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Zoufris Maracas - "Bleu de Lune"

Zoufris Maracas - "Bleu de Lune"

Review

Zoufris Maracas - "Bleu de Lune"

Die Musiker der Pariser Band Zoufris Maracas sind die Freien Radikalen der globalen Chansonszene. Auch auf ihrem vierten Album haben sie bissige, gesellschaftskritische und politische Texte in wunderschöne, ohrwurmartige Melodien gepackt.

Jugendfreunde

Auch wenn die Band inzwischen auf eine neunköpfige Besetzung angewachsen ist, am Anfang waren sie zu zweit. Zwei Vincents: Vincent Sanchez und Vincent Allard, die schon als Kinder zusammen Fußball gespielt haben. Später reisten sie mit einem mobilen Filmprojektor gemeinsam durch Afrika und haben in den Dörfern Filme gezeigt. Mehr aus Langeweile fingen sie damals an, Gitarre zu spielen, zu singen, einfache Songs zu schreiben. Zurück in Paris haben sie dann um zu überleben, Straßenmusik gemacht und in der Metro gesungen und da wurden sie auch entdeckt. Und gleich ihr erstes Album hat sich 40.000 Mal verkauft. Chapeau!

Yachten vs Holzboote

Zoufris Maracas – ein Bandname, der schon nach Musik klingt, doch die Bedeutung geht tiefer. Den ersten Teil Zoufris, den haben sie sich geliehen, so hat man in den 40er- und 50er-Jahren die algerischen Migranten genannt, die in Frankreich gearbeitet haben und das Geld nach Hause geschickt haben. Zoufris, das ist ein Mischwort aus Ouvrier also Arbeiter und souffrir, leiden - und die Maracas, diese Rumba-Rasseln, sie stehen für die Rhythmen, die ja bei Zoufris Maracas zentral sind. Die beiden Vincents kennen die Perspektive derjenigen, die am Rande der Gesellschaft leben und singen deshalb bis heute für eine andere, eine humanere Welt. So zum Beispiel in "Mon ami mon frere", wo sie zu karibischen Rhythmen davon singen, dass wir alle, egal ob wir im Elend leben oder im Reichtum, am Ende zu Staub werden. Und in "Sa majesté la mer" – übersetzt: Seine Majestät das Meer - fragen sie das Meer, ob es nicht einmal die Yachten der Milliardäre untergehen lassen könnte, statt der kleinen Holzboote, in denen ihre Brüder, sprich die Flüchtlinge und Migranten, sterben. Dazu gibt es wunderbar federleichte kapverdische Rhythmen.

Stand: 03.04.2020, 21:20