Live hören
Jetzt läuft: Pretty Girl von Adekunle Gold feat. Patoranking

"Shaman!" - Ein Hommage an die Black-Lives-Matter-Bewegung

Idris Ackamoor & The Pyramids: "Shaman!"

Idris Ackamoor & The Pyramids: "Shaman!"

"Shaman!" - Ein Hommage an die Black-Lives-Matter-Bewegung

Von Philipp Kressmann

Anfang der Siebzigerjahre reisten der afroamerikanische Musiker Idris Ackamoor und seine Band The Pyramids durch Afrika. Ende der Siebziger haben sie sich aufgelöst, doch 2010 kam es zu einer Reunion.

Mittlerweile ist viel neue Musik erschienen, aktuell das Album "SHAMAN!". Wer Kamasi Washington mag, könnte auch Idris Ackamoor feiern. Idris macht Spiritual Jazz mit Elementen aus Afrobeat und Funk – das spürt man schon im Titeltrack "SHAMAN!". Hier hört man Idris' Stimme und Idris an seinem Tenorsaxophon: Mit diesem Stil bewegt er sich in der Tradition von Avantgarde- und Free-Jazz-Größen der Sechziger- und Siebzigerjahre. Diese Musik war eng mit der Bürgerrechtsbewegung verbunden. Idris war Zeitzeuge und hat noch heute den musikalischen Spirit von Sun Ra, Pharaoh Sanders, Albert Ayler und John Coltrane.

Diese Künstler waren auch für Kamasi Washington wichtig, der für ein Revival die Musik sorgte und sie über Kendrick Lamar in den HipHop brachte. Übrigens hat auch die Elektro-Szene Idris entdeckt: Bonobo hat ihn etwa gesamplet. Idris selbst will aber auch Neues erschaffen – das beweist auch die Form des neuen Albums. Für das wurde er von Theaterprojekten inspiriert: "Diese Theatererfahrungen findet man auch in 'SHAMAN!'. Ich verstehe das Album als Musiktheater und Konzeptalbum mit vier Akten. Alles ist von meinen Erfahrungen als Künstler inspiriert und den Momenten, die mich zu meinem jetzigen Leben geführt haben."

Man findet viele Anspielungen auf südafrikanische Mythologie. Generell war afrikanische Kultur für Idris immer prägend, das merkt man beispielsweise auf dem 2016 veröffentlichten Album "We Be All Africans". Die Hauptthemen auf "SHAMAN!" sind vor allem Verlust und Sterblichkeit – trotzdem ist es kein trauriges Album. "Theme For Cecil" klingt etwa verspielt. Es ist eine Widmung für die 2018 verstorbene Free-Jazz-Legende Cecil Taylor. Er war Mentor für Idris, der fast 70 Jahre alt ist. Ein weiteres Highlight ist "When Will I See You Again". Im Song-Intro zählt Idris mehrere Städte in Europa und den USA auf, in denen schon Anschläge stattfanden.

"Ich habe beim Schreiben an die Massenschießereien in Amerika gedacht. Es geht darum, wie schnell man eine Person für immer verlieren kann. Es ist interessant, dass wir das Stück vor Corona aufgenommen haben. Aber rückblickend betrachtet geht es auch darum, wieviele Menschen durch diese Pandemie gestorben sind. Und darum, dass zu einem großen Teil vor allem Afroamerikaner und People of Colour von diesem Virus betroffen sind", erklärt Idris Ackamoor.

Auf dem letzten Album von Idris und den Pyramids gab es ein Instrumental für Michael Brown. Der junge Afroamerikaner wurde 2014 von einem US-Polizisten erschossen. Bei den neuen Stücken wollte Idris direkte politische Kommentare aussparen, aber im Instrumental "The Last Slave Ship" geht es um etwas ganz Konkretes: "'Clotilda' hieß das letzte Sklavenschiff, das Sklaven aus Afrika in die USA brachte. Es ist ein Verweis auf die Ungerechtigkeiten in Amerika, die Afroamerikaner hier seit über 400 Jahren erdulden müssen." Das war um 1860. Auf diese Weise erfährt man wichtige Fakten, auch für die Black-Lives-Matter-Thematik, die Idris stark beschäftigt.

Stand: 14.08.2020, 16:47