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Musiklabor inmitten der Meere

Kriol Jazz Festival Praia

Praia

Musiklabor inmitten der Meere

Von Francis Gay

Etwa 500 Kilometer vor der senegalesischen Küste ist die Atlantic Music Expo (AME) Plattform und Treffpunkt für Musikprofis aus Nord- und Südamerika, Afrika und Europa. Die fünfte Ausgabe der Musikmesse AME fand in Praia, Haupstadt der Kapverdischen Inseln, diese Woche statt und jetzt läuft dort das 10. Kriol Jazz Festival.

Anders als die meisten von Hektik geprägten Branchentreffen weltweit bietet die AME sagenhafte Vorzüge: Praia ist klein und übersichtlich. So hat man hat dort die Zeit, Meetings in Ruhe zu gestalten und Themen zu vertiefen, Open-Air Konzerte bei Traumwetter zu geniessen und unzählige Newcomer zu entdecken.

Jacob Desvarieux und Pianist Mario Canonge

Pianist Mario Canonge (rechts) ist der Überzeugung, dass kreolische Musik bald überall zu hören sein wird.

Soundguide: Die Kreolisierung der Welt

COSMO | 24.04.2018 | 02:17 Min.

Neben Konferenzen und Workshops gab es diesmal 35 Konzerte und DJ-Gigs. Imponierend waren insbesondere die Konzerte von Jupiter & Okwess International (Kongo), Lindigo (Reunion); Elida Almeida & Lucibella (Cabo Verde) sowie Djazia Satour (Algerien/Frankreich). Nicht zu vergessen: das sagenhafte DJ Set von Buruntuma.
Am Rande des Geschehens haben Elida Almeida und die Brasilianerin Flavia Coelho einen Video Clip gedreht und Olivier Araste die Musik seiner Band Lindigo erläutert.

Olivier Araste

Olivier Araste von der Réunion Insel hat die AME mit einem Konzert seiner Band Lindigo im Parlament von Cabo Verde eröffnet.

Soundguide: Olivier Araste über Maloya

COSMO | 17.04.2018 | 01:53 Min.

José da Silva & Elodie da Silva

José da Silva (links) hatte gute Gründe zu feiern: Er hat die Atlantic Music Expo vor 5 Jahren und das Kriol Jazz Festival vor 10 Jahren ins Leben gerufen. Rechts: Elodie da Silva, die bei der AME für die internationalen Beziehungen zuständig ist.

Als Manager von Césaria Evora und mit seinem Label Lusafrica hat José da Silva seine Heimat Kapverden auf die musikalische Weltkarte gesetzt. Francis Gay sprach mit ihm in Praia, wo er vor 10 Jahren das Krio Jazz Festival kreiert und vor 5 Jahren die Atlantic Music Expo mit ins Leben gerufen hat.

Was war zu Beginn die Idee vom Kriol Jazz Festival?

José da Silva: Ich wollte ein Treffen für kreolische Musik machen. Ich habe mich gleich auf die Suche nach guten Künstlern und Bands aus der Karibik, Lateinamerika, vom indischen Ozean begeben und sie dann mit anderen aus Afrika, Europa und den USA programmiert. Denn aus der Mischung dieser unterschiedlichen Kulturen, aus der Begegnung von indigenen und fremden Zutaten entsteht das Kreolische. Die Idee war, dass sich diese Leute bei uns begegnen um dann zu sehen was da entsteht.Dann wollte ich auch unsere kapverdischen Musiker zusammen rütteln, ihnen zeigen, dass es andere kreolische Musikgattungen gibt, die wesentlich emanzipierter und freier sind. Unsere Leute hier waren damals in ihrer traditionellen Musik wie eingesperrt, hatten kaum den Mut Neues auszuprobieren. Als sie aber dann Bands aus Brasilien, Kuba, Martinique, Guadeloupe und Top Jazz Musiker aus den USA live gesehen haben, hat ein Umdenken angefangen. 10 Jahre später staune ich jetzt über all die Veränderungen. Auf der Basis unserer Traditionen, von Stilen wie Morna, Coladeira oder Funana, findet eine grundlegende Erneuerung statt. Experimentierfreudigkeit ist kein Tabu mehr, sondern ein Muss. Noch nie war die Musikszene hier so kreativ wie heute.

Was ist die momentan wichtigste Entwicklung?

José da Silva:  Dank der Ikone Cesaria Evora, haben die Frauen das Kommando in der Musikszene übernommen. Cesaria hat fast 10 Millionen Alben verkauft und damit den Weg für die Frauen eröffnet. Was früher in den Familien eher verpönt war, nämlich die eigenen Töchter singen zu lassen, ist heute Konsens. De Frauen sind erfolgreicher als die Männer. Elida Almeida, 25 Jahre alt, ist der shooting Star und spielt mittlerweile auf allen Kontinenten. Und neben ihr gibt es Dutzende von hochtalentierten Sängerinnen, wie Ceuzani, Lucibela, Sara Tavares oder Mayra Andrade.Interessant ist auch das Aufkommen von jungen Talenten, die unsere Musik verändern. Es gibt immer mehr Elektronik. Auch die Rapper finden einen eigenen, originellen Weg, ganz besonders Helio Batalia oder Big.Z Patronato aus Santiago.

Sie sind mittlerweile in Abidjan für Sony Music Westafrika zuständig und dealen mit Beatmakern und Künstlern aus Nigeria, der Cote d’Ivoire und u.a. dem Senegal. Hat die kapverdische Musik wirklich eine Chance um sich international zu etablieren und wie sieht die Zukunft der Musik Afrikas aus?

José da Silva: Eine Rolle wird Cabo Verde musikalisch nur spielen können wenn sich hier die Künstler von der portugiesischsprachigen Welt befreien. Der hiesige Markt und der Blick nach Portugal reichen nicht aus. Es wird natürlich schwierig, aber ich zuversichtlich. Sicher ist, dass Afrika in den kommenden Jahren das Musikgeschehen auf dieser Welt mächtig prägen wird. Die Vielfalt und die Kreativität sind immens, nicht nur in Lagos, Johannesburg oder Abidjan. Und auch wenn es etwas naiv klingen mag: die Menschen hier sind Musiksüchtig. Sie lieben Musik, hören ständig Musik, sind addict, mehr als woanders. Afrika hat bisher wesentliche Bestandteile, sozusagen den Rohstoff für die westliche Popmusik geliefert. Nun können wir selber die Farben, die Sounds und die Stile von Popmusik vorgeben. Und mir liegt es dabei am Herzen, dass wir die dazu passenden Geschäftsgrundlagen auch hier in Afrika mit steuern. Die digitale Revolution findet jetzt in der Musik auch hier statt und wir müssen das Ganze so gestalten, dass wir unsere Spezifizitäten, die kulturell bedingt sind, aufbewahren und damit auch Business betreiben.

Elida Almeida & Flavia Coelho

 Elida Almeida & Flavia Coelho beim Videodreh

Jupiter & Okwess International

Ein genialer Künstler aus Kinshasa: Jupiter, rechts mit seiner fulminanten Band Okwess International

Djazia Satour

Eine der schönsten Überraschungen der Atlantic Music Expo: Sängerin Djazia Satour

Francis Gay bei der AME

Die Teilnehmer des Panels "Digitale Revolution im afrikanischen Musikbusiness" (links nach rechts): José Da Silva (Sony Westafrika), COSMO-Musikchef Francis Gay, Binetou Sylla (Syllart Records), Djo Moupondo (Muska) & Thibaut Mullings (Idol)

DJ Buruntuma aus Guinea Bissau hat auf der AME gezeigt, dass er zu den besten DJs Afrikas zählt.

DJ Buruntuma

Soundguide 180508 Das kreolische Lissabon beim ESC

COSMO Sound Guide | 14.05.2018 | 02:02 Min.

Der Eurovision Song Contest in Lissabon. Das Ticket kostet 299 Euro. Dafür kriegt man ganze 43 KandidatInnen geboten. Für Deutschland tritt Michael Schulte an - ein Riesenspektakel, von dem man weiß, dass es wieder Mal an Peinlichkeit nicht zu überbieten sein wird. Doch einen guten Grund einzuschalten hat unser Soundguide Francis Gay gefunden.

Stand: 14.05.2018, 20:36