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Vier Musikerinnen machen Pop über Weiblichkeit, Identität und Liebe

Jojo Abot ist Popmusikerin aus Ghana

Do it yourself - Feminismus

Vier Musikerinnen machen Pop über Weiblichkeit, Identität und Liebe

Zu Hause und ohne Plattenlabel produzieren vier Musikerinnen abseits des Mainstreams. Sie feilen an der Zukunft des Pop. Und sie setzen sich für Feminismus ein – wie Jojo Abot aus Ghana.

Jojo Abot

"Fyfya Woto" ist der Name von Jojo Abots Großmutter und ihrer ersten EP. Fyfya Woto ist das Leben, das Universum, die Evolution, sagt die aus Ghana stammende Musikerin. In ihrer EP erzählt sie die Geschichte von Kolonisation, Sklaverei und Patriarchat. Ihre Songs entstehen in Accra, in Kopenhagen und in New York. Sie arbeitet mit Tänzerinnen und trägt Kostüme und Schminke, die sich an Afro-Ästhetiken orientiert. Ihre Beats bewegen sich zwischen Reggae, Soul und R&B und kommen aus dem Computer. Sie nennt das Afrohypnosonic.

In ihrem Song "Bullshit" geht es darum, gegen Ungerechtigkeiten aufzubegehren, vor allem den Rollen-Bullshit mit dem Jojo Abot als Frau aufgewachsen ist: "Als ich aufgewachsen bin, wurde mir klar: Es kann nicht nur diese eine Definition von Weiblichkeit geben."

Jojo Abot

COSMO | 07.08.2018 | 02:00 Min.

ESG

ESG

ESG-Plattencover von 1991

Die South Bronx Ende der 70er-Jahre: Wohnhäuser verfallen oder werden in Brand gesteckt, um das Geld der Versicherung zu kassieren. Der Wohnraum ist so knapp, dass in Public-Housing-Projekten oft über 3000 Menschen in einem Gebäude leben. Und mittendrin probt eine Band: ESG - das sind Renee, Marie, Valerie und Deborah Scroggins, vier Schwestern und ihr Kumpel Tito. Ohne Unterricht oder Noten lesen zu können, fingen die fünf an, Musik zu spielen. Ihr Sound orientierte sie sich an dem, was sie hörten: Disko, Funk, lateinamerikanische Musik der vielen Familien aus Puerto-Rica in ihrem Block, Post-Punk.

1980 entdeckt die Teenager-Band das britische Post-Punk-Label Factory Records. Mit ihrem späten Diskosound legten sie vor allem einen Grundstein für HipHop. Heute ist ESG ist eine der meistgesampleten Bands aller Zeiten - ohne gefragt zu werden. Und davon sind sie ziemlich genervt, sagt Renee Scroggins: "Rapper reden über Frauen wie über Hunde, dafür wurden unsere Songs nicht geschrieben!"

ESG

COSMO | 08.08.2018 | 02:00 Min.

Manthe Ribane

Die Südafrikanerin Manthe Ribane ging mit 13, nach dem frühen Tod ihrer Eltern, nach Johannesburg  und wurde Model, Designerin, Tänzerin und Musikerin. Schon vor ihrem 30. Lebensjahr gründete sie eine eigene Kreativagentur. Auch in ihrer Musik steht die visuelle Ästhetik immer im Vordergrund.

Manthe Ribane

Manthe Ribane

Es gab schon zwei gemeinsamen EPs mit dem Londoner Produzenten Okzharp - Dieses Jahr folgte das Album "Closer Apart". Darin zitiert und interpretiert Manthe Ribane Gqom aus dem südafrikanischen Durban. Dessen Musik ist nicht bloß Sound, sondern es geht um eine Kultur, eine Ästhetik und eine Sprache dahinter. In dem Musikvideo tanzt Ribane Pantsula, einen Tanz, den sie von ihrer Mutter gelernt hat. Manthe Ribane geht es immer auch um ihre Idee einer besseren Welt: "Nach dem Ende der Apartheid in Südafrika habe ich nun die Möglichkeit, die Welt zu bereisen und diese großartige Ästhetik zu feiern. Aber früher war Pantsula ein Ausdruck von Hoffnung, von Schicksal, der Gedanke an eine bessere Zukunft. Man sollte immer versuchen, einen Weg für eine positive Zukunft zu finden."

Tirzah

Tirzah

Tirzah

Die britische Musikerin Tirzah kommt aus dem nordenglischen Essex, wechselte mit 13 auf eine Londoner Privat-Musikschule. Da lernte sie die Musikerin Mica Levi kennen. Eigentlich hatte Tirzah ein Stipendium für die Harfe, Mica Levi lernte Geige und Komposition. Bald aber waren die beiden nur noch im Technikraum anzutreffen.

Die Themen in ihrem ersten Album "Devotion" sind down-to-earth: "Hingabe" heißt "Devotion" übersetzt. Es geht um Liebe. Sie fetischisiere die Sehnsucht, meint Tirzah selbst. Tirzahs ist Tagträumerin. Ihre Träumerei sei auch dafür verantwortlich, dass die beiden ihr Album über Jahre hinweg produziert haben. Ein paar Stücke auf der Platte entstanden schon während der Schulzeit, andere sind brandneu, einige schrieben die beiden dazwischen, als Tirzah Modedesign studiert hat. Levi ist in der Zwischenzeit als Micachu eine gefragte Produzentin geworden. Sie macht Filmsoundtracks, für die sie sogar schon für den Oscar nominiert war. Nun produziert sie die verkopft-verschwurbelten Beats für ihre Freundin Tirzah - zwischen britischer Bassmusik-Tradition, ruhigen Pianos und elektronischen Effekten.

Stand: 07.08.2018, 15:06