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Die Geburt des Grime

Skepta mit seiner Crew beim Mercury Prize 2016

London is the Place for me

Die Geburt des Grime

Grime entsteht 2002 im East End, in der Heimat der Cockneys, Londons Ureinwohnern. Piratenradios wie Rinse FM verbreiten anfangs den Sound. Grime heißt "schmutzig", und klingt auch so: düster, elektronisch, 2-Step trifft auf Hip Hop, aggressiver Rap wird in Hochgeschwindigkeit ausgespuckt. Wiley ist der erste Held, bekommt 2003 sogar den Mercury Musik Preis verliehen. Grime breitet sich immer weiter aus. Heute ist Grime mit Rappern wie Stormzy weltweit der tonangebende britische Sound aus den Clubs.

Die Ära

Der Euro wird eingeführt. Der Amoklauf an der Schule in Erfurt erschüttert Deutschland. Irak-Krieg: Bundeskanzler Schröder lehnt eine deutsche Beteiligung ab. In Großbritannien stirbt 101jährig die von allen geliebte Queen Mother.

Die Anfänge

Grime ist strictly underground. East London ist die Heimat. Ein Piratensender begleitet 2003 die Anfänge - Rinse FM. Dort moderiert July Adenuga, die Schwester der Rapper Skepta und JME. Sie spielt die Musik der Kids. Der erste Grime Held der Szene: Wiley. "Ich bin E3!", rappt er. In London muss man niemand sagen, worum es geht. E3 ist die Postleitzahl vom Stadtteil Bow. Heimat der Cockneys, der Ureinwohner Londons Wer von dort kommt, spricht oder versteht zumindest den Cockney-Rhyming-Slang. Wer von dort kommt, ist London. Aber eben East London. Nicht Hampstead, nicht Richmond und schon gar nicht Chelsea.

Der Stil

Alle Kids, die aus ihren East End Housing Estate auf die reichen verhassten Yuppie-Docklands gegenüber schauen, wollen sein wie Wiley. Aber Bow ist kein Slum. Bow ist eine Vielzahl von Communities. Indien, Afrika, Jamaika. Wie heißt es im Song von Makola "This is London"? West African Flavor, East End Behavior. Bow ist Arbeiterklasse. Wenn es gut läuft, wird man Cabdriver. Wenn man abrutscht, Drogendealer. Drogenkonsument ist man sowieso. Gerade nachts im Club. Grime, so die Radiomoderatorin July Adenuga bringt alles zusammen, Party und die Politics der Strasse: "Grimes direkter Vorgänge ist Garage. Wir wollten im Club unsere Musik hören. Und den Lyrics zuhören. Ohne mit dem Tanzen aufzuhören. Der Vibe soll weiter fließen."

Grimes Evolutionslinie sind allgemein britische Breakbeats. In Stilen chronologisch aufgelistet: Jungle. UK Garage. Grime ist musikalisch ein Mix aus vielem. Auch Computerspiele und ihre Sounds sind dabei. Lethal Bizzle, einer der wichtigen Rapper der Grimeszene sagt über den Grime Mix - und betont dabei eine wichtige Säule des Genres, die oft übersehen wird: "Grime hat viele Einflüsse. Afrika zum Beispiel. Wie Afrobeat und Highlife. Und Reggae, Hip Hop, Rap, Dancemusik. Alle diese Zutaten wurden in einen Topf geschmissen. So ist Grime entstanden. Aber afrikanische Musik hat vor allem einen gewichtigen Einfluss auf Grime."

Die Künstler

Stormzy, King of Grime
Skepta, tritt inzwischen als Main Act in O2 Arena London auf
Dizzee Rascal, Mercury Preisträger
Wiley, Godfather of Grime
JME, Skeptas kleiner Bruder

Die Clubs

Überall in East London: Wichtig sind aber auch die 'pirate stations', die illegalen Radiostationen. Allen voran Rinse FM, wo Skeptas Schwester July die angesagten, neuen Tunes droppt.

Grime international

Mitte/Ende der Nuller-Jahre breitet sich Grime aus. Birmingham wird wichtig und auch Schottland. Mit "Maths & English" landet Dizzee Rascal ein internationales erfolgreiches Album. Heute ist Grime der innovative Sound aus Großbritannien. Mit internationaler Anerkennung und Strahlkraft. 2015 bei den Brit Awards holt sich der US-Rapper Kayne West alle Grime Stars auf die Bühne - mit dabei natürlich: Skepta und Stormzy. Der Auftritt ist noch einmal ein wichtiger Push für die Grimeszene. Dieses Jahr waren Skepta und Stormzy selbst nominiert, gehen zwar leer aus, aber Ed Sheeran tritt diesmal mit Skepta auf. Die internationalen Stars buhlen um die Londoner Rapper, denn sie wissen: Grime is der heiße Scheiß.

Grime & Politics

Auch die Politiker zeigen sich inzwischen gerne mit den Grimerappern. Und Labourkandidat Jeremy Corbyn empfängt in seinem Londoner Büro einen der wichtigsten Rapper: Skeptas kleinen Bruder JME. Die beiden sitzen und plaudern. Auch über "Grime for Corbyn". Der Name für eine Plattform, gegründet von den wichtigsten Rappern der Szene, um ihren Mann zu unterstützen. Wir erinnern uns: Jeremy Corbyn war als Mr Hoffnungslos in diesen Wahlkampf gegangen und verfehlt dann um Haaresbreite den Einzug in die Downing Street Number 10. Grime hat ihm zu diesem Siegeszug mit verholfen. Ohne Grime keine Zustimmung der afrobritischen Community. Grime ist die Stimme der Jugend. Der Popkultur. Grime sagt, was Plan ist. An Grime kommt derzeit in Great Britian keiner vorbei. Das muss man sich vorstellen: Stormzy wird jüngst mit seinen Raplyrics im Parlament zitiert.

Zitat

"Ich hasse es, Grime mit HipHop vergleichen zu müssen. Denn da verschwimmen dann schnell die Linien. Aber eines habe beide doch gemeinsam. Es ist ein Lebensstil geworden. Grime hörst du nicht einfach im Radio, suchst dir ein paar itunes-Hits raus und das war es dann. Nein, Grime ist ein Lebenstil. Wenn du Grime hörst und lebst, dann bist du Teil einer bestimmten Community." (July Adenuga, Radiomoderatorin bei Rinse FM)

Empfehlung

Stormzy und Skepta sind heute die Stars. Aber mit Dizzee Rascal und seinem 2003er preisgekrönten Album "Boy in Da Corner" kommt man zu den Anfängen zurück. Anspieltipp: "Wot U On?"

Stand: 11.08.2017, 10:58