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Ode an das Leben

Jovanotti - "Oh, Vita!"

Jovanotti - "Oh, Vita!"

Ode an das Leben

Von Marc Mühlenbrock

Jovanotti ist einer der bekanntesten Musiker Italiens, er war derjenige, der in seiner Heimat Hip Hop populär gemacht hat. Seit den 90ern rappt er weniger, wurde zum Cantautore, entdeckte Global Sounds und wurde zu einem noch größeren Star –  in ganz Europa. Nun hat Jovanotti sein neues, vierzehntes Album veröffentlicht, es heißt "Oh, Vita!" und wurde produziert von niemand geringerem als Rick Rubin.

"Oh, Vita!" ist ein Album über die großen Themen, das sagt nicht nur der Albumtitel. Die Songs heißen "Viva La Liberta", also "Es lebe die Freiheit", "Amoremio", also "Mein Liebling", oder "In Italia". Lorenzo Cherubini alias Jovanotti ist im vergangenen Jahr fünfzig geworden, da kann man schonmal einen Blick auf das große Ganze werfen, zurück schauen und nach vorne. In "Fame" fragt er sich, wie viel Hunger immer noch in ihm steckt. Gleichzeitig ist der Song auch ein Blick zurück auf seine Anfangstage. 1988 war Jovanotti MTV-Moderator und wollte der erste Rapper Italiens werden. Seine Vorbilder damals, die große weiße Hip-Hop-Combo der USA, die Beastie Boys. Und die wurden damals produziert von Rick Rubin, legendärer Produzent auch von den Red Hot Chili Peppers und natürlich Johnny Cash. Diesen Rick Rubin hat sich Jovanotti jetzt tatsächlich für sein Album mit ins Boot geholt, so schließt sich der Kreis.

Der Sound von CheRUBINi

Aus einer zufälligen Begegnung vor mehreren Jahren ist eine Freundschaft zwischen Cherubini und Rubin entstanden, die schließlich in der Album-Produktion von "Oh, Vita!" mündete. Für Jovanotti war es ein Traum, der wahr wurde. Er spricht von "L'Incontro" - DER Begegnung schlechthin, denn Rubin ist ein Held für ihn. Er wollte den charakteristischen Rubin-Sound - reduzierte Akustikgitarre mit viel Wärme - schon immer für ein großes Album mit großen Themen und großen Songs, das schon länger in ihm steckt. Auf den meisten Songs auf "Oh, Vita!" steht nun die Akustikgitarre auch im Vordergrund. Songs wie die erste Single "Paura di Niente", "Chiaro di Luna" oder "Sbagliato" klingen manchmal nach den großen Akustik-Alben, die an der kalifornischen Westküste entstanden sind, nur eben auf italienisch. Tatsächlich wurde auch in Rubins wunderschönen Shangri-La-Studios in Malibu aufgenommen und in einem ähnlich schönen Ambiente, in einer Villa in der Toskana, mit einem eigens engagierten Chefkoch.

Vielseitig wie das Leben

Doch "Oh, Vita!" hat mehr als nur Akustik-Gitarre. Unter ihr gibt es viele organische Beats. Jovanotti nennt "Oh, Vita!" sogar seine vielseitigste Platte, so vielseitig wie das Leben an sich – und da ist was dran. "Amoremio" ist eine Bar-Piano-Ballade, "Navigare" hat eine 80er Jahre Computersound, die beiden gehören zu den besten Songs auf dem Album. Leider folgt Jovanotti auch dem Autotune-Trend, was "In Italia" unhörbar macht, "SBAM!" ist ein etwas zielloser Versuch, jugendlich zu klingen. Von den schnelleren Stücken ist die Elektronik-Nummer "Le Canzoni" am gelungensten. Insgesamt ist diese Verspieltheit aber sehr charmant, man kann einiges entdecken auf "Oh, Vita!", eine schöne Abwechslung zu den durchweg mindestens guten langsamen oder Mid-Tempo-Akustiksongs. Stärkster Song ist der Titeltrack, gleichzeitig die zweite Single. "Oh, Vita!", also der Song fasst in dreieinhalb Minuten alles zusammen: Akustik, Beats und den schönen Blick zurück auf sein eigenes Leben. Im schwarz-weißen Video dazu, das in seiner Machart an "Serenata Rap", Jovanottis großen Hit hierzulande erinnert, sehen wir die Ecken Roms, in denen er groß geworden ist. Das ist in der Nähe des Vatikans, was den kleinen Lorenzo dazu inspirierte, Papst werden zu wollen. Einige Jahrzehnte später hat er das nicht erreicht – ist aber einer der angesehensten Musiker des Mittelmeers geworden, der uns viel über das Leben erzählen kann.

Stand: 04.12.2017, 16:10