Live hören
Jetzt läuft: Toto Is Back (Déni Sain & Papa Stomp Remix) von Les Maxel's

Missy-Redakteurin: Künstler kuschen vor Red Bull

Sonja Eismann

Kommentar von Sonja Eismann

Missy-Redakteurin: Künstler kuschen vor Red Bull

Von Sonja Eismann

Alle waren schon dabei. Auch die Autorin dieses Kommentars war als Journalistin zur Red Bull Music Academy eingeladen und schwer beeindruckt. Doch wegen der rechtspopulistischen Äußerungen des Red-Bull-Firmenchefs lässt sie sich nicht mehr einspannen.

Am Wochenende hatte ich eine Mail von Red Bull im Postfach. Ich wurde zur "Forward Union Fair" eingeladen, einer Messe sozialer Bewegungen im Red Bull Arts New York. Das ist – laut Eigenbeschreibung – ein experimenteller, nicht-kommerzieller Kunstraum. In der Ankündigung fanden sich Fotos von Plakaten, auf denen stand "Stop Deportations" oder "Not My President".

Der Mann jedoch, dessen Firmengewinne das gesamte kulturelle Engagement von Red Bull finanzieren, steht für das genaue Gegenteil dieser Parolen. Dietrich Mateschitz, der vor über 30 Jahren in Österreich den Energy-Drink erfand, hat große Sympathien für Donald Trump und ist ein erbitterter Gegner einer humanen Flüchtlingspolitik. „Selbstverständlich“, hatte er im vergangenen Jahr in der österreichischen Kleinen Zeitung geäußert, "hätte man die Grenzen schließen und ordentlich kontrollieren müssen". Das von ihm gegründete österreichische Online-Recherche-Medium Addendum stellt gerne mal suggestive Fragen wie "Asyl – ein Konzept von gestern?" Und der ebenfalls im Mateschitz-Besitz befindliche Sender "Servus TV", der seinen Angestellten die Gründung eines Betriebsrats verunmöglicht hat, lud den Chef der österreichischen Identitären Martin Sellner in eine Talkshow ein.

Wer sich nur minimal für die Hintergründe interessiert, hätte all das längst in Zeitungen lesen, im Radio hören, im Internet finden können. Doch weil der Brausehersteller, vor allem auch im Bereich elektronischer Musik, immer wieder fantastische Events wie die Red Bull Music Academy kuratiert und damit die gesamte kritische Szene von berühmten Musiker*innen bis zu prekären Journalist*innen alimentiert und vereinnahmt, herrscht ein peinlich berührtes Schweigen.

Klar, gähn, wir alle sind uns der Widersprüche des Lebens im Kapitalismus bewusst, daher traut sich ohnehin niemand, radikale Verweigerung einzufordern. Aber wie wäre es, wenigstens mal eine Diskussion darüber anzustoßen? In homöopatischen Dosen?

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Stand: 01.10.2018, 13:00