Dr. Martin Vincentz

Playlist zur #LTWNRW22

Die Politische Playlist von... Martin Vincentz

Stand: 10.05.2022, 06:00 Uhr

Der AfD-Parteichef mag die gute alte Zeit. In seiner Playlist reist Martin Vincentz zurück in die 70er und 80er Jahre und findet ausgerechnet mit Die Ärzte angebliche Verbündete gegen Political Correctness.

Von Christian Werthschulte

Für die NRW-Landtagswahl haben wir Politiker:innen der Landtagsparteien gefragt, welche drei Songs sie und ihre Politik am besten zum Ausdruck bringen. Denn im Wahlkampf soll Musik positive Gefühle wecken und die Botschaften der Kandidierenden transportieren. Doch wie gut kennen sie sich in der Popkultur aus? Und wie vermitteln sie damit ihre politischen Ziele? Diesen Fragen gehen wir zusammen mit unseren Kolleg:innen der WDR Landespolitik auf den Grund: Im ausführlichen Gespräch mit den Kandidierenden im RheinBlick Podcast und im COSMO Playlist Check.

Hier ist die Politische Playlist von Martin Vincentt, dem Vorsitzenden der NRW in Nordrhein-Westfalen:

  • Die Ärzte – "Deine Schuld"
  • Creedance Clearwater Revival – "Have you ever seen the rain?"
  • Sting – "Englishman in New York"

Die Politische Playlist: Martin Vincentz (AfD)

WDR RheinBlick 10.05.2022 20:19 Min. Verfügbar bis 10.05.2023 WDR Online


Download

Die Ärzte - Deine Schuld

Martin Vincentz mag es traditionell. Der Krefelder Landesvorsitzende der AfD hat nur Gitarrenmusik in seine Politische Playlist gepackt. Und zumindest eine Band dürfte darüber nicht amüsiert sein: Die Ärzte. Eine linke Band auf der Playlist eines rechten Politikers? Und das obwohl Sänger Bela B. die AfD einmal die "Adolf-für-Doofe"-Partei genannt hat. Aber das Berliner Trio singt auch: "Worte tun nicht weh". Martin Vincentz vereinnahmt die Band dafür einfach als Verbündete im Kampf gegen Political Correctness: "Das drückt, glaube ich, viel aus in einer Zeit, wo man viel wieder über aggressive Sprache spricht, und darüber, dass Worte dann doch wehtun, dass man vielleicht wieder zensieren soll."

Die Ärzte singen in "Deine Schuld" außerdem: "Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär’ nur deine Schuld, wenn sie so bleibt." Das sieht auch die AfD in NRW so. Allerdings ist ihr eine Welt, wie sie früher einmal war, am liebsten: ohne Gendertheorie und offene EU-Grenzen, mit Strom aus dem Kernkraftwerk und deutscher Leitkultur. So steht es in ihrem Programm zur Landtagswahl.

Creedence Clearwater – "Have you ever seen the rain?"

Auch persönlich schätzt Martin Vincentz die vermeintlich gute alte Zeit und ihre Musik: "Ich mag prinzipiell die zeitliche Musikepoche. Der Sixties- und Seventies-Rock hat es mir sehr angetan." Seine Lieblingsband ist Creedance Clearwater Revival. Von den kalifornischen Oldie-Rockern hat er sich ihren großen Hit "Have you ever seen the rain" herausgesucht.

Einige sehen im titelgebenden Regen eine Metapher für die US-Bomben auf Vietnam. Andere sagen, der Regen symbolisiere, wie die Hippies nach dem "Sommer der Liebe" wieder in der bedrückenden Realität angekommen sind. Martin Vincentz mag diese Interpretation. Sänger John Fogerty hat einmal verraten, dass er mit dem Titel die Schattenseiten des Ruhms meint. Damit kennen sich auch Martin Vincentz und die NRW-AfD aus. Nachdem sie 2017 zum ersten Mal in den NRW-Landtag eingezogen waren, folgten interne Konflikte und Rassismusvorwürfe. Das ehemalige NRW-Vorstandsmitglied Matthias Helferich bezeichnete sich sogar mal als "freundliches Gesicht des NS". Von solchen Äußerungen distanziert sich Martin Vincentz allerdings.

Sting - "Englishman in New York"

In Stings Hit "Englishman in New York" flaniert ein distinguierter Engländer durchs grobschlächtige New York - mit Gehstock, höflicher Zurückhaltung und auf der Suche nach einer Tasse Tee. So sieht der AfD-Parteichef auch seine Rolle im NRW-Landesverband: ein Gentleman unter Schreihälsen.

Er sei "immer noch einer derjenigen, die mit Zurückhaltung und klaren Grenzen im Kopf an die Sache herangehen", so der 35-jährige Mediziner. In Interviews zeigt er sich höflich und überlegt. Aber austeilen kann Martin Vincentz auch. Früher hat er Slam-Poetry gemacht und dabei keinen Schenkelklopfer ausgelassen - auch nicht über die Sexualität Schwarzer Männer.