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Mr. Eazi "Life ist Eazi Vol. 2 - From Lagos to London"

Albumcover "Life ist Eazi Vol. 2 - From Lagos to London" von Mr. Eazi

Reviews

Mr. Eazi "Life ist Eazi Vol. 2 - From Lagos to London"

Von Vincent Lindig

Afrobeats Star Mr. Eazi wurde in Nigeria geboren und hat lange in Ghana gelebt. Sein Sound bewegt sich zwischen diesen beiden Polen, die für Afrobeats so wichtig sind. Jetzt ist sein zweites Album "Life ist Eazi Vol. 2 - From Lagos to London" erschienen.

Dank seiner großen Experimentierfreudigkeit zieht er auf leisen Sohlen an der Konkurrenz vorbei. Auf seinem neuen Album liefert Mr. Eazi seinen Fans auf aller Welt genau den Sound, für den sie den 27-Jährigen so lieben. Die Songs klingen leichtfüßig und melodiös, die Produktionen sind unterlegt mit Drums, die zum Tanzen zwingen. In Afrika ist Eazi schon seit Jahren ein Superstar. Ein Song wie "Pour me Water" vom neuen Album ist in seiner hypnotisierenden Einfachheit genau der Afrobeats-Ohrwurm, für den Mr. Eazi weit über die afrikanische Diaspora hinaus geliebt wird.

Das letzte Album hieß "From Accra to Lagos" und spielte sich zwischen Ghana und Nigeria ab. Das neue heißt "From Lagos to London", schlägt also die Brücke von Nigeria nach England. Das ist nur logisch, denn Mr. Eazi ist letztes Jahr nach London gezogen - und das hört man. Die Produktionen sind weniger geprägt von nigerianischem Afrobeat, die Beats wurden um Percussions erleichtert und klingen insgesamt reduzierter als zuvor. Im Gegenzug hört man mehr Bass und warme Synthies strukturieren die Songs.

Mr. Eazi hat sich zu einem beliebten Featurepartner entwickelt, vor allem Major Lazer haben sich offensichtlich in seinen Sound verguckt. Die Crew um Diplo steuert auf dem neuen Album Produktionen bei - auch sonst lässt sich die Liste der Features sehen. Unter anderem steuern Burna Boy aus Nigeria, Reggaestar Chronixx aus Jamaika und Maleek Berry, der als Produzent von Wizkid anfing, Parts bei. Und auch der Londoner Badman Giggs, einer der heißesten Namen des Grime zur Zeit, kam im Studio vorbei. Das Ergebnis, "London Town", ist eine harte, grimmige Hymne an die neue Heimatstadt von Mr. Eazi.

Immer souverän und unbeschwert

Die letzten Jahre standen im Zeichen eines Afrobeats-Hype, seit Wizkid mit Drake und "One Dance" einen Welthit landete. Plötzlich war der neue Sound in aller Munde und die großen Stars rissen sich darum, eine Prise Westafrika in ihre Produktionen einzubauen. Aber irgendwie kam der Hype ins Stocken - zu wenig Innovation, viele neue Songs ruhten sich auf einem bekannten Erfolgsrezept aus: der Afrobeats-typische Clave Rhythmus, handzahme Erzählungen von Liebe und dem guten Leben. Auch Mr. Eazi kann man von dieser Kritik nicht ganz ausnehmen. Trotzdem hebt er sich immer wieder von der Masse der Afrobeats-Künstler ab. Songs wie "Property" vom neuen Album spielen mit Steeldrum-Akzenten und klingen mehr nach Karibik als nach Afrobeats. Auf leisen Sohlen ist er mit seiner großen Experimentierfreudigkeit an Wizkid und DaVido vorbeigezogen. Er traut sich einfach mehr als die anderen.

Auf "Life is eazi Vol.2 - From Lagos to London" gelingt Mr. Eazi der Brückenschlag zwischen Afrika und Europa. Seine neue Heimat London ist ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen. Viele Menschen mit Wurzeln in Ghana und Nigeria leben dort, aber auch viele mit karibischem Background. Mr. Eazi nimmt diese Vielfalt ganz selbstverständlich in seine Songs und Produktionen auf. Afrobeats, Dancehall, Grime, er klingt immer souverän und unbeschwert. Das Album zeigt, dass Afrobeats sich inzwischen über Grenzen hinweg zwischen Lagos und London weiterentwickelt hat. Mr. Eazi treibt diese Entwicklung selbstbewusst und zielsicher voran.

Stand: 22.11.2018, 14:16