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Zwischen Bassmusik, Gqom und dem Status einer Diva

Manthe Ribané

Reviews: Okzharp & Manthe Ribané

Zwischen Bassmusik, Gqom und dem Status einer Diva

Von Christian Werthschulte

"Okzharp" ist eine Redewendung aus Südafrika. Es heißt so viel wie "Ok, cool". Der Londoner Bassmusik-Produzent Gervase Gordon hat sie immer benutzt, als er vor ein paar Jahren in Südafrika auf Tour war. Gerade hat er sein Debütalbum als Okzharp herausgebracht, gemeinsam mit der südafrikanischen Sängerin Manthe Ribané. Darauf treffen Gqom-Beats aus Südafrika auf die neongrellen Synthesizer von britischem Grime.

"Okzharp" ist eine Redewendung aus Südafrika. Es heißt so viel wie "Ok, cool". Der Londoner Bassmusik-Produzent Gervase Gordon hat sie immer benutzt, als er vor ein paar Jahren in Südafrika auf Tour war. Gerade hat er sein Debütalbum als Okzharp herausgebracht, gemeinsam mit der südafrikanischen Sängerin Manthe Ribané. Darauf treffen Gqom-Beats aus Südafrika auf die neongrellen Synthesizer von britischem Grime. "Unsere Musik hat südafrikanische Elemente, aber wir waren genauso von Sounds aus der Diaspora beeinflusst, die wieder in die Heimat zurückgekehrt sind," erzählt Gordon. "Die Verbindung von Südafrika und Süd-London hat eine eigene Identität. Dort machen die west- und ost-afrikanischen Communities aus Londoner Sounds wie Grime ihr eigenes Ding." Der Sound von "Closer Apart" oszilliert genau so zwischen den Kontinenten wie seine Produzenten. Okzharp ist seit 15 Jahren in der Londoner Bassmusik-Szene aktiv, Manthe Ribané lebt in Johannesburg.

Diva und Multitalent

In ihrer Heimat ist Manthe Ribane fast eine Fashion-Ikone – eine Art südafrikanischer Grace Jones: eine Diva, die in der Vogue und für Nike modelt, und ein Multitalent. Sie designt ihre eigenen Kostüme und arbeitet als Choreografin. Auf "Closer Apart" singt Ribané auf Sepedi, der Sprache ihrer Heimatprovinz Limpopo. Als Kind hat Manthe Ribané für Nelson Mandela getanzt, heute setzt sie die Pantsula-Subkultur, die als Protest während der Apartheid entstanden ist, fort. "Meine Mutter war eine Pantsula-Tänzerin. Heute, im 21. Jahrhundert, kann ich um die ganze Welt reisen und die tolle Ästhetik von Pantsula feiern," erklärt sie. "Wenn man zurückschaut, ging es genau darum: an eine bessere Zukunft zu glauben und zu hoffen, dass sie kommt." Manthé Ribane arbeitet viel mit Material aus der südafrikanischen Geschichte - Pantsula-Tanzmoves oder auch klassische Muster für ihre Kleidung. Aber sie transformiert dieses Material für die Gegenwart Südafrikas mit Social Media und den digitalen Sounds von Subkulturen wie Gqom.

Musik der Zwischenräume

Aber trotz all dieser Verweise ist "Closer Apart" ein ortloses Album. Im Interview haben die beiden erzählt, es würde auf dem Album viel um das Reisen gehen und die speziellen Momente dabei. Sie haben das Album gemeinsam in vielen kurzen Sessions aufgenommen und nicht nur Dateien ausgetauscht. Dabei entsteht etwas, was weder hier, noch dort zu Hause ist – eine Musik der Zwischenräume. Sie passt weder in einen Londoner Club, noch in ein südafrikanisches Taxi. Sie ist etwas neues, für das man erst noch einen Namen finden muss.

Stand: 05.07.2018, 13:50