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30 Jahre Real World: Eine Compilation zum Fest

V.A. - "Worldwide: 30 Years of Real World"

V.A. - "Worldwide: 30 Years of Real World"

30 Jahre Real World: Eine Compilation zum Fest

Von Anna-Bianca Krause

Vor 30 Jahren fiel nicht nur die Berliner Mauer, sondern es entstand auch Real World Records, eines der wichtigsten Plattenlabel für Global Sounds. Ohne das hätte man in Europa und den USA viele großartige Künstlerinnen und Künstler aus anderen Kulturen vielleicht niemals gehört. Mit der Compilation "Worldwide: 30 Years of Real World Music" feiert das von Peter Gabriel gegründete britische Label jetzt Geburtstag.

Popstar & Pionier

Peter Gabriel - britischer Popstar, Musikvideo-Pionier, Produzent, Songwriter und politischer Aktivist – hatte schon 1982 WOMAD gestartet, ein Festival mit Musik und Tanz aus allen Kulturen. Das gibt es bis heute. Da hat Gabriel Künstler wie Youssou N'Dour oder Nusrat Fateh Ali Khan erstmals einem westlichen Publikum vorgestellt. Nusrat Fateh Ali Khan, der Mann mit der Wahnsinnsstimme, war der größte Qawwali-Sänger Pakistans. Qawwali, diese jahrhundertealten, mystischen Sufi-Gesänge hatte man hier in Europa noch nie gehört. Peter Gabriel hat ihn 1985 zu WOMAD nach Bath eingeladen und ab da hat Nusrat Fateh Ali Khan eine irre Karriere außerhalb seiner Heimat gemacht. Und seine Stimme hat man inzwischen in Filmen von Oliver Stone, Tim Robbins oder Martin Scorcese gehört und natürlich auf den Dancefloors durch Remixe zum Beispiel von Massive Attack.

Vom Festival zum Label

Die Leute waren begeistert von der Musik, die sie bei WOMAD hörten, aber man kam nicht an die entsprechenden Platten ran – also hat Peter Gabriel sieben Jahre später mit Real World das Label dazu gegründet. Damals war der Begriff Weltmusik gerade erst geboren, den legte Gabriel allerdings anders aus als üblich: Er veröffentlichte auf Real World nicht nur afrikanische oder asiatische Sounds, sondern beispielsweise auch das Afro Celt Sound System, die Elektronik mit Irish Folk und westafrikanischer Musik kombinierten. Real World stand zwar in den 80ern und 90ern für das, was man damals Weltmusik nannte, aber für Gabriel war jede Musik Weltmusik - also auch britische, us-amerikanische oder irische. Die erste Platte war übrigens seine eigene: Peter Gabriels Soundtrack für den Scorcese-Film "Passion", der hat die Labelnummer eins. Und ab da gab es das bis heute beibehaltene typische Cover-Design mit einem Farbbalken. Die meisten Aufnahmen lässt Gabriel in den Real World Studios machen. Er bietet den Artists optimale Bedingungen und steckt nach wie vor das Geld, das er mit seinen Platten verdient, in das Label.

Die Entdeckung der Welt

Vor 30 Jahren war das Veröffentlichen von Alben aus Bhutan, dem Kongo, Papua Neuguinea oder Tibet revolutionär, damals waren Global Sounds die Neuentdeckung in der Musik. Heute, da man alles im Netz finden kann, auf Spotify, Youtube un Co., hat Real World natürlich nicht mehr dieselbe Brisanz. Aber Peter Gabriel findet immer noch besondere Projekte, wie beispielsweise im letzten Jahr das Bokanté & Metropol Orkest. Eine Supertruppe, in der Musiker aus New York und Holland mit einer Sängerin aus Guadeloupe zusammenarbeiten, die auf Kreol singt. Dafür stand und steht das Label eben auch: Kollaborationen über Kulturen hinweg. Auf "Worldwid: 30 Years of Real World Music" bekommt man 19 Tracks quer durch die Labelgeschichte - darunter Papa Wemba, Les Amazones D'Afrique, Thomas Mapfumo oder auch Aurelio, der schwarze Garifuna aus Honduras.

Stand: 26.07.2019, 10:00