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Auf "Dentro da chuva" feiert Aline Frazão die lusoafrikanische Kultur

Aline Frazão, "Dentro da chuva"

Sound Supreme - Aline Frazão: "Dentro da chuva"

Auf "Dentro da chuva" feiert Aline Frazão die lusoafrikanische Kultur

Von Anna-Bianca Krause

Mit "Dentro da chuva" ist die angolanische Singer/Songwriterin Aline Frazão musikalisch und geografisch in ihre Heimat zurückgekehrt. Sie feiert die lusofrikanische Kultur und kreiert einen sehr persönlichen, global geprägten angolanischen Folk.

Aline Frazão ist in Angolas Hauptstadt Luanda geboren, ging jedoch mit achtzehn Jahren nach Lissabon, um Kommunikationswissenschaften zu studieren. Danach lebte sie einige Jahre in Spanien, bevor sie vor zwei Jahren zurückkehrte in ihre Heimat. Die heute 30-Jährige hat sich in Europa nie zuhause gefühlt und wollte zudem nicht mehr mit dem Blick aus der Diaspora, sondern in Angola ihre Songs schreiben. Die Familie ihrer Mutter kommt von den Kapverden und aus Angola, die des Vaters aus Brasilien und Portugal. All diese verschiedenen kulturellen "Identitäten", wie sie es nennt, und die Verwirrung, die das in ihr anrichtete, brachten sie zusammen mit der Einsamkeit, die sie in Europa empfand zu einer Art Burnout. Vor ihrer Rückkehr nach Angola machte Frazão 2016 noch ihr 3. Album. "Insular" muss man heute wie ein Resumée über ihre zehn Jahre in Europa lesen oder auch wie einen Abschied vom europäischen Kontinent. Die Sängerin und Gitarristin nahm es mit E-Gitarre und Indie-Rock-Attituede auf der kleinen schottische Insel Jura auf.

Von der E-Gitarre zur akustischen

Auf "Dentro da chuva" spielt Frazão wieder akustische Gitarre. Lediglich im Song „Zenité“, in dem sie die zurückliegende schwere Zeit thematisiert, greift sie wieder zur E-Gitarre. Man spürt eine gewisse nervöse Anspannung in der Musik und sie singt: „Eine dunkle Wolke schwebt über meinem Kopf, eine Kreatur aus massivem Beton“. Den Großteil des Albums aber hat Frazão akustisch eingespielt und mit ihrer sehnsüchtigen Stimme eingesungen, daraus sind zarte, fast schwebende Songs entstanden. Man hört aber auch ein afrikanisches Daumenklavier in "Manifesto", “dem afrikanischsten und rhythmischsten Song des Albums. Die klaren Töne der Mbira oder wie man in Angola sagt der Kisanji sind das Fundament über das sich Frazão in Erinnerung an ihre Vergangenheit als Tänzerin bewegt. Sie hat zwar schon mit neun Jahren zum ersten mal auf einer Bühne gestanden und mit fünfzehn Jahren ihre ersten Songs geschrieben, doch bevor sie Angola verließ war sie Mitglied einer zeitgenössischen Tanztruppe in Luanda gewesen.

 Holz und Stimme

"Dentro da chuva" übersetzt: Inmitten des Regens ist Frazãos 4. Soloalbum und es ist der lusofrikanischen Kultur gewidmet.  "Dentro da chuva" – übersetzt: inmitten des Regens – der Titel ist der rote Faden, der sich übers Album zieht, es geht Frazão um den Kontakt zur Natur und zu sich selbst. Aufgenommen hat sie es in Rio de Janeiro. 1. Weil die Musica Popular Brasileira schon immer einer der wichtigsten Einflüsse auf ihre Musik war. 2. Weil die brasilianischen Studios viel Erfahrung mit Aufnahmen haben, in denen es nur um akustische Gitarre, also den Klang des Holzes und Stimme geht. Frazão hat das Album selbst produziert, Co-produziert hat der brasilianische Musiker und Produzent Gabriel Muzak.

Gäste sind der brasilianische Cello-Meister Jacques Morelenbaum, der schon mit Antonio Carlos Jobim gespielt hat, in "Areal de Cabo Ledo", der portugiesische Gitarrist Joao Pires und die junge brasilianische Singer/Songwriterin Luedji Luna in "Kapiapia". Aus dem Songtext ist der Albumtitel "Dentro da Chuva" entstanden. Kapiapia ist eine magische Figur aus der südamerikanischen Literatur, ein alter, sehr weiser Mann, der eine Art Gott ist, der sich inmitten des Regens befindet. Diesen Mythos hat Frazão in den Süden Angolas geholt.   

Die einzige Coverversion auf dem Album ist Serge Gainsbourgs "Ces petits riens", dem sie Bossa Nova-Touch gegeben hat. Sie singt das Chanson schon seit vielen Jahren bei Liveauftritten und wollte es endlich auf ein Album packen. Bis auf einen Song in Französisch und einen auf Kriolu, der angolanischen Kreolsprache (Peit ta segura) singt Frazão diesmal alles auf Portugiesisch.

Minimalistisch, melancholisch, feministisch

Die Singer/Songwriterin ist in einem feministischen Kollektiv in Luanda aktiv und sie feiert auf dem Album im Song "Manazinha" auch die Kraft der angolanischen Frauen und ihren täglichen Kampf in einem Land, in dem beispielsweise das Gesundheitssystem inhuman ist und am Boden liegt. Zu dieser Klage gibt es allerdings einen eher fröhlichen Semba-Rhythmus. Das Album ist ein sehr persönlicher, gobal geprägter angolanischer Folk, indem minimalistische Gitarrenläufe auf wunderschöne Melodien treffen, das Ganze von einer Klarheit und melancholischen Intensität, die fasziniert. Künstlerinnen und Künstler aus den ehemaligen afrikanischen Kolonien Portugals bereichern seit Jahren musikalisch und poetisch nicht nur die portugiesische Musikszene sondern auch unsere Ohren und Aline Frazão ist ein Name, der in dieser Liste nicht fehlen darf.

Stand: 17.12.2018, 00:01