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Mit "Bandana" wollen Freddie Gibbs und Madlib raus aus der Nerd-Nische

Freddie Gibbs und Madlib - "Bandana"

Freddie Gibbs und Madlib - "Bandana"

Mit "Bandana" wollen Freddie Gibbs und Madlib raus aus der Nerd-Nische

Von Julian Brimmers

Straßengegerbter Gangsta-Rap auf vor Soul triefenden Beats: in Zeiten von Autotune und Shisha-Rap klingt das beinahe aus der Zeit gefallen. Dass das aber auch 2019 noch eine gewinnbringende Kombination sein kann, beweisen Freddie Gibbs und Madlib auf ihrem zweiten Album "Bandana".

Beinahe hätte es "Bandana" nie gegeben. Wer sich Interviews von Freddie Gibbs nach dem MadGibbs Debüt "Pinata" aus dem Jahr 2016 anschaut, merkt schnell, wie genervt er davon war, ständig auf diesen "Nerd Shit" angesprochen zu werden. Das Kritikerlob scheint ihn besänftigt zu haben: motivierter als auf "Bandana" klang Gibbs auf kaum einem seiner Solo-Releases.   

Freddie Gibbs ist schon seit vielen Jahren ein klassicher Rapper’s Rapper – hochangesehen unter Kollegen und Fans einer gewissen Sparte, auch wenn er es auf die ganz große Mainstream-Bühne nie geschafft hat. Den Kollegen von der Juice sagte er, er versuche quasi ein Nascar-Rennen zu gewinnen, säße aber seit Jahren in einem schrottreifen Toyota Prius. Dementsprechend haben sich Madlib und Gibbs für ihr Nachfolgewerk die Unterstützung eines Majorlabels gesichert. Mit Pusha T, Killer Mike, Black Thought, Yasiin Bey und Anderson .Paak wurde an hochkarätigen Feature-Gästen ordentlich aufgestockt. 

Trotz größerem Verwaltungsapparat im Rücken, machen Gangsta Gibbs und der Beat Konducta inhaltlich wenig anders als auf ihrem Debüt. So lebt "Bandana" wieder einmal von der Mischung aus beinharten Lyrics und surrealem Humor, die nie treffsicherer ausformuliert wurde, als auf Madlibs tief gediggten Skizzen. Das hat viel vom larger-than-life Gefühl der Blaxploitation-Ära: man kann sich förmlich vorstellen, wie Gibbs sich in schlecht ausgeleuchteten Szenen durch eine Armada an Feinden boxt, während Madlib vor der Tür den Flucht-Chevy warm laufen lässt. Dieser spezielle Humor zeigt sich auch auf der Bildebene: im Video zur Single "Crime Pays" sieht man Gibbs als entnervten Farmbesitzer, der weiße Hipster im Flanellhemd übers Feld scheucht.

Bei allem slicken Gangsta-Talk bleibt Gibbs auch auf "Bandana" seiner Vorliebe für 80er R&B Schmonzetten treu und croont sich in bester Alexander O’Neal Manier durch seine Refrains und Strophen. Was wie ein Gimmick klingt, ist in Wahrheit ein Schlüssel zum Erfolg der Kombo Gibbs/Madlib. Gibbs ist nicht nur inhaltlich, sondern auch musikalisch einer der unterschätztesten MCs seiner Generation. Wer sonst wechselt derart mühelos zwischen Double Time-Passagen a la Bone Thugs, expressivem Gesang und monoton rausgepressten Narco-Geschichten?

Diese nerdige, musikalische Qualität aus seinen Duettpartnern heraus zu kitzeln, war immer schon Madlibs größter Trick. Dafür, dass er und Gibbs nun schon zum zweiten mal Sample-basierte Sounds und technisch versierte Raps aus der Nerd-Nische retten, kann man ihm nicht genug danken. 

Stand: 02.07.2019, 10:00