In Control: Yaeji

Yaeji in ihrem Studio

Frauen an den Reglern der Klubmusik

In Control: Yaeji

Von Maike de Buhr

In der Reihe "In Control" stellen wir euch die spannendsten Produzentinnen aus der elektronischen Klubmusik vor. Yaeji produziert House. Eindringlich-verträumte Vocals auf Koreanisch und Englisch sind das Markenzeichen der Musikerin aus Seoul und New York. Angefangen hat Yaeji als DJ bei einem College-Radiosender. Vor kurzem hat sie ihre Debüt-EP veröffentlicht.

Meine Musik ist… elektronisch. Die meisten nennen es House. Ich singe meine eigenen Vocals. Deswegen kann man auch eher von Songs als Tracks nennen. Ich variiere also irgendwie zwischen Dance Music und Songwriting.

Wie bist du zur Musik gekommen?

Als ich im College war, habe ich mit dem DJing angefangen. So habe ich einiges an Musik kennengelernt. Vor allem elektronische Musik, die mir vorher unbekannt war. Mit der neuen Musik, habe ich auch neue Leute aus der Szene kennengelernt. Die meisten waren DJs und Producer. Als ich angefangen habe Musik zu machen, kam das ganz natürlich und aus Neugier. Wie wäre das wohl, wenn ich meine eigenen Tracks mache, sie veröffentliche, im Radio und in Sets spiele oder Konzerte geben würde? Vieles hatte mit den Leuten zu tun, die mich umgeben haben. So bin ich zur Musikproduktion gekommen. Den Gesang habe ich erst später ergänzt, denn ich wollte erst mehr über Melodien und Akkorde lernen. Ich habe gemerkt, dass meine Stimme so ein ungekünsteltes Instrument ist, mit dem ich Sachen und Ideen ausprobieren kann. So kam also das Singen dazu. Später habe ich dann auch Remixe und Kollaborationen mit anderen Künstlern realisiert - das kam ganz organisch.

Was denkst du, wie gut sind Frauen in der elektronischen Musik repräsentiert?

Frauen sind definitiv schwach vertreten. Aber ich habe in letzter Zeit auch positive Aspekte wahrgenommen. Ich bin zwar noch nicht lange in der Musikszene unterwegs, deswegen habe ich vielleicht eine andere Perspektive. Aber ich habe den Eindruck, dass es in letzter Zeit mehr Interesse an dem Thema und mehr Gespräche dazu gab. Und das ist schon mal eine positive Veränderung. Aber es gibt auch noch grundlegende Situationen, die mich daran erinnern, dass es für Frauen anders ist. Beim Soundcheck zum Beispiel, wenn man nicht genauso behandelt oder wahrgenommen wird, wie ein männlicher Producer oder DJ. Ich habe aber auch wahrgenommen, dass mehr Menschen sich des Problems bewusst sind. Ich denke, wir befinden uns diesbezüglich gerade in einer Zeit des Wandels.

Wie können wir Frauen in der elektronischen Musik unterstützen?

Jeder hat da sicher eine andere Herangehensweise. Ich denke, es funktioniert generell ganz gut, wenn man Menschen positiv bestärkt. Lokal anfangen ist praktisch und wirkt. Ich lebe gerade in Brooklyn, New York, was für mich toll ist. Ich gehe zu vielen Shows, treffe da Leute, die meinen Geschmack teilen. Wenn ich Freundinnen zu mir einlade und ihnen zeige, wie man auflegt oder mit Musikproduktionssoftware umgeht, dann ist das auch einfach eine Art Lifestyle. Man muss das gar nicht als reines Frauen-Event benennen. Diese All-Woman-Events sind zwar auch toll, aber ich denke nicht, dass das der einzige Weg ist, etwas zu verändern. So etwas kann auch einschüchtern. Ich versuche allen eine Atmosphäre zu bieten, in der sie sich wohl fühlen.

Stand: 15.08.2017, 16:19