierungen ihrer Gesangsstimme durch, aber der Eindruck verfliegt auch schnell wieder. "Meine Wurzeln habe ich nie versteckt", sagt sie, "aber ich muss sie nicht musikalisch zur Schau stellen, meine Einflüsse kommen aus der ganzen Welt. Persönlich ist mir Lagos natürlich sehr nah, die Leute zeigen Wärme, Freundlichkeit. Wir sind Kinder der Sonne, eben Happy People”, lacht sie. Bei allen melancholischen Tönen auf "Lucid", Asa hat definitiv ihr Lachen wiedergefunden.

Stand: 07.10.2019, 00:01