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Tarek K.I.Z: Melancholisches Monster

Tarek K.I.Z - Golem

Review

Tarek K.I.Z: Melancholisches Monster

Von Adrian Nowak

Die Rap-Anarchos von K.I.Z sind berühmt-berüchtigt für überspitzte Texte und rabenschwarzen Humor. Nun überrascht K.I.Z-Mitglied Tarek mit seinem ungewöhnlich ernsten und persönlichen Soloalbum "Golem".

K.I.Z aus Berlin sind das South-Park-Äquivalent des Deutschrap. Das Trio ist seit 20 Jahren bekannt für derben Humor und Punk-Attitüde. Mit viel Sarkasmus und Ironie behandeln sie Themen wie Rechtsextremismus, Drogensucht oder soziale Ungleichheit und sind dabei nicht immer politisch korrekt.

Nun hat Tarek Ebéné von K.I.Z ein Soloalbum gemacht. Er ist der erste der drei MCs, der diesen Schritt wagt. "Golem" nennt er sein Werk, benannt nach einem Monster aus der jüdischen Mystik. Er sagt, dass das, was mit dem Album geschieht – genau wie der "Golem" – schwer zu kontrollieren sei. Es könnte ein Erfolg oder ein Flop werden. Vielleicht wird er dafür gefeiert, vielleicht wird dieses Monster sein Leben zerstören.

Größenwahn und Galgenhumor

"Das Album ist gefloppt, das war wohl nichts/Keine Goldene, keine Radiohits", witzelt er auf "Nach wie vor der Boss", einer Persiflage auf klassische "Kopf-Hoch"-Rap-Tracks, in denen er auf einem Gospel-Beat erklärt, dass er auch als Obdachloser noch der "Boss" ist.

Den überspitzten K.I.Z-Humor hört man auch auf dem großmäuligen "Bang Bang" oder auf "Nubischer Prinz", in dem er sich als sexy Sultan stilisiert, dem die Frauen zu Füßen liegen. Der Track kommt zwar ohne orientalisches Flöten-Sample daher, dafür klingt der nubische Prinz funky wie Prince in den Achtzigern. Auch "K.I.Z für immer", mit seinen Bandkollegen Nico und Maxim, sollte mit seinen größenwahnsinnigen Sprüchen alte Fans zufriedenstellen. Doch die interessantesten Tracks sind die, auf denen Tarek ganz unironisch über sich selbst und seine Welt rappt. 

Kaputt wie ich

Auf melancholisch-düsteren Beats rappt Tarek über Depressionen ("Ticket hier raus") oder destruktive Beziehungen ("Kaputt wie ich"). Auf "Letzte Chance" geht es um häusliche Gewalt: Er beschreibt, wie eine Mutter von einem Stiefvater misshandelt wird. Die Geschichte scheint zum Teil autobiographisch, wenn er aus der Perspektive eines Kinds rappt, das die Gewalt miterleben muss. In der zweiten Strophe spinnt er die Geschichte weiter und beschreibt die Gedanken im Kopf des Täters.

Rührend ist der Track "Frühlingstag", auf dem er die Beziehung zu seinem an Krebs verstorbenen Vater verarbeitet. Er schildert, dass sein Vater von Anfang an ein glühender K.I.Z-Fan war und auch noch schwerkrank zu seinem Konzert gekommen ist. Mit "Golem" zeigt Tarek, wie man ernste Themen ohne Plattitüden behandelt und dass man Rap mit Gefühl auch machen kann, ohne dass sich der Hörer fremdschämen muss.

Stand: 03.02.2020, 12:00