Swindle – Musikalisches Retreat

Swindle

Swindle: "The New World"

Swindle – Musikalisches Retreat

Von Maike de Buhr

Swindle ist einer der vielseitigsten und talentiertesten Produzenten aus UK. Mit seinem vierten Album "The New World" zeichnet der Londoner eine neue Welt voller Hoffnung und Heilung und trotzt dabei den Genregrenzen. Dazu hat er einige hochkarätige britische Rapper und "Sänger:innen" eingeladen, die den Songs über Rassismus, politisches Misstrauen und die Kraft der Gemeinschaft ihre Stimmen geben.

Das Jahr 2020 war für die meisten Menschen eine Shitshow. Auch für Swindle. Pandemie, der Kampf um soziale Gerechtigkeit nach dem Tod von George Floyd, die Auswirkungen des Brexit. Mit einem Gefühl der Ausweglosigkeit ist Swindle auf eine kreative Blockade gestoßen. Sein Ausweg: Ein musikalisches Retreat mit befreundeten Musikerinnen und Musikern, wie Kojey Radical, Joel Culpepper, oder Joy Crooks. Sie alle haben sich eine Woche covidsicher eingeschlossen und ganz zwanglos Musik gemacht.

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Swindle wollte dabei niemanden irgendwelche Regeln vorgeben: "Ich habe den Leuten gesagt: Kommt dazu, wann ihr wollt, macht bei den Songs mit, bei denen ihr mit machen wollt, so wir ihr es fühlt. Es war sehr gemeinschaftlich und es gab keine gezielten Versuche, wie etwas klingen soll. Es ging nur darum, in der Gemeinschaft kreativ zu sein und zu heilen." Als Swindle danach nach Hause kam und sich die Songs anhörte, die entstanden sind, wusste er: Das ist "The New World" - das ist das Album.

Heilungsprozess

Der Missstand der Welt war das, was Swindle und die anderen Artists bei den Aufnahmen maßgeblich beschäftigt hat. Die Songs handeln von sozialer Gerechtigkeit, Rassismus, schwierigen Konversationen über Race oder Misstrauen in die britische Regierung. Es geht aber nicht nur darum, die Miseren zu schildern, sondern auch darum, aus dem Dunklen ans Licht zu kommen, Kraft in der Gemeinschaft zu finden und darum, den folgenden Generationen zu zeigen, dass man gekämpft hat. Viele Songs auf dem Album spiegeln die Gespräche wieder, die die Artists untereinander beim Abendessen hatten. Interessante Gespräche, die sie brauchten, meint Swindle: "In Songs wie "No Black, No Irish" oder auch in "Lost" kann ich diese Gespräche in Echtzeit hören. Mit den Songs werden diese Gespräche niemals verschwinden."

Grenzenloser, vielschichtiger Sound

Swindle hat schon in seiner Kindheit britische Sounds studiert. Mit Grime, Drum'n'Bass, Garage, Jazz und Soul ist er großgeworden. Schnell wurde er ein Meister darin, in seinen eigenen Songs Genres nahtlos in einander fließen zu lassen. 2007 brachte er mit "The 140 Mixtape" sein Debüt raus. Mittlerweile schätzen viele der großen britischen Artists und spannenden Newcomer die detailreichen Produktionen von Swindle. Er arbeitete unter anderem mit Mahalia, Celeste, Ghetts, D Double E oder Greentea Peng. Letztere ist ebenfalls auf Swindles viertem Album in "What More" zu hören. Das dub-inspirierte Lied steht neben funkigen Soulsongs wie "Darkest Hour" feat. Poppy Ajudha & Daley und brachialen, jazzigen Grime-Bangern mit opulenten Trompeten-Läufen wie "Blow Ya Trumpet". Darauf treffen mit Knucks, Gehtts, Akala und Kojey Radical etablierte und neue Grimehelden aufeinander. "The New World" sei wahrscheinlich die ehrlichste Platte, die er rausgebracht hat, meint Swindle: "Weil alles im Moment entstanden ist".

Stand: 04.11.2021, 09:46