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Burial - Der Banksy der Dance Music

Burial - "Tunes 2011-2019"

Burial - Der Banksy der Dance Music

Von Johannes Wolff

Burial ist der Ausnahmeproduzent aus UK. Der enigmatische Musiker wird in der elektronischen Musikszene von Größen wie Massive Attack oder Radiohead verehrt. Kurz vor Jahresende präsentiert Burial seine Compilation "Tunes 2011-2019". Mit dem Release feiert das Kultlabel Hyperdub sein 15-jähriges Bestehen.

Burial ist ein wahres Enigma. Man könnte ihn als den Banksy der Dance-Music bezeichnen. Lange wusste niemand, wer hinter dem Pseudonym steckt. Seit ein paar Jahren kennt man aber seinen Namen: Burial heißt eigentlich William Emmanuel Bevan. Aber das war's auch schon. Der Mann macht sich sehr rar: Er gibt keine Live-Shows und auch fast keine Interviews. Gerade deshalb ist jedes Release von ihm etwas Besonderes.

Postapokalyptische Klanglandschaften

"Tunes 2011-2019" versammelt die Werke von Burial aus den 10er-Jahren. Auf Tracks wie "Kindred" und "Truant" von 2012 trumpft der Produzent mit seinem Signature Sound auf: Atmosphärisches Knistern und Rauschen, dubbige Basslines, Klangfetzen aus Videospielen und stark manipulierte – mal verhallte oder runtergepichte – R&B Vocal-Samples, die über dem Ganzen schweben.

Burial macht keine gewöhnlichen Dance-Tracks zum Abraven. Seine Musik klingt mehr wie die verrauschte Erinnerung an eine Clubnacht. Doch die Compilation fängt erstmal ganz ruhig an, ganz ohne Beats – mit seinen Ambient-Experimenten aus der letzten Zeit. Auf "State Forest" und "Beachfires" präsentiert Burial äußerst dichten, cineastischen Sound. Die Tracks klingen wie die Filmmusik zu einem postapokalyptischen Streifen. Man hat verlassene Lagerhallen vor Augen, Nebel, alles wirkt ein wenig trist, aber auch melancholisch schön. Es dauert fast eine halbe Stunde, bis man den ersten Beat hört.

Eine Dekade Burial-Sound

Man kann anhand der Tracks auf der Compilation sehr gut beobachten, wie Burial verschiedene Phasen durchläuft und Veränderungen an seinem Style vornimmt. Burial probiert sich aus und zieht auch mal ein sehr gewagte Pop-Oufits an. In "Hiders" bringt er ganz untypisch 80er-Jahre-Drums ins Spiel. Der Track klingt fast schon ein wenig weihnachtlich, aber auf Burials ganz eigene verstrahlte Art und Weise.

Auf "Claustro" entführt uns Burial in den Club: Ein straighter, schnörkelloser Garage-Track, bei dem der Schweiß von der Decke tropft – hektisch und fast schon klaustrophobisch-anmutend. Insgesamt bekommt man auf "Tunes 2011-2019" sehr viele Seiten von Burial präsentiert. Die Compilation glänzt durch eine Top-Selection seiner Tracks aus der letzten Dekade – abwechslungsreich und doch typisch für den Sound von Burial.

Stand: 13.12.2019, 13:50