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Jungle By Night "Livingstone"

Albumcover "Livingstone" von Jungle by Night - Stein mit Kristallen

Reviews

Jungle By Night "Livingstone"

Von Niklas Wandt

Jungle by Night - ein Bandname voller Assoziationen. Geheimnisvolles Leben, Zirpen und Zwitschern, Raubtiere auf der Pirsch, ein kühler Luftzug durch die stickige Schwüle - Exotik, wie sich ein Mitteleuropäer sie vorstellt. Jungle by Night haben gerade ihr neues Album "Livingstone" herausgebracht.

So falsch sind die Assoziationen nicht. Was die insgesamt neun Jungs aus Amsterdam auf ihrem neuen Album machen, ist auf jeden Fall reichlich von Musik aus Äquatornähe inspiriert. Funkgrooves sind die Basis, manchmal so tight und auf den Punkt als wäre es in Rio de Janeiro Mitte der Siebziger Jahre eingespielt, andere Stücke sind mehr im Maschinenfunk vom House der späten Achtziger Jahre gehalten. Gitarre und Bläsersätze könnten auch High Life und Afrobeat entsprungen sein, reichlich Latinpercussion obendrauf - so viel unterschiedliches zusammen könnte schnell zu viel werden, aber die Jungs haben ihr Handwerk definitiv im Griff.

Äquatorfunk trifft Synthpop

Beim Synthesizerlick im Song "Love Boat" denkt man kurz an Elektropop a la Kraftwerks Computerliebe. Das macht natürlich der Sound dieses Analogsynthi aus den Achtzigern. Die elektronische Assoziation hat man vielleicht auch, weil das Arrangement so perfekt verzahnt ist: Bass, Synthi und diese gepickte Gitarre sind ziemlich eng ineinandergewoben, untendrunter der straighte Beat und die Congas. Fast wie per Software übereinandergeschobene Patterns. Eine tighte Unterlage für die Bläser, die zum Ende hin so richtig erstrahlen, wenn die Posaune in die hohe Lage geht. So wie die Bläser ein bisschen gegen den Grundrhythmus gesetzt sind, treibt das Stück auch nochmal gut nach vorne.

Instrumentalmusik als virtuoses "Spectacle"

Jungle by Night haben ab und zu diese Tendenz, der man im Falle junger Männern mit guter Technik fast immer irgendwann begegnet - den Hang zur größeren Form, zum Bombast. Ein Stück namens "Spectacles" ist zum Beispiel als zweiteilige Suite angelegt und wirkt merkwürdigerweise mit krummen Takten und Gefrickel ein bisschen wie Prog Rock. Das knapp neunminütige Stück "Spending Week" mit der Hammondorgel und Synthibass klingt eher nach tanzbarem Psychrock a la Tame Impala als nach Afrobeat.

Elektronische Musik mit analogen Mitteln

Zu den elektronischeren Momenten passt es, dass das Album über Rush Hour herausgekommen ist, mit das bekannteste House-Label aus Amsterdam.

"Livingstone" ist schon das vierte Album von Jungle by Night, mit eingebautem Kalauer: auf dem Albumcover ist nicht das Treffen der Kolonialherren Stanley und Livingstone im Kongo zu sehen mit dem legendären Satz "Livingstone, I presume?" Stattdessen ein funkelndes Mineral - na klar, ein lebender Stein.

Auf Albumlänge gibt es auf jeden Fall Ecken und Kanten, in den besten Momenten fließen die verschiedenen Stilemente virtuos und gleichzeitig locker ineinander. Und man muss es sagen, es ist eine Wohltat, wie schön dieser Mix aus Funk, Afrobeat, Reggae, Psychedelic und House aufgenommen wurde.

Stand: 21.11.2018, 14:52