Poppy Ajudah: "The Power in us"

Poppy Ajudah: "The Power in us"

Debütalbum mit Haltung

Stand: 27.04.2022, 09:00 Uhr

Spätestens seit Poppy Ajudha auf der Liste der Lieblingssongs von Ex-US-Präsident Barack Obama aufgetaucht ist, gilt sie als eine der vielversprechendsten jungen Artists aus der Global-Pop-Metropole London. "The Power in us" heißt ihre Debüt-LP.

Von Keno Mescher

Der Titel ist Programm auf "The Power in us", sagt Poppy Ajudha: "Wir leben in einer Zeit, in der es so viele Informationen gibt, und ich spüre die Last, die junge Menschen auf sich nehmen, weil wir die Generation sind, die mit globaler Politik und einer Million Ursachen bombardiert wird, für die es zu kämpfen gilt. Jeder Song auf diesem Album berührt diese Themen, weil sie alles sind, woran ich jeden Tag denke."

Empowerment und Protest

Seit einigen Jahren schreibt die gebürtige Londonerin mit Wurzeln im Karibik-Inselstaat St. Lucia Songs, die gesellschaftspolitische Themen wie Rassismus oder Feminismus behandeln. Die Auseinandersetzung damit setzt sie nun in Album-Länge fort. So ist "Playgod" Poppy Ajudhas ursprüngliche Reaktion auf das umstrittene Anti-Abtreibungsgesetz im US-Bundesstaat Alabama im Jahr 2019. Mit ihrer kraftvollen Stimme singt die Mittzwanzigerin von "Männern, die Gott spielen". Weiter heißt es aus dem Englischen übersetzt zum Beispiel: "In diesem Gesetz geht’s nicht um 'pro-life' oder das Recht auf Leben. Hier geht es um Kontrolle. Warum wollt ihr alle die Kontrolle über unsere Körper?" Es ist Poppy Ajudhas Kampfansage an patriarchale Strukturen. Dabei gehe es darum, Menschen in den Diskurs mit einzubeziehen, wie sie auch in Interviews betont.

Die studierte Humanwissenschaftlerin prangert gesellschaftliche Ungerechtigkeiten an. Sie fordert Wandel und ermutigt, für Gleichberechtigung einzustehen. Neben der Wut junger Menschen über die britische Politik der Abschottung und deren Ärger über fehlende Verantwortung für Folgen des Kolonialismus ("London's Burning") geht es auf dem Album um mentale Gesundheit ("Demons") und um eine feministische Perspektive, wie z. B. in der vierten Single-Auskopplung "Mothers Sisters Girlfriends", ein Plädoyer Ajudhas für Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung. "Dieses Album besteht aus all den Dingen, die mir im Kopf herumschwirren. Von Frauenrechten über das Recht, Grenzen zu überschreiten, bis hin zu der Kraft junger Menschen, zu inspirieren und sich nicht zu scheuen, im Namen des Fortschritts das Ruder zu reißen", sagt Poppy Ajudha. 

Kraft des Pop

Die inhaltliche Wucht überträgt Poppy Ajudha mit energischer Stimme auf die Musik: Eingängige, kräftige und soulige Melodien, wummernde Synth-Bässe, Trap-Beats oder verzerrte Gitarrensounds. Intro und entsprechende Interludes bilden einen konzeptuellen Rahmen. Poppy Ajudha hat bereits mit anderen renommierten Szene-Größen wie Rapper Kojey Radical oder Soul- und Jazz-Musiker bzw.Produzent Tom Misch zusammengearbeitet. Ihr eigener Soul- und Jazz-Background ist wohl besonders im reich instrumentierten Song "FALL TOGETHER" bzw. in dessen separaten, ruhigen Outro zu hören, in dem UK-Jazz-Star Nubya Garcia - die einzige Feature-Gästin auf dem Album - eine Kostprobe ihres international gefeierten Stils am Tenor-Saxophon gibt. Insgesamt ist "THE POWER IN US" ein Pop-Album mit Haltung, das die gesellschaftspolitischen Entwicklungen der vergangenen Jahre in die Zukunft trägt.