Live hören
Jetzt läuft: Coeur béton von DjeuhDjoah & Lieutenant Nicholson
Cover des Albums "Motomami" von Rosalía: Rosalia nackt mit Motorradhelm; quer drüber der Schriftzug "Motomami"

Rosalía: "Motomami"

Zwischen Selbstbestimmung und Abenteuer

Stand: 24.03.2022, 12:55 Uhr

Kein europäischer Musik-Star ist weltweit so gefragt wie Rosalía. Innerhalb kürzester Zeit hat sie es von der Flamenco-Newcomerin zur spanischen Global Pop-Sensation geschafft. Mit „Motomami“ bleibt die Katalanin auf ihrem Erfolgskurs.

Von Anne Lorenz

Das mittlerweile dritte Album von Rosalía klingt herrlich abwechslungsreich und vielfältig. In 15 Songs switcht Rosalía zwischen Bachata - diesen plätschernden Pop-Sounds aus der Dominikanischen Republik, nostalgischem Bolero, Reggaeton und Trap - als wäre es das Einfachste der Welt. Und natürlich bleibt sie zwischendurch auch ihrem Trademark-Sound treu: futuristischem Flamenco-Pop. Die 29-jährige Musikerin hat sich auf „Motomami“ so richtig ausgetobt. Die Songs sind verspielt und kompromisslos avantgardistisch. Zum Beispiel hat sie in „Saoko“ mittendrin einfach eine Free-Jazz-Passage eingebaut. Einige Songs sind gerade mal eine Minute lang, eher kleine Mood-Skizzen. Manche kommen total schrill und überdreht daher, andere dann wieder ganz melancholisch oder einfach komplett A-capella. Das Album ist ein Trip - aber ein richtig guter!

Ganz eigene Art und Weise

Zusammengehalten werden diese vielen verschiedenen Stimmungen auf „Motomami“ von Rosalías unglaublicher Stimme. Die klingt sogar durch, wenn sie ganz zurückhaltend singt. Zum Beispiel in „Hentai“, einer fast gehauchten Sex-Positivity Hymne. Ganz offen spricht Rosalía darin über weibliche Lust. Mit dem Albumcover setzt sie noch einen oben drauf, darauf sieht man sie nackt, nur mit Motorradhelm auf dem Kopf. Motomami heißt frei übersetzt: „Die Kleine auf dem Motorrad“. Rosalia sagt, sie verbinde damit ein draufgängerisches Lebensgefühl zwischen Selbstbestimmtheit und Abenteuer. Klingt wie ein Befreiungsschlag. Rosalía hat eine Bilderbuch-Pop-Karriere hingelegt, lange Jahre Musik studiert und bei einem der größten Flamencomeister ihre Gesangsausbildung absolviert. Das ist nach wie vor nicht zu überhören, selbst bei den Songs mit Autotune. Doch sie macht es eben auf ihre ganz eigene Art und Weise.

Rosalía teilt ihre Gedanken

Rosalías letzten beiden Alben waren inhaltlich fast so was wie Konzeptalben. Auf „Motomami“ geht es jetzt zum ersten Mal hauptsächlich um sie. Sie teilt in den Lyrics der Songs intime Gedanken mit ihren Hörer:innen. Singt über Heimweh, den Umgang mit öffentlicher Kritik, persönliche Wachstumsprozesse und den bittersüßen Nachgeschmack vom Ruhm. Dafür nimmt sie in „Sakura“ die Kirschblüte als Sinnbild für Vergänglichkeit und singt: „Ein Popstar zu sein hält nicht lang an“. Kann man sich kaum vorstellen. Denn Rosalía ist aktuell wirklich einer der größten Popstars der Welt, mit den Stars der Szene längst per du. Sie hat schon mit Big Names wie Bad Bunny oder J Balvin zusammengearbeitet. Oder aus der US-amerikanischen Musik-Szene mit Travis Scott und Billie Eilish. Mit ihren Connections protzt sie aber auf „Motomami“ nicht, es gibt nur zwei Gast-Stars. Ein Feature mit The Weeknd ist mit drauf und eins mit der dominikanischen Newcomerin Tokischa.