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Sevdaliza: "Shabrang" - Farbtöne der Nacht

Sevdaliza: "Shabrang"

Sevdaliza: "Shabrang"

Sevdaliza: "Shabrang" - Farbtöne der Nacht

Von Maike de Buhr

Der Druck und die Erwartungen, die auf Sevdaliza nach ihrem Debütalbum von 2017 lasteten, waren hoch. Auf ihrem zweiten Album "Shabrang" verarbeitet die iranisch-niederländische Produzentin, Songwriterin und Sängerin die emotionalen Turbulenzen der letzten Jahre und liefert mit komplexen Avantgarde-Pop einen Blick in ihre geschundene Gefühlswelt.

Ihr blau geschlagenes Auge auf dem Albumcover symbolisiert, was Sevdaliza in den letzten Jahren empfunden hat. Die dunklen Farben ihrer Verletzung stehen auch für "Shabrang". Das Wort kommt aus der persischen Mythologie und bedeutet so viel wie "Farben der Nacht". Was nach einem düsteren Albumtitel klingt, ist auch Sevdalizas Versuch den Weg zum Licht zu zurück finden. Auf "Shabrang" setzt sich die Künstlerin mit ihrer eigenen Gefühlswelt auseinander. In den Songs singt sie von Verzweiflung, Einsamkeit, Entfremdung und unerwiderter Liebe, aber auch von Hoffnung: Davon, sich selbst und den eigenen Frieden im Weltchaos zu finden.

Wie die Nacht klingt

Sevdaliza ist bekannt für ihren facettenreichen Sound. Auch auf "Shabrang" fügt sie Avantgarde-Pop, RnB, TripHop und Alternative nahtlos ineinander. Metallene Drums, tiefe Bassline und flirrenden Syntheffekten stehen neben reduzierten Geigen- und Pianomelodien. Und trotz Schwere der Themen klingt ihr Album nicht schwermütig, sondern vielschichtig und eindringlich. Alle fünfzehn Songs auf dem Album hat sie selbst produziert, zusammen mit ihrem Langzeit-Kollegen Mucky. Zu ihren Einflüssen zählt Sevdaliza Bands Massive Attack, Portishead oder auch James Blake.

Persische DNA

Iranische Popmusik gehört eigentlich nicht zu ihren Einflüssen, meint Savdaliza. Mit fünf Jahren ist sie aus Teheran nach Rotterdam gekommen. Ihre persische DNA scheint aber zunehmend in ihrer Musik durch. Mit Melismen in ihrem Gesang, den Schwingungen und Untertönen. Mit politischen Statements, wie im Song "Oh My God", in dem sie de Konflikt zwischen den USA und Iran thematisiert. Oder ihrer Coverversion von "Gole Bi Goldoon". Den persischen Popsong über eine enttäuschte Liebe von der  iranischen Sängerin Googoosch verwandelt Sevdaliza in eine ruhige Piano-Ballade.

Sei egoistisch – sei du selbst

Sevdaliza appelliert dafür, an sich selbst zu denken. "Egoistisch sein bedeutet einfach, du selbst zu sein", singt sie in "Human Nature" gegen die Verurteilung des Wortes "Egoismus" an. "Shabrang“"ist Sevdalizas Liebesbrief an sich selbst. Ihr Heilungsprozess zwischen Angst und Hoffnung.

Stand: 27.08.2020, 15:47