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Jungle by Night – Rein in den Rhythmus

Jungle By Night

Jungle by Night: "Algorhythm"

Jungle by Night – Rein in den Rhythmus

Von Anna-Bianca Krause

Neun junge Musiker aus Amsterdam mischen seit über zehn Jahren Clubs und Festivals mit ihren furiosen Instrumentaltracks auf. Ihr Bandname Jungle by Night entspricht dem intensiven und dichten Sound, den sie mit ihren Instrumenten produzieren. Auf "Algorhythm", ihrem sechsten Album, überraschen sie mit melancholischen Stimmungen.

Die Suche

Die neun Musiker von Jungle by Night kennen sich aus Kindertagen, sind verwandt oder Schulfreunde und schon als Teenager entdeckten sie die goldene Ära der afrikanischen Popmusik. Mit ihrer eklektischen Mischung aus Afrobeat, Ethio-Jazz, Krautrock, Funk und Dance Music eroberten die Niederländer über Nacht die Welt und traten schon zwei Jahre nach ihrer Gründung in Paris mit den Ex-Musikern von Fela Kutis Band Egypt 80 auf.

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Doch wenn heute das Wort Afrobeat fällt, fühlen sie sich nicht mehr angesprochen. Und tatsächlich spielen die afrikanischen Elemente auf ihrem neuen Album "Algorhythm" keine große Rolle mehr. Stattdessen hört man die Achtzigerjahre raus, mehr Krautrock als zuvor und die Tracks sind weniger beschwingt, sondern melancholisch.

Ode ans Tourleben

"Destination A2" oder "E 17 Snack" heißen zwei Schlüsseltracks, schließlich ist "Algorhythm" ein Pandemiealbum und die Musiker blickten beim Schreiben der Songs sentimental auf die vergangenen Jahre zurück, in denen sie im Grunde unentwegt auf Tour waren. Die A2 ist die Autobahn von der aus sie in andere Länder aufbrechen und zu der sie am Ende auch immer zurückkehren. Und "E 17 Snack" ist eine Autobahnraststätte, die trotz schlechtem Fastfood immer der Endpunkt einer Tournee ist, bevor man wieder Zuhause landet.

Demokratie ade

Neu ist nicht nur der Sound von Jungle by Night, sondern – und wahrscheinlich hängt das eng zusammen – auch die Entstehung der Musik. Waren sie am Beginn ihrer Karriere ein Kollektiv gewesen, in dem alles demokratisch geregelt wurde, gibt es nun Chefs. Für jeden Song spielen ein oder höchstens zwei Musiker den Boss - und zwar diejenigen, die mit den Grundideen ankommen und die dann auch die Richtung vorgeben. Das sorgt für sehr unterschiedliche Stücke, da die Vorlieben der Musiker unterschiedlich sind und von Claude Debussy über LCD Soundsystem bis hin zu Kraftwerk reichen.

Raus aus dem Algorhitmus – rein in den Rhythmus!

Früher nannten Jungle by Night ihren Sound "Explosive Dance Music", ab sofort haben die Jungs eine neue Schublade für sich erfunden: "Analog Dance Music". Weil die neun tatsächlich alles analog aufgenommen haben: drei Schlagwerker, drei Bläser, Gitarre, Bass und Synthesizer. Letzterer ist zwar ein elektronisches Instrument, aber sonst wird alles handgemacht, auch live verzichten Jungle by Night auf Sequenzer. Sie wollen ihr Album auch als Statement für ihre Rhythmen und gegen all die Algorithmen und die immer extremere Digitalisierung des Lebens verstanden wissen. Auf der Bühne soll es in eine andere Epoche gehen – Jungle by Night feiern mit ihrer Musik die Rückkehr zum kollektiven, analogen Gemeinschaftserlebnis.

Stand: 29.10.2021, 09:46