Orquesta Akokán: "16 Rayos"

Orquesta Akokán: "16 Rayos"

Orquesta Akokán – Gruß der Yoruba-Götter

Stand: 07.10.2021, 12:46 Uhr

Das Orquesta Akokán beamt uns zurück in die goldene Ära der kubanischen Musik der 40er und 50er Jahre. Das Dutzend Musiker aus Havanna und New York legt mit "16 Rayos" ihr zweites Album vor. Es ist die Wierdergeburt des kubanischen Goldstandards.

Von Lukasz Tomaszewski

Austausch statt Stillstand

In Zeiten des politischen und kulturellen Stillstands zwischen Kuba und den USA steht das Orquesta Akokán für Austausch: Auf der einen Seite sind junge und alte Musiker von legendären kubanischen Bands wie Irakere und Los Van Van an Bord. Auf der anderen Seite zwei wegwesende Persönlichkeiten aus New York: Mike Eckroth und Jacob Plasse sind für die Produktion verantwortlich.

EGREM-Sound

Aufgenommen wurde "16 Rayos" im legendären EGREM-Studio in Havanna, wo noch die Geister vorrevolutionärer Stars über die Flure huschen, aus einer Zeit, als Havanna die unangefochtene Hauptstadt der Latin Music war. Die beiden Produzenten Mike Eckroth und Jacob Plasse von Daptone Records sind eigentlich bekannt dafür, dass sie aus New York heraus das große Soul Revival eingeläutet haben: Sharon Jones oder Charles Bradley haben sie produziert. Und auch auf diesem Album hier haben sie ihre Zauberformel einfach so aus dem Ärmel geschüttelt.

Leidenschaftlich wie Beny Moré

Der Titelsong "16 Rayos" ist eine zurückgelehnte Mambo-Cha Cha Cha. Das Duett zwischen der legendären Sängerin Xiomara Valdés und Leadsänger José Pepito Gomez atmet so viel Leidenschaft, Eleganz und Ironie wie die Klassiker von Beny Moré, dem König des Mambo. Da swingt viel Retro-Patina mit und Liebhaber*innen von Buena Vista Social Club kommen voll auf ihre Kosten. Der Lovesong Guajira del Mar hat so viel Soul und Anmut, dass einem fast schwindelig wird. Begleitet wird das Orquesta Akokán darauf von einem Streicher-Trio.

Tempo

Doch eigentlich steht "16 Rayos"  für Up-Tempo. Das Orquesta Akokán erwecken die goldene Ära der kubanischen Musik zu neuem Leben. Mit ganz viel Verve und Durst nach einem kraftvollen, lebendigem Sound. Der Opener Mi Conga es de Akokán zeigt, wie sehr sich die Band in den drei Jahren seit ihrer Gründung entwickelt hat: Die meisterhaften und blitzschnellen Arrangements der Bläsersektion treffen auf ein Ziehen, Stoßen und Schieben der Rhytmusgruppe. Die traditionelle Conga geht nahtlos in einen Mambo über – wie eine geölte Maschine. Der Song El Inflador verbindet hinreißende Salsa-Rhythmen mit einem humoristisch-ironischen Songtext über einen Hochstapler. Mit kreischenden Trompeten, warmen Barriton-Saxophonen, galoppierenden Congas und synkopischen Timbales ist es eine Einladung auf den Dancefloor.

Gruß der Yoruba-Götter

Der Albumtitel "16 Rayos" ist eine Anspielung an die afrokubanische Yoruba-Schöpfungsgeschichte. Mit 16 Sonnenstrahlen sollte der Himmelsvater Obatalá die Menschen zum Leben erwecken. Nach nur wenigen Takten hat das Album auf jeden Fall die Seelen und Tanzbeine der Latin-Music-Fans erweckt. Das Orquestra Akokán ist die Wiedergeburt des kubanischen Goldstandards.