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Lakou Mizik schlagen Brücke von Haiti nach New Orleans

Lakou Mizik - "HaitiaNola"

Lakou Mizik schlagen Brücke von Haiti nach New Orleans

Von Anna-Bianca Krause

Lakou Mizik aus Haiti haben sich 2010 nach der Erdbebenkatastrophe zusammen getan, um die am Boden liegende Musikkultur wieder zu beleben. Jetzt erzählen sie mit ihrem zweiten Album "HaitiaNola" von der Verbindung zwischen New Orleans und Haiti und machen aus der Geschichtsstunde eine Party.

Lakou Mizik sind eine Art haitianische Supergroup, in der Veteranen und Newcomer zusammenspielen. Die acht Musiker sind aus verschiedenen Generationen, Religionen und Musikstilen, manche haben traditionelle Musik gemacht, andere HipHop, Dancehall, Rock, Pop, Jazz, Kirchenmusik.

Gegründet kurz nach der Erdbebenkatastrophe 2010 und damals mehr Überlebensprojekt als Band, trafen sie sich in einem Raum in Port-au-Prince, durch den während der Aufnahmen Hühner und Hunde spazierten. Schnell war klar, dass sie der Welt zeigen wollten, dass ihre Heimat mehr ist als nur die Summe aus Erdbeben, Epidemien, Überschwemmungen, politischen Unruhen und extremer Armut, mehr als die Summe aus menschengemachten und Naturkatastrophen. Doch schon das Debutalbum "Wa Di Yo" war ein großer Wurf, eine wilde, lebendige Mischung aus Kompa, Gospel, Soul, karibischen Karnevalsrhythmen, Voodoo.

Haiti – New Orleans

Die haitianische Musik ist vielfältig, weil sie über Jahrhunderte von drei Kontinenten beeinflusst wurde, das neue Album von Lakou Mizik erzählt eine umgekehrte Geschichte, nämlich wie sehr Haiti New Orleans geprägt hat.

Schon im Albumtitel "HaitiaNola" steckt Haiti drin und New Orleans, denn Nola ist der Spitzname von New Orleans: N und O für die Anfangsbuchstaben und LA für Louisiana. Und diese Brücke, die die Band schlägt, hat einen realen Hintergrund: Im 19.Jahrhundert sind im Zuge eines Sklavenaufstandes Tausende von Haitianern nach New Orleans geflüchtet. Nola war damals eine der wenigen Städte, in der Schwarze und Weiße gleichberechtigt waren. Und Vieles, was wir heute für die typische Louisiana Kreol-Kultur halten, kommt aus Haiti: Küche, Architektur, religiöse Rituale und natürlich Musik. Und als Lakou Mizik 2016 beim Jazz-Festival in New Orleans aufgetreten sind, haben sie zahlreiche Artists der Stadt auf die Bühne eingeladen und mit ihnen diese Verbindung gefeiert. Viele von ihnen sind jetzt am Album beteiligt.

Cousins und Cousinen

Lakou Mizik sagen, sie haben ihre Cousins und Cousinen aus New Orleans eingeladen in die Songs. Die Liste der Features ist faszinierend: Der Super-Posaunist Trombone Shorty ist beteiligt, die Sängerin und Cellistin Leyla McCalla, auch ihre Eltern sind aus Haiti, oder auch Cyril Neville von den legendären Neville Brothers. Die Bläser der legendären Preservation Hall Jazz Band sind zu hören, Antibalas-Gitarrist Raja Kassis oder auch das Ehepaar Win Butler und Régine Chassagne von Arcade Fire. Chassagne hat selbst Wurzeln in Haiti und sie und Butler haben ihr Studio in New Orleans für die ersten Sessions zur Verfügung gestellt.

Der Sound Haitis

Der Sound ist ein kreolischer Meltingpot: Viele Stimmen, Akkordeon, Bläser, E-Gitarren, haitianische Rhythmen, aber dazu kommen auch New Orleans-Piano, New-Orleans-Jazz-Sounds, Cajun-Fiddle und einiges mehr. Doch trotz der vielen Gäste bleibt das haitianische Musik und das liegt nicht nur an den Gesängen auf Kreol, sondern auch am immer wieder auftauchenden bauchig-archaischen Klang der Rara-Hörner. Diese riesigen Röhren aus Bambus oder Altmetall sind typisch für den Sound Haitis. Dieses Album ist so warm, bunt und vital, es ist genau das Richtige für unseren Winter-Blues.

Stand: 22.11.2019, 13:50