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Die besten Songs 2020

Collage best of Songs 2020 - Lous and The Yakuza, Ghanaian Stallion,  Salif Keita und Sevdaliza

Best of 2020

Die besten Songs 2020

Die COSMO-Musikredaktion stellt ihre Lieblingssongs 2020 vor: Mit dabei sind Andrea Laszlo De Simone mit "Immensità", US-Rapper Lil Baby mit seiner BLM-Hymne "The Bigger Picture" oder Belgiens Avantgarde-Queen Lous and The Yakuza und ihr Song "Amigo".

Elena Bavandpoori (Musikvolontärin): Lido Pimienta feat. Li Saumet - "Nada"

Die kolumbianischen Frauen Lido Pimienta und Li Saumet nehmen uns mit auf eine Fährte zum Urschmerz aller Frauen auf der Welt, zu ihren Geschichten, ihrer Resilienz und ihrer Furchtlosigkeit. Und das springt über. Mit den Flöten und wuchtigen Percussions ist der Song wie eine Reise über die Anden zu Lido Pimientas indigenen Wurzeln. Sie hat nicht mal Angst vor dem, was nach dem Leben kommt: "No le tengo miedo."

Francis Gay (Musikchef): Andrea Laszlo De Simone - "Immensità"

Unermesslichkeit heißt auf Italienisch "Immensità". Und in diesem schlimmen Corona-Jahr habe ich die Unermesslichkeit dank Andrea Laszlo De Simone entdeckt. Dieser Song des Cantautore aus Turin hat mich verhext. Was für eine wunderbare Anomalie: ein antiquierter Sound, eine unschuldig-lässig-schwebende Stimme, die sich über das Unermessliche, über Leid und Freude auslässt. Andrea Laszlo De Simone würde ich gern mal treffen und interviewen. Sein Lied wie ein Traum. Wie kein anderes Leid gibt es mir, was ich täglich in diesen Corona-Zeiten vermisse: Geborgenheit und Vertrautes.

Anna-Bianca Krause (Moderatorin Soundcheck): R.Wan & Salif Keita - "Des Humains"

Das schönste Duett des Jahres ist "Des Humains" von R.Wan und Salif Keita. Der Song hat vom ersten Hören an mein Herz erreicht. Erst danach ist mir klar geworden, dass da auch noch eine wichtige Botschaft drin steckt. R.Wan, der Franzose, der den Musikstil Rap Musette erfunden hat, und der legendäre malische Sänger Salif Keita singen zweisprachig von der Unmenschlichkeit unserer Gesellschaft und vom Krieg in Syrien, der Menschen zu Mördern macht. Und Akkordeonmeister Fixi lässt die Botschaft auf einer melancholisch schönen Melodie schweben.

Siham El Maimouni (Moderatorin Soundcheck): Bab L’Bluz - "Ila Mata"

Ich liebe die Stimme von Yousra Mansour, und der psychedelische Sound zwischen Blues und nordafrikanischer Musik kriegt mich sofort. Vor allem ist das Lied aber mein Song 2020, weil er mich musikalisch in die Heimat meiner Eltern reisen lässt - nach Marokko. Seit der Pandemie waren wir nicht mehr dort und konnten uns nicht von wichtigen Menschen verabschieden, die uns dieses Jahr verlassen haben. Deswegen ist "Ila Mata" mein kleiner musikalischer Trost.

Keno Mescher (Moderator Soundcheck): Ghanaian Stallion, King Hanny & Zex Bilangilangi - "Kikumi Kinana 180"

"Kikumi Kinana 180" ist ein Song vom Berliner Produzenten Ghanaian Stallion. Ein rougher, minimalistischer, atmosphärischer Dancehall-Beat, darüber performen die ugandischen Artists Zex Bilangilangi und King Hanny eine klassische Club-Kennenlern-Geschichte. "Kikumi Kinana 180" heißt so viel wie "Haut voll rein" bzw. "Geht durch den ganzen Körper" und bezieht sich auf die Höchstgeschwindigkeit eines handelsüblichen Toyota, in Uganda sehr weit verbreitete Automarke. Und in dem Tempo enfaltet "Kikumi Kinana 180" eine ziemlich amtliche Wucht.

Jan Kawelke (Moderator Soundcheck): Pashanim - "Airwaves"

Das muss man erstmal machen: Im Winter 2019 der aufsehenerregendste Newcomer sein und dann 2020 nur einen Song rausbringen. Aber was für einen! Pashanim ist mit seiner Sommersingle "Airwaves" Gold gegangen und hat nebenbei bewiesen, dass er neben harten Bangern und melancholischen Blocksongs auch noch Maintstream-Hits schreiben kann. Den Rang ablaufen könnte ihm eigentlich nur einer - und der ist in seiner Crew: Symba - mit immerhin drei Songs über das Jahr verteilt. Warum so wenig Output? Das beschreibt Symba mit der folgenden Metapher: "Das ist ein Dreigang-Menü und kein All you can eat".

Rebecca Nowak (Musikredakteurin): Lil Baby - "The Bigger Picture"

Achtzehn Tage nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd durch einen Polizisten veröffentlichte Rapper Lil Baby aus Atlanta den Trap-Song "The Bigger Picture". Eine Protesthymne für die Ewigkeit, auch wenn es hoffentlich nicht so lange dauert, bis sich endlich was für PoC ändern wird. Ein solch kraftvoller Song, der tief berührt hat und unter die Haut geht. "The Bigger Picture" ist ein Statement gegen Rassismus, ein Hilfeschrei gegen Polizeigewalt, ein Mutmacher für die Erstarkung und Gleichstellung der Schwarzen Community in den USA.

Uh-Young Kim (Musikredakteur): Lous and The Yakuza - "Amigo"

Die junge Rapperin Lous and The Yakuza, aus Brüssel hat uns dieses Jahr alle umgehauen mit ihrem Style aus Trap, Avantgarde und Afro Vibes. Lous ist ein Multitalent: Sie führt Regie in ihren Videos, ist Model, kann rappen und singen. Der Beat von "Amigo" treibt sanft zwischen Future Reggaeton und Soukous, der klassischen Tanzmusik aus dem Kongo, von wo Lous als Kind nach Belgien geflüchtet ist. Jahrelang hat sie auf der Straße gelebt, 2020 ist sie als Künstlerin aus der kongolesischen Diaspora – wie übrigens auch Damso oder Stromae - durch die Decke gegangen und angekommen an der Spitze des Global Pop.

Steffen Schmidt (Musikredakteur): Sevdaliza - "Oh My God"

Mich hat dieses Jahr Sevdaliza beeindruckt mit ihrer außergewöhnlichen Stimme.In der Öffentlichkeit gibt sich die Sängerin geheimnisvoll und irgendwie entrückt. So klingt auch der Song "Oh my god". Er beginnt mit Sevdalizas gepitchter Stimme, dann kommen ihre eher sanften Rapflows. Im Sound dazu gibt es TripHop-Bezüge. Wenn es einen Song gäbe, in den ich reinsinken möchte wie in eine warme Badewanne, dann ist es Sevdaliza mit "Oh my god".