Die politische Playlist von... Armin Laschet

Armin Laschet

Playlist zur #BTW21

Die politische Playlist von... Armin Laschet

Von Christian Werthschulte

Punk aus Düsseldorf, Karneval aus Köln, Crooner-Klassiker aus New York und eine Schwulenhymne. Die politische Playlist von Armin Laschet ist sein Soundtrack auf dem Weg ins Kanzleramt.

Für die Bundestagswahl haben wir Politiker*innen aus allen Bundestagsparteien gefragt, welche Songs ihr Leben beschreiben und begleiten. Unser Motto: "Sag mir was du hörst, und ich sag dir, ob ich dich wähle." Denn im Wahlkampf soll Musik positive Gefühle wecken und eine Botschaft transportieren, von der auch Politiker*innen etwas haben. Aber wie glaubwürdig kommt ihre Playlist rüber? Das wollen wir beantworten. Diese Woche mit der Playlist von Armin Laschet, Kanzlerkandidat und Bundesvorsitzender der CDU.

  • Die Toten Hosen: "Tage wie diese"
  • Elvis Costello: "She"'
  • Israel Kamakawiwo’ole: "Over The Rainbow"
  • Brings: "Su lang mer noch am lääve sin"
  • Frank Sinatra: "Fly Me To The Moon"
  • Frank Sinatra: "My Way"
  • Louis Armstrong: "What A Wonderful World"
  • Aretha Franklin: "I Say A Little Prayer For You"
  • Edith Piaf: "Je Ne Regrette Rien"
  • Marianne Rosenberg: "Er gehört zu mir"

Die Toten Hosen: "Tage wie diese"

Falls Armin Laschet Kanzler werden sollte, steht die Triumphhymne schon fest. "Tage wie diese" von den Toten Hosen. Schon 2013 feierte die CDU damit ihren Wahlsieg, sehr zum Missfallen von Campino. Allerdings fangen die Toten Hosen das Siegesgefühl der Partei gut ein. "An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit / Haben wir noch ewig Zeit". Unendlich lang regiert die Partei mittlerweile – seit fast sechzehn Jahren. Und wenn man sich anschaut, was sie in der Zeit im Kampf gegen Rechtsextremismus, für die Digitalisierung und gegen den Klimawandel gemacht hat, dann hat sie wirklich so getan, als ob "ewig Zeit" wäre.

Elvis Costello: "She"

"She" von Elvis Costello ist einer dieser Lovesongs, in denen der Weg zum Happy End etwas komplizierter ist – wie bei Armin Laschet und seiner Frau Susanne. Mit acht Jahren hat er sie mal verprügelt, mittlerweile sind die beiden jedoch seit 36 Jahren verheiratet, haben drei Kinder, darunter einen Fashion-Influencer. Eine Musterfamilie.

Israel Kamakawiwo’ole: "Over The Rainbow"

Hinter dem Regenbogen dürfen wir träumen, singt Israel Kamakawiwo’ole, und zwar von einem friedlichen Zusammenleben in Diversität. Dafür hat sich Armin Laschet lange eingesetzt. Als Integrationsminister in NRW machte er seine Sache so gut, dass ihn die CDU-Rechte als „Türken-Armin“ bezeichnet hat. Noch heute gilt er als Unterstützer von Angela Merkels Flüchtlingspolitik. Allerdings wollte er auch nach Afghanistan abschieben lassen und sein Innenminister in NRW spricht gerne in rassistischem Duktus von „kriminellen Clans“. Das Ende des Regenbogens ist also noch etwas entfernt. 

Brings: "Su lang mer noch am lääve sin"

"Su lang mer noch am lääve sin", das heißt auf Kölsch so viel wie "Yolo" oder wie Gymnasiast Armin Laschet sagen würde: Carpe Diem. Karnevalsfan Laschet zeigt sich mit diesem Song als rheinische Frohnatur: in den Tag hinein leben und die Dinge nicht so ernst nehmen – so wie er es auch sonst manchmal tut. Als Dozent in Aachen verlor er mal die Klausuren eines ganzen Kurses. Anstatt sie nachzuschreiben, dachte er sich Noten aus. Sein Spitzname danach: "Würfel-Armin".

Frank Sinatra: "Fly Me To The Moon"

"Fliege mich zum Mond" singt Frank Sinatra zu seiner Angebeteten. Sie ist seine bessere Hälfte und macht ihn erst komplett – ein etwas antiquiertes Bild einer Beziehung. Aber vielleicht passt es gut zu Laschets Zielgruppe. Seine Playlist ist ja auch eher für eine Ü60-Party geeignet.

Frank Sinatra: "My Way"

"My way" ist der Mottosong der Playlist von Armin Laschet – ein Song über einen Mann, der immer getan hat, was getan werden musste, aber sich dabei treu geblieben ist. So sieht sich Laschet selbst. Er wollte früh Berufspolitiker werden, was nach einigen Rückschlägen ja auch geklappt hat. Seitdem tut er viel dafür, es zu bleiben: Einwände prallen an ihm ab. Erst in letzter Zeit bekommt dieses Image Risse: Nach der Flutkatastrophe regiert er schnippisch und gereizt auf Kritik.

Louis Armstrong: "What A Wonderful World"

Armin Laschet mag es in seiner Playlist gerne harmonisch: der Geruch von Blumen, Menschen, die lächeln und sich grüßen, große Kinderaugen. Das sind die Bilder aus "What A Wonderful World", dem Klassiker von Louis Armstrong. In der Politik ist Armin Laschet oft weniger harmoniesüchtig. Er ließ den Hambacher Forst aus fadenscheinigen Gründen räumen, eine Demo gegen das geplante Versammlungsgesetz in NRW wurde brutal beendet. Die "wonderful world", sie liegt außerhalb der Landesgrenzen.

Aretha Franklin: "I Say A Little Prayer For You"

Ein Klassiker des 60er-Jahre-Souls: Aretha Franklin steht auf, schminkt sich und das erste, an was sie denkt, ist ihr Mann, der im Krieg ist und für den sie ein Gebet spricht. Aber halt auch ein Song mit einem Frauenbild aus den 60er Jahren: Der Mann zieht in die weite Welt, die Frau bleibt zu Hause, schmeißt den Haushalt und sorgt sich um ihn. Hoffentlich kein Omen für Laschets Wahlkampf.

Edith Piaf: "Je Ne Regrette Rien"

Je ne regrette rien - ich bereue nichts. So die Lebensmaxime von Sängerin Edith Piaf. Auch Armin Laschet will uns mit diesem Song aus seiner Playlist etwas sagen. Die Sängerin aus Paris allerdings blickt dabei stolz auf ein Leben aus Glam, Liebesaffären und Schicksalsschlägen. Der Politiker aus Aachen auf ein politisches Leben aus Täuschungsmanövern, dubiosen Deals und Lobbyismus.

In seiner Amtszeit als NRW-Ministerpräsident hat Armin Laschet schon einige Skandale verursacht. 2019 ließ er den Hambacher Forst mit fragwürdiger Begründung räumen. In der Corona-Pandemie fädelte sein Sohn einen Deal für überteuerte Schutzkleidung und Masken ein. Zeitgleich lockerte der Papa die Corona-Maßnahmen, um bestimmte Industrien zu schützen. Bereut hat er das bislang nicht.

Marianne Rosenberg: "Er gehört zu mir"

Armin Laschet gibt sich gerne rheinisch-liberal und tolerant. Deshalb hat er die Schwulenhymne schlechthin auf seine Playlist gepackt: "Er gehört zu mir" von Marianne Rosenberg. Dazu haben fast alle Boys schon einmal getanzt. Und irgendwann hat ja selbst die CDU zugestimmt, dass zwei Männer auch auf dem Standesamt "Er gehört zu mir" sagen dürfen. Es hat halt nur etwas gedauert, bis 2017. Ist das wahre Liebe? Eher nicht: Armin Laschet hat im Bundesrat nicht zugestimmt.

+++ Anmerkung der Redaktion: Angefragt haben wir alle Parteien im Deutschen Bundestag. Die AfD hat uns keine Playlist geschickt. +++

Stand: 13.08.2021, 10:44