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Horace Andy: "Midnight Scorchers"

Horace Andy: "Midnight Scorchers"

Feurige Ehrenrunde

Stand: 21.09.2022, 15:02 Uhr

Im Frühjahr 2022 veröffentlichte Reggaelegende Horace Andy mit "Midnight Rocker" ein würdiges Alterswerk. Nun erscheint mit "Midnight Scorchers" die Dub-Überarbeitung von Produzent Adrian Sherwood. Eine fantastische Reise in ein Remix-Paralleluniversum....

Von Adrian Nowak

"If it is nice, we play it twice". Diese Binsen-Weisheit eines jeden Soundsystem-MCs kann man nun auch auf die neuen Tunes von Horace Andy anwenden. Gemeinsam mit dem britischen Dub-Produzenten Adrian Sherwood erarbeitete der 71-jährige kürzlich das "Midnight Rocker" Album, welches einerseits Horace Andys Klassiker in einem modernen UK-Reggae-Gewand präsentiert, aber auch neue Songs und ausgewählte Coverversionen. 

Dem gefeierten Spätwerk folgt nun eine musikalische Ehrenrunde im Form des Remix-Albums "Midnight Scorchers". Das Wort "scorcher" leitet sich von "to scorch" ab, was auf Deutsch soviel wie versengen bedeutet. Und tatsächlich: Die neuen Dub-Überarbeitungen von Adrian Sherwood gießen zusätzliches Öl in die ohnehin schon ziemlich feurigen Originale.

Magie am Mischpult

In alter Dub-Tradition nimmt Adrian Sherwood die Vocals von Horace Andy meistens raus und lässt nur wichtige Songzeilen durchschimmern - so können wir die druckvollen Riddims noch besser genießen und uns zum Beispiel auf die weich wummernden Basslines von Aswad-Bassist George Oban konzentrieren. Doch wirklich reduziert sind die Dub-Mixes nicht, denn oftmals ersetzen neue Instrumente den Lead-Gesang – man hört mal eine verspielte Melodica, mal eine gezupft Gitarre und sogar eine Mundharmonika kommt zum Einsatz. Besonders gelungen ist  "Sleepys Night Cap", eine neue Version zu "Rock To Sleep", die mit wunderschönen Streichern zu einen verträumten Dub-Schlaflied wird.

Alte Bekannte und Neue Welten

Bei einigen Tunes sind auch Gast-Deejays am Mikro zu hören, die die  sanften Stimme von Horace Andy mit energiegeladenen Reimen ergänzen. Mit dabei ist Lone Ranger, der zur gleichen Generation wie Horace Andy gehört, sowie das UK-Dancehall Urgestein Daddy Freddy. Daddy Freddy greift immer das Thema der Originale auf und denkt es in seiner Strophe weiter, zum Beispiel wird das Lied "Easy Money"  bei ihm zum "Dirty Money Business", und wenn Horace Andy "Mr Bassie play a song for mi" singt, fordert Daddy Freddy: "Turn up the bass!" Der Kontrast aus Horace Andys entspanntem Gesang und Daddy Freddys knuspriger Kettenraucherstimme macht viele Neubearbeitungen oftmals noch spannender als die Originale.

Außerdem hat Adrian Sherwood aus seinem Archiv noch drei neue Stücke hervorgeholt, die es nicht auf das "Midnight Rocker" Album geschafft haben. Darunter ist eine Coverversion des Soulklassikers "Ain't No Love In The Heart Of The City" von Bobby Bland und eine frische Version von Horace Andys Klassiker "Guiding Star", die als "Dub Guidance" mit einem Gastauftritt von Lone Ranger daherkommt.
Weiterhin wird aus Horace Andys Evergreen "Fever" hier eine neue Version namens "Feverish", in welcher er den Text abwandelt und  Adrian Sherwood und sein On U Label hochleben lässt. "On U rule, Sherwood rule" heißt es da und dem kann man nur beipflichten, denn die "Scorchers" übertreffen teilweise die Originale und begeistern mit überraschenden musikalischen Wendungen.Für den besten Reggae- und Dub- Trip empfehle ich allerdings die Lieder aus "Midnight Rocker" und "Midnight Scorchers" direkt hintereinander zu hören... Come again my selecta!

Horace Andy - "Feverish" Musikvideo

Making Of