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Moses Sumney gibt mit "græ" Einblick in komplexes Grau

Moses Sumney - "græ"

Moses Sumney - "græ"

Moses Sumney gibt mit "græ" Einblick in komplexes Grau

Von Maike de Buhr

Moses Sumney lässt sich nicht in eine Schublade stecken, weder musikalisch, noch als Mensch. Auf seinem Doppelalbum "græ" zeigt der 28-jährige Musiker die Schönheit des Undefinierten, in einem ausuferndem Klangspektrum zwischen Soul, Folk und experimenteller Elektronik.

Dass Grau oft als langweilig empfunden und unterschätzt wird, macht die Farbe gerade interessant, findet Moses Sumney: "Die Farbe, die wir übersehen, weil sie unbedeutend scheint. Aber als Konzept ist Grau die intensivste Farbe." Für den  Musiker aus North Carolina steht Grau für das Unklare, für eine Mischung aus Widersprüchen, das Dazwischen. Er selbst ist zwischen Kalifornien und Ghana aufgewachsen.

In Amerika hieß es immer, er sei Afrikaner. Und in Afrika sei er Amerikaner. Aber er will sich nicht auf das ein oder andere festnageln lassen. Das große Thema der Identität liegt in den 20 Songs auf "græ". Ob Hautfarbe, Sexualität oder Geschlecht: Moses Sumney möchte mit gesellschaftlichen Erwartungen brechen. In "Virile" hinterfragt er das Konzept der Männlichkeit oder sinniert in "Me in 20 Years", wie sein Leben in der Zukunft aussehen könnte. Er singt auf dem Album von Liebeskummer, Polyamorie und Beziehungen, die nicht fest definiert werden.

Komplexe Themen – komplexer Sound

Moses Sumney wechselt von euphorischen Orchesterarrangements zu melancholisch-ambienter Elektronik. Er kostet ein ganzes Klangspektrum aus und durchquert dieses mit seiner Stimme in allen Gefühlslagen. Er singt mal wütend, verletzt oder verträumt, geht von Spoken Word zu stakkatoartigen bassigen Tönen oder hohem Falsetto und erinnert dabei an Prince oder D’Angelo. Sein experimenteller Soul passt in eine aktuelle Strömung, die gerade viele junge Artists verfolgen. Viele davon sind auch auf dem Album vertreten: James Blake, Thundercat am Bass oder der Soundtüftler Oneohtrix Point Never.

Etwa vierzig Musiker*innen holte sich Moses Sumney zur Produktion von "græ" dazu: "Weil ich so versessen drauf war, wirklich alles umzusetzen, was mir einfiel, lud ich einfach alle ein, die ich mag. Und meine Ideen sind auch so vielfältig, da findet man schwer den einen, der das alles umsetzen kann. So wird ein Patchwork daraus, eine Collage." Diese Collage gibt einen Einblick in Moses Sumneys vielfältige, graue Welt und zeigt, wie bereichernd es ist, Dinge nicht nur schwarz oder weiß zu sehen.

Stand: 19.05.2020, 16:29