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Kryptox Records feiert Comeback der deutschen Jazz-Szene

Kryptox Records - Kraut, Jazz, Futurism

Review: V.A. – "Kraut Jazz Futurism"

Kryptox Records feiert Comeback der deutschen Jazz-Szene

Von Keno Mescher

London und Los Angeles sind die Epizentren des neuen Jazz-Movements. Die Compilation "Kraut, Jazz, Futurism" zeigt, dass Jazz auch im deutschsprachigen Raum wieder cool sein kann.

Bands und Acts wie Kamasi Washington, Thundercat, Robert Glasper, das Ezra Collective oder Kokoroko haben den Jazz hipstertauglich gemacht: jung, unverkrampft und international erfolgreich. In Deutschland gibt es eine neue Generation, die ähnliches anstrebt. "Kraut, Jazz, Futurism" stellt ihre wichtigsten Protaganisten vor. Kurator ist der deutsch-italienische Produzent und Gomma-Labelboss Matthias Modica. In seiner bisherigen Laufbahn konnte er wichtige Akzente setzen, unter anderem als Produzent von WhoMadeWho oder Peaches. Mit seinem 2018 gegründeten Sublabel Kryptox Records hat er eine eigene Plattform geschaffen für neue Formen des Jazz.

Wo in den USA und im UK vor allem HipHop und Soul der Szene eine eigene Färbung gehen, besinnt sich Kryptox mit seiner ersten Werkschau auf den Krautrock. Musik in der Tradition von Kraftwerk in der frühen Phase, Can oder Tangerine Dream. Improvisierte, elegische Elemente, die Melange aus organischen und elektronischen Elementen - das ist, was "Kraut Jazz Futurism" als Compilation ausmacht.

Besonders gut funktioniert das bei Keope, die in "A Night in Bacalar" ein housiges, jazziges Klangwand mit vielen sphärischen Elementen weben. Afrobeat und Ethio Jazz sind zu hören, z.B. bei Shake Stew, Band um den Wiener Saxophonisten Lukas Kratzelbinder. Pianist Lambert und Techno-Produzent Stimming sind mit dem Song "Little Giant" vertreten. Eine unerwartete Paarung, die überraschend gut funktioniert.  Auch die Torben Unit ist dabei, Band um den ehemaligen Berliner Underground House-Helden Max Graef.

Dass die deutsche Jazz-Szene dringend einer Frischzellenkur bedarf, ist relativ unstrittig. "Kraut Jazz Futurism" ist ein wichtiger Ansatz, um das sorgfältig in der Hochkulturszene einbetonierte Genre neu zu denken. Matthias Modica möchte mit Kryptox so etwas wie das deutsche Äquivalent zu Brainfeeder sein, Label und Kollektiv des US-amerikanischen Produzenten Stephen Ellison aka Flying Lotus. "Kraut Jazz Futurism" ist ein großer Schritt in diese Richtung.

Stand: 04.11.2019, 10:00