Red Bull Music Academy in der Kritik

KitschKrieg Lecture

Musikspecial

Red Bull Music Academy in der Kritik

Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz vertritt öffentlich rechtspopulistische Positionen. Ein krasser Widerspruch zum exzellenten Ruf der Musikakademie, die Künstler wie Björk, IARAHEI oder Kitschkrieg groß gemacht hat.

Traumfabrik RBMA

Die Red Bull Music Academy (RBMA) hat zu ihrer aktuellen Ausgabe in Berlin erstmals ihre Pforten für Besucher geöffnet zum "Open Funkhaus"-Tag im alten DDR-Funkhaus in Berlin-Köpenik. Man konnte für wenige Stunden in den Alltag der 60 auserwählten Musikertalente reinschnuppern, die an der Academy teilnehmen. In den einzelnen Studios durfte man den Profis bei der Arbeit über die Schulter geblickt. Im Session Room hat Musikproduzent Matias Aguayo seine Avantgarde-Performance "Drums in Space" präsentiert: "Durch die Zusammenarbeit konnte ich sehr viel auf die Beine stellen. Gerade in Lateinamerika, wo man überhaupt auf keine staatlichen Hilfen zählen kann."

Die Red Bull Academy zwischen Lob und Kritik

COSMO | 01.10.2018 | 11:48 Min.

Viele Musiker, die häufig nur unter prekären Umständen von ihrer Kunst leben können, sind auf Förderungen wie die der Academy angewiesen. Und sie profitieren von den dabei entstandenen Netzwerken. Zu den erfolgreichen Beispielen zählen Flying Lotus aus Los Angeles oder der Lissaboner Produzent Branko, die einst bei der RBMA angefangen haben. Auch Fizzle vom Produzententrio KitschKrieg schätzt die Arbeit der RBMA und insbesondere die Lectures bekannter Musiker. Am Tag der offenen Tür haben KitschKrieg selbst ihre Geschichte erzählen dürfen und Studiokniffe verraten. Fizzle ist Fan des Formats: "Ich habe unzählige davon gesehen auf der Red Bull Homepage. Es ist halt so schön nerdig, dass wenn man Interesse an diesem Gebiet hat, dann kann man da halt was lernen."

Bilder zum Großen Preis der Formel

Geld von Mateschitz

Die RBMA wird von der Red Bull GmbH unter Leitung von Dietrich Mateschitz finanziert. Der Red-Bull-Konzernchef und Multimilliardär ist im vergangenen Jahr in einem Interview durch rechtspopulistische Positionen aufgefallen. Auf den ersten Blick treffen hier zwei diametral entgegengesetzte Welten aufeinander: Die Academy ist liberal, weltoffen, futuristisch. Geldgeber Mateschitz hingegen kritisiert die "sogenannte intellektuelle Elite" und das "Meinungsdiktat des politisch Korrekten". Gründer und Leiter der RBMA, Many Ameri, sieht das jedoch nicht als Widerspruch: "Die Art, wie wir das über diese zwanzig Jahre hinweg aufgebaut haben, ist möglich gewesen durch die Struktur, die dahinter steht und die Menschen, die dahinter stehen. Ich kann nicht im Namen des Eigentümers der Firma sprechen. Das Allerwichtigste in der Zeit, in der wir leben, sind Taten." Eine Einmischung seitens des Chefs von Red Bull habe es nie gegeben, so Many Ameri.

Das große Schweigen

Zu den wenigen Kunst- und Kulturschaffenden, die sich klar gegen die Verquickung von RBMA und Mateschitz positionieren, zählt Sonja Eismann vom Missy Magazine. Als sie kürzlich gebeten wurde, einen Text für die Musikplattform zu veröffentlichen, sagte sie ab: „Der Chef ist immer wieder durch rechtspopulistische Äußerungen aufgefallen. Er hat sich negativ über Geflüchtete geäußert. Er hat bei seinem Fernsehsender Servus TV so einen Rechten Identitären wie Martin Sellner hoffähig gemacht. Das sind eben alles Sachen, mit denen ich nichts zu tun haben will.“ Und Hannes Teichmann vom Techno-Duo Gebrüder Teichmann kritisiert das allgemeine Schweigen: „Wir als Szene reflektieren nicht und reden auch nicht wirklich drüber. Ein kritisches Statement zu geben und trotzdem mitzumachen, fände ich besser als diese Stille.“

Sonja Eismann

Einfluss oder Boykott

Die Stille hat ihre Gründe. Die Teilnehmer der RBMA unterschreiben keine Knebelverträge, binden sich nicht an die Marke und können frei über die produzierte Musik verfügen. So attestiert Lutz Leisering vom Interessenverband der Berliner Clubbetreiber Clubcommission der RMBA insgesamt ein faires Konzept: "Mir sind Marken lieber, die sich inhaltlich einbringen und die verstehen was man macht, und das supporten." Für Matias Aguayo bringt Mitmachen mehr als Boykott. "Wie kann ich mit Musik etwas verändern, Leute beeinflussen, mit ihnen zusammenarbeiten und einen Unterschied machen."

Die Musiker machen sich also durchaus ihre Gedanken und jeder versucht für sich eine Lösung zu finden. Doch genau hier ist das Problem. Die RBMA müsste das Thema Mateschitz offen diskutieren und sich nicht länger in einen Mantel des Schweigens hüllen. Auf der anderen Seite müsste mehr getan werden, um das Abhängigkeitsverhältnis zur RBMA aufzulösen, indem staatliche Mittel zur Förderung von Musiktalenten deutlich erhöht werden.

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Stand: 01.10.2018, 13:00