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Benjamin Biolay: "Grand Prix" - eine Hommage an Frauen und Autos

Benjamin Biolay: "Grand Prix"

Benjamin Biolay: "Grand Prix"

Benjamin Biolay: "Grand Prix" - eine Hommage an Frauen und Autos

Von Anna-Bianca Krause

Benjamin Biolay, Songwriting-Genie, Schauspieler und der größte Star des aktuellen französischen Chansons hat mit "Grand Prix" sein persönlichstes Album gemacht. In den Songs tauchen seine großen Lieben auf: Ex-Partnerinnen, die Formel-1 und die britische Musik der späten Achtziger.

Der weiche Womanizer

Benjamin Biolay ist ein Superstar. Der Sänger, Musiker, Schauspieler und Produzent hat hunderttausende Alben verkauft, unzählige Songs für die Großen des Musikbusiness geschrieben und viele Alben von Prominenten produziert, darunter Juliette Greco, Vanessa Paradis, Francoise Hardy oder Jane Birkin. Der 48-jährige gibt gerne das Enfant terrible des Chansons, den gelangweilten, missgelaunten Dandy. Doch auf Album Nummer 9 zeigt er plötzlich sein Innerstes und singt in "La roué tourney": "Ich denke immer weniger, denn ich weiß nichts mehr, je älter ich werde, verblassen die Wahrheiten, ich schreie auch immer weniger, es hilft sowieso nichts, ich bete immer häufiger aber allein in meiner Ecke."

"Grand Prix" ist wie ein großes Bekenntnis. Biolay schaut in den Rückspiegel und sieht seine Ex-Partnerinnen, die Musik, die er als junger Mann gehört und geliebt hat, von Teenage Fanclub über Bob Dylan bis The Rapture und den Motorsport. Er hat seine Lebenserinnerungen in die Songs gesteckt und sich einige der Frauen ans Mikrofon geholt, die er mal sehr geliebt hat: Keren Ann, Anais Demoustier, seine Ex-Frau Chiara Mastroianni und seine Tochter Bambi Rose.

Männersache

In "Comme une voiture volée" bringt er seine zwei großen Lieben unter einen Hut und singt: "Mein Herz ist wie ein alter Motor, wenn du die Kühlerhaube anhebst. Du bist schön wie ein gestohlenes Auto. Mit dem Albumtitel "Grand Prix" positioniert er sich als Formel 1 Fan in einer Zeit, in der PS-starke Motoren immer mehr zum No-Go werden. Doch der Künstler schert sich nicht um das, was gerade angesagt ist. Auf dem Cover ist er selbst ein Rennfahrer, das Foto ist eine Hommage an einen legendären Formel-1-Film aus den Sechzigerjahren. Biolay hat den ersten Song für sein 9. Album geschrieben, nachdem der Formel-1-Pilot Jules Bianchi 2014 mit nur 25 Jahren tödlich verunglückt ist. Das hat ihn schwer erschüttert. Aber diese Autorennen nimmt er auch als Metapher für die Kurven seines Lebens.

Die Melancholie tanzt

Biolays Stimme ist schon immer sein Pfund, auf "Grand Prix" scheint sie noch intensiver zu sein, doch diesmal ist er eher ein Crooner à la Iggy Pop. Er ist überzeugt davon, dass "Grand Prix" ein Album ist, das er schon Ende der Achtziger mit 20 hätte machen können. Die Brit-Pop und Brit-Rock-Einflüsse, die er ja immer wieder auf seinen Alben hat, sind stärker geworden, trotzdem sind es Chansons. Biolay hatte das Album vor dem Lockdown wegen des Coronavirus fertig gestellt, doch dann musste er  - wie alle anderen - erst einmal Pause machen. Während dieser Zeit hat er für seine Fans circa 90 Live-Konzerte auf Instagram gespielt, meiste Coverversionen von Chanson-Klassikern. Das war gut, aber seine neue Songs sind noch viel besser. Denn keiner lässt die Melancholie so tanzen wie Biolay.

Stand: 26.06.2020, 16:55