Live hören
Jetzt läuft: Le Code von Myth Syzer

Young Thugs Debütalbum macht "So Much Fun"

Young Thug - "So Much Fun"

Review: Young Thugs - "So Much Fun"

Young Thugs Debütalbum macht "So Much Fun"

Von Lina Burghausen

Er ist einer der aufregendsten Figuren der Trap-Musik. Young Thug, Rap-Superstar aus Atlanta, veröffentlicht sein lang erwartetes Debütalbum "So Much Fun".

Mit Soundinnovationen und extravaganten Selbstinszenierungen sprengt Young Thug regelmäßig Grenzen. Vergangene Woche feierte er seinen 28. Geburtstag und machte nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Fans das denkbar beste Geschenk: Er veröffentlichte sein vielmals angekündigtes und oft verschobenes Debütalbum. Nach etlichen Namenswechseln heißt es nun "So Much Fun" – und der Name ist Programm.

"So Much Fun" - Der Albumname ist Programm

Man solle das Album nur hören, wenn man gute Laune hat, sagte der Musiker in einem Interview. Kalkulierte Clubsounds sind auf dem neunzehn Song starken Werk dennoch nicht zu finden. Vielmehr liefert Young Thug mit "So Much Fun" ein Zeugnis seiner Vielseitigkeit und zeigt, wie frei er an seine Musik herangeht.

Feste Songstrukturen oder klassische Verslängen sucht man in Songs wie "Sup Mate" mit Rap-Kollege Future vergebens. Fast möchte man von Free Trap sprechen. Auch das Spiel mit Stimmeffekten und Adlibs treibt der Rapper auf dem Album weit über die Spitze des zeitgenössischen Traps hinaus: Kiekser und Schreie, Lautmalerei und ungewöhnliches Timing – all das sorgt dafür, dass Adlibs, Young Thug sei Dank, tatsächlich wieder wie ein kreatives Ausdrucksmedium wirken, und nicht wie eine Notwendigkeit der kommerziellen Rapmusik. Das macht Spaß! Auch raptechnisch zeigt der Artist unterschiedlichste Facetten, rappt hier und da im reduzierten Singsang, der jede Zeile wie eine einzelne Hook wirken lässt, nur um wenig später mit ausgefeilten Doubletime-Parts zu überzeugen.

Dreizehn Gäste sind mit von der Partie

Freude bereiten auch die Produktionen auf "So Much Fun" Besonderen Eindruck machen dabei die von Südstaatenswing und Gitarrenakkorden geprägten Instrumentale von Songs wie "Just How It Is" und "Circle of Bosses", die beinahe nach einem Besuch in der "Old Town Road" klingen. Für Abwechslung sorgen brachiale Trap-Beats und verstrahle Synthie-Melodien, die ihren ohrwurmförmigen Höhepunkt in der aktuellen Single "Surf" finden, auf der auch Young Thugs langjähriger Kollege Gunna vertreten ist.

Insgesamt dreizehn Gäste hat sich der Rapper für sein Debüt auf Albumlänge mit ins Studio geholt, darunter die üblichen Verdächtigen wie 21 Savage, Quavo sowie Travis Scott und J. Cole, mit denen Young Thug den zeitlosesten und besten Song der Platte geschaffen hat: Das bereits vorab veröffentlichte "The London".

Album als Statement an die Rap-Szene

Aller Vielseitigkeit zum Trotz hat das Album insbesondere im Mittelteil seine Längen, was auf die doch recht repetitiven Themen der Songs zurückzuführen ist. Im Zentrum der Texte steht, wie gewohnt, Young Thugs Status – in der Rap-Szene, aber auch monetär. Frauen dienen auf dem Album in erster Linie dazu, von Thug mit teurem Schmuck behangen oder wahlweise in ein Taxi gesteckt zu werden, falls sie kein Interesse an einem Blowjob haben. Auch die Erwähnung diverser Verfolgungsjagden mit den Cops wird bei regelmäßiger Wiederholung eher langatmig als spannungsfördernd. Darüber sollte man hinwegsehen können, wenn "So Much Fun" wirklich Spaß machen soll. Auf musikalischer und soundästhetischer Ebene jedoch zementiert Young Thug mit diesem Album definitiv seine Legacy als einer der innovativsten Köpfe der aktuellen Rap-Szene. Das Warten hat sich gelohnt!

Stand: 23.08.2019, 12:00