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Im Herzen des UK-Jazz

Kokoroko

Review: Kokoroko "Kokoroko"

Im Herzen des UK-Jazz

Von Niklas Wandt

Der Name Kokoroko ist ziemlich catchy  - einmal ausgesprochen kriegt man das Wort so schnell nicht mehr aus dem Ohr. So heißt nämlich eine der meistbeachteten Bands der innovativen, aktuellen UK-Jazz Szene. Letzte Woche hat das Oktett endlich die erste EP herausgebracht.

Vier lange Stücke sind es insgesamt geworden. Die Basis der Musik von Kokoroko ist der westafrikanische Pop der Siebziger - Highlife aus Ghana und quasi sein Neffe, der Afrobeat aus Nigeria - Die berühmtesten Künstler sind Ebo Taylor und Fela Kuti. Beide Stile waren schon damals wilde Mischungen aus Jazz, Rumba, Funk und traditionellen Rhythmen. Kokoroko halten sich ziemlich eng an diese Vorlage. Drums, Percussion, Bass und Gitarre spielen durchgängige polyrhythmische Patterns. Melodien und Solos spielt die mächtige Bläsersektion obendrüber - die komplett weiblich ist. Die Bläsersätze agieren als Frage und Antwort Pattern zwischen Trompete und der ganzen Bläsersektion, gespielt mit einem leichten Twang und einer etwas versetzten Intonation, die die Bläser noch stärker durch die Rhythmusgruppe dringen lässt.

Outfitmäßig geht es auf der Bühne bei der Bläsersektion traditionell westafrikanisch her - gut zwei Drittel der Band hat tatsächlich auch einen nigerianischen Hintergrund. Der Bandname mag übrigens lautmalerisch klingen, heißt aber in einer nigerianischen Sprache “bleibe stark”. Outfits und Roots hin oder her - live ist die Musik wenig effekthascherisch, eher konzentriert. Die Trompeterin und Bandchefin Sheila Maurice Grey wirkt so ganz anders als Frontfrau als zum Beispiel der Rampenmacho Fela Kuti seinerzeit. Vielleicht ist das der seriöse Jazzhintergrund, denn der Großteil der Band hat am renommierten Londoner Trinity College Jazz studiert, wo einst schon besagter Fela Kuti Musik studierte! Dieser Background spielt musikalisch neben Highlife und Afrobeat keine so kleine Rolle auf Kokorokos EP. Hier klingt es fast so wie ein Gruß an große Spiritual Jazzer und Rare Groover wie Lonnie Liston Smith.


London als neue Jazz-Brutstätte

Bands wie beispielweise Kokoroko oder Ezra Collective machen einen sehr unakademischen Sound und kommen deswegen beim Hörer gut an. Zwar wird improvisiert und ebenso ist der Bezug zum Jazz und Jazzfunk der Siebziger Jahre da, der dann in London Anfang der Neunziger Jahre Acid Jazz genannt wurde. In die Musik vieler aktueller Londoner Bands fließen aber noch ganz andere Elemente ein, die viel mit dem afrikanischen oder karibischen Musikerbe zu tun haben, das in London unheimlich präsent ist. Der Austausch unter den Musikszenen ist auch größer. Ob im Popsektor oder in der elektronischen Musik, befruchten sich die Szenen gegenseitig und die Trennlinien verschwimmen angenehmerweise im Süden und Osten Londons immer mehr. Welch ein Zirkelschluss, dass die EP von Kokoroko ausgerechnet bei Brownswood herauskommt, einem der Label von DEM Acid-Jazz-Aktivisten der ersten Stunde, Gilles Peterson.

Stand: 18.03.2019, 16:19