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The Streets: Weisheiten von der Straße revisited

The Streets: "None Of Us Are Getting Out Of This Life Alive"

The Streets: "None Of Us Are Getting Out Of This Life Alive"

The Streets: Weisheiten von der Straße revisited

Von Marc Mühlenbrock

The Streets sind zurück. Mike Skinners UK-Hip-Hop-Projekt mit Cockney-Akzent hat in den Nullerjahren Millionen Platten verkauft und wurde kultisch verehrt von Indie- und Rap-Fans gleichermaßen. 2011 haben sie sich aufgelöst. Nach dem Comeback vor drei Jahren gibt es nun endlich auch ein neues Album.

Mike Skinner ist einer der besten Storyteller seiner Generation. Die Lethargie, die Ironie, die Ehrlichkeit mit der er Geschichten von Partys, Abstürzen und Lebensweisheiten aus der Großstadt erzählt, beschreiben das Leben im UK unglaublich treffend und können auch mal als sozialkritisches und politisches Statement durchgehen. "Alles oder vieles was ich mache, schreibe ich auf und am Ende kommt das in merkwürdiger Form in meinen Songs vor. Die Dinge, die ich erlebt habe, werden da neu arrangiert, in etwas, das ein bisschen aufgeräumter ist als das echte Leben."

Auf dem neuen Album hat er sich die Kommunikation vorgenommen. Unterwegs sein, mit Menschen Kontakt haben, real und virtuell, ständig das Handy in der Hand – das ist das übergreifende Thema dieses Albums.

Mikes Mixtape

Dabei ist es eigentlich gar kein Album, Mike Skinner nennt "None Of Us Are Getting Out Of This Life Alive" ein Mixtape oder Rap-Duett-Album –  klar, für Kommunikation braucht man Menschen. Tame Impala, die Indie-Superstars aus Australien, sind dabei auf dem richtungsweisenden Opener "Call My Phone Thinking I'm Doing Nothing Better". Ansonsten sind viele Londoner Eigengewächse aus dem Umfeld von Mike Skinner auf der Platte vertreten - zum Beispiel Rapper und Rapperinnen wie Jimothy Lacoste, Ms Banks oder Hak Baker. Neben ihrem Talent gab es noch ein weiteres Auswahlkriterium für Skinner – alle Gäste mussten, genau wie er auch, gut darin sein, über die alltäglichen Dinge des Lebens zu rappen.

Kein Konzept

Zwischendurch hat er auch Konzeptalben gemacht, "A Grand Don't Come For Free" gilt heute noch als sein Meisterwerk. Da haben wir Mike Skinner begleitet auf einer Tour de Force, auf der Suche nach einer vermissten 1000-Pfund-Note und seiner verloren gegangenen Freundin. "In der Vergangenheit habe ich oft zu viel über das Konzept eines Albums nachgedacht. Manchmal war das sinnvoll, manchmal nicht. Bei diesem Album wollte ich einfach sofort loslegen und Musik machen, ohne groß drüber nachzudenken. Das war der Geist dieser Platte."

Und diesen Geist atmet "None Of Us Are Getting Out Of This Life Alive" auch, fresh und luftig nach vorne produzierte Beats vom Drumcomputer. Afrobeats auf "Phone Is Always In My Hand", Drill auf "Eskimo Ice", Jungle Breakbeats auf "Take Me As I Am" und einen Touch alten Soul und Ska auf "I Know Something You Did", auf dem Skinner sogar selber singt. Altbewährtes von The Streets trifft also auf neue Sounds. Mike Skinner hat dann noch verraten, warum er das Mixtape lieber so locker aus der Hüfte schießen wollte, als groß drüber nachzudenken: Er arbeitet bereits seit mehreren Jahren an einem Film, einem Musical, das auf seinem Leben basiert und in dem er auch die Hauptrolle spielt und das erfordert viel Vorbereitung und Planung.

Stand: 10.07.2020, 09:00