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Linda Ayupuka: "God created everything"

Linda Ayupuka: "God created everything"

Dancefloor-Gospel

Stand: 27.07.2022, 16:31 Uhr

Das internationale Debutalbum von Linda Ayupuka aus Ghana ist sowohl Kirchen- als auch Club-kompatibel. In der Afro-Elektro-Fusion auf "God created everything" treffen uralte Traditionen auf den verspielten Umgang mit moderner Technologie.

Von Anna-Bianca Krause

Dass Linda Ayupuka Sängerin werden würde, war von Anfang an vorbestimmt. Schon als Baby nahm ihre Mutter, eine Sängerin und Perkussionistin, sie zu jedem ihrer Auftritte mit. Von ihrem zenhten Lebensjahr an wurde Linda Ayupuka dann schon selbst gebucht, weil sie mit ihrer etwas stechenden Sopranstimme auffiel. Aber auch, weil sie schneller singen konnte, als die anderen. Ayupuka fand, dass der raue Up-Beat-Stil und ihre tiefreligiösen Texte kein Kontrast sind. Im Gegenteil: Indem sie Gott auf einem hypnotischen Groove anspricht, könne sie garantiert auch Menschen erreichen, die eigentlich gar keinen religiösen Glauben haben.

Also singt Ayupuka tagsüber bei Hochzeiten, Beerdigungen und anderen Zeremonien - und nachts laufen ihre Songs in den Clubs der Region. Die Künstlerin ist in ihrer Heimat sehr bekannt, in ihrer Heimatstadt Bongo schallt überall ihre Stimme aus Autos, Bussen oder mobilen Lautsprechern.  

Fra Fra-Gospel

Ayupuka ist vom Volk der Fra Fra, das in Burkina Faso und im Nordosten Ghanas lebt und berühmt-berüchtigt ist für eine vielfältige und auch ziemlich ungehemmte Musik. Diese Fra-Fra-Musik ist die Grundlage für ihren anstachelnden Fra-Fra-Gospel, der so einige unerwartete Zutaten hat. Die junge Sängerin setzt ihren Gesang in der Fra-Fra-Sprache Gurenne rhythmisch und fast stakkatohaft in die Afro-Elektro-Mischung aus Gospel, Disco, polyrhythmischen Drumloops und Samples.

Der Komplize

Der Sound auf "God created everything" ist so roh, dreckig und dezent verzerrt, dass man an frühe Rai-Scheiben aus Algerien erinnert wird. Für diesen Lo-Fi-Casio-Keyboard-Synthesizer-Sound ist Francis Ayamga verantwortlich. Er ist international als Perkussionist an der Seite von afrikanischen Superstars wie Salif Keita oder Oumou Sangare bekannt geworden. Er stammt wie Ayupuka aus Bongo und hat dort ein Studio aufgebaut, um der Musik aus seiner Region mehr Gehör zu verschaffen. Gemeinsam haben die beiden den Fra-Fra-Gospel in die Clubs von Ghana geschmuggelt - was Ayupukas erklärtes Ziel war.