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Future Roots: Gqom

DJ Tira

Future Roots: Gqom

Von Lukasz Tomaszewski

In Future Roots nehmen wir die neuesten viralen Clubphänomene, die im Sturm die Global Dancefloors erobern unter die Lupe. Und dazu zählt der südafrikanische Gqom. Das House-Subgenre aus den Townships Durbans ist elektrifizierend, düster und hat hohes Suchtpotential.

Percussions, Drumrolls und Samples

Gqom ist ein sehr junger Musikstil aus den Townships von Durban in Südafrika. Als Entstehungsjahr wird in der Szene von 2012 gesprochen. 2015 tauchten der Begriff in den ersten Medienberichten auf. Stilistisch ist es eine sehr rohe und auch düstere Variante des Kwaito, also des südafrikanischen House. Dazu kommen Elemente des Tribal House und HipHop-Beats mit schweren Percussions, Drumrolls und sirenenartigen Samples. Der Gesang hat auch eine dunkle, schwere Klangfarbe: Mal wird richtig gerappt, dann sind es wirklich sehr minimalistische Spoken Words. Das Ergebnis ist ein sehr tranceartiger, hypnotischer Dancebeat. Inhaltlich geht es hauptsächlich ums Tanzen und exzessives Partymachen, im Netz kann man sich viele Videos mit Dance-Competitions dazu ansehen.

Vom Deep-House zu Broken Beats

Übersetzt bedeutet Gqom in der Landessprache Zulu "Schlag" oder "Trommel". Der Name beschreibt den Sound also perfekt. Angefangen hat alles als Netzphänomen. Junge Produzenten haben ihre Gqom-Beats auf Soundcloud hochgeladen. Weg vom Deep-House, hin zu Broken Beats ist das Motto. Als Begründer des Genres gillt DJ Tira: "Am Anfang war der Viervierteltakt des straighten House. Und dann hat jemand gesagt: Das ist irgendwie langweilig. Dieses 1,2,3,4. Lass uns doch zählen: 1, Pause, 3,4. So wurde Gqom geboren. Es war so elektrifizierend und anders. Und wir dachten: Oh, was ist das jetzt. Es ist so dreckig. Aber es ist so gut!"

Der 40-jährige DJ Tira ist der Star der Szene. Er wird auch "The Originator of Gqom" genannt. Der Musiker hat mehrere Nr.1 Hits geschrieben, wie die Kwaito-Nummer "Umlilo".

DJ Tira hat schon 2010 den südafrikanischen Musik Award für "Album of the year", "Artist of the year" und "Song of the year" abgestaubt. Das Besondere an DJ Tira ist allerdings, dass er auch mit der jungen Produzenten-Szene bestens vernetzt ist. Ihre Tracks landen auf den Compilations von DJ Tiras Label. Der Künstler erklärt den Erfolg von Gqom übrigens selbst mit dem ursprünglichen, rauhen Straßencharme: "Es kommt aus dem Ghetto und ist rough und immer noch heiß! Es gibt keine Traurigkeit darin, es klingt nach dem Gipfel der Party. Wenn Leute die Kontrolle verlieren und tanzen und abgehen."

Vom Township in die Welt

Zu den Pionieren zählen Teenager-Gruppen wie die Rudeboyz, die Mafia Boyz oder die Distruction Boyz. Und die haben in ihren Township-Hütten in großen Gruppen an ihren PCs gehockt und gemeinsam Beats gebaut. Die Tracks wurden im Freundeskreis weitergereicht und die einzelnen Viertel wetteiferten um den besten Sound.

Am Wochenende stiegen die Boys in einen Minivan mit großen Subwoofern und beschallten das Viertel. Der Produzent Menchess vom Kollektiv Rudeboys sagte dem Dazed-Musikmagazin: "Ehrlich gesagt hätte ich nie gedacht, dass Gqom jemals die Stadtgrenzen von Durban verlässt. Geschweige denn dass es auf einen anderen Kontinent überschwappt." Aber genau das ist passiert: Londoner Grime-DJs waren so begeistert von dem Sound, dass sie 2015 erstmals eine LP des Gqom veröffentlichten. Seitdem verbreitet das Label Gqom_oh  den Style auch außerhalb von Südafrika.

Babes Wodumo ft Mampintsha - "Wololo"

Ladies im Anmarsch

Das Genre ist klar männerdominiert, aber es gibt auch eine Lady, die die Szene richtig aufmischt, und das ist Babes Wodumo. Ihr Song "Wololo" ist mittlerweile einer der meistgespielten Tunes 2016 in Südafrika.

Taxi Kick!

Es gibt gerade einen neuen Style in der Gqom-Szene und zwar: Taxi Kick! Dafür braucht man ordentliche Subwoofer. Der Track "Igqom lo Gqonqa" von der TLC Fam liefert ein super Beispiel. Das Label Gqom_oh  hat einige dieser tracks Online gestellt.

Ein gerade zu massiver, zerstörerischer Bass mit einer eindringlichen Kick Drums, die geschichtet, unterschiedlich bearbeitet, verzerrt und runtergepitcht werden. Dazu gibt’s wiederholen sich die Vocal Samples – und etwas schneller als original Gqom ist Taxi Kick auch. Die junge Szene in Durban lebt von der ständigen Weiterentwicklung.

Stand: 24.08.2017, 17:01