Live hören
Jetzt läuft: Ojuelegba (Remix) von Wizkid feat. Drake & Skepta

FKA twigs zaubert schmerzhafte Kunst auf "Magdalene"

FKA twigs - "Magdalene"

Review: FKA twigs - "Magdalene"

FKA twigs zaubert schmerzhafte Kunst auf "Magdalene"

Von Maike de Buhr

FKA twigs weiß, wie sie Schmerz kunstvoll arrangiert. Die britische Sängerin changiert auf "Magdalene" zwischen experimenteller Elektronik und sphärischem Pop.

Auf ihrem neuen Album hat sie sich von der biblischen Figur der Maria Magdalena inspirieren lassen. Die "heilige Hure". Von den einen verstoßen, von den anderen verehrt. FKA twigs hat sich viel mit ihrer Geschichte beschäftigt, als sie an ihrem zweiten Album gearbeitet hat: Maria Magdalena als die Geliebte von Jesus und als eine Frau im Schatten eines Mannes. Aber auch Maria Magdalena als Heilerin und als starke, kluge Gefährtin. FKA twigs hat diese beiden Seiten in sich selbst gesehen. Die Songs auf "Magdalene" sind in den letzten drei Jahren entstanden. Das war eine schwere Zeit für die 31-jährige. Sie musste sich sechs Myome aus der Gebärmutter entfernen lassen und dann war da noch die Trennung von Schauspielstar Robert Pattinson.

Auf "Magdalene" verarbeitet FKA twigs die zehrenden körperlichen und seelischen Erfahrungen. Sie badet förmlich in ihrem Schmerz. "Why won't you do it for me? / When all I do is for you?", singt sie in "Cellophane" zu ruhigen Pianoklängen und Bassdrum im Herzschlagrhythmus - und klingt dabei so zerbrechlich. FKA twigs packt immer wieder Zittern, Hauchen oder Flüstern in die hohen Register ihrer klassisch ausgebildeten Stimme. Auf dem neuen Album zeigt sie aber auch ihre volleren und stärkeren Klangfacetten. In "Fallen Alien" singt sie wütend von der Enttäuschung über die Lügen in einer Beziehung. FKA twigs arbeitet sich durch die komplexe Gefühlswelt einer Trennung. Und so komplex ist auch die Produktion der Lieder. Immer wieder setzt sie neue Elemente ein: Zu Piano, Cello oder Chorgesang gesellen sich frickelige, elektronische Sounds. Rattern, Knarzen, Klicken. Mal wie Störgeräusche, die aus einer Traumwelt wachrütteln, mal brechen sie ein wie Gewitter der Realität.


An dem Album haben einige bekannte Produzenten mitgearbeitet, wie Nicolas Jaar oder Skrillex. Doch der Signature Sound bleibt der von FKA twigs. Auf "Magdalene" hat sie ihre Mischung aus experimenteller Elektronik und sphärischen Pop auf das nächste Level gehoben. Sie bewegt sich zwischen Kammermusik, sakralem Manifest und bittersüßem Futurismus. "Magdalene" ist ein ambitioniertes Album. Es ist ein Album zum Zuhören, keines, das man nebenbei laufen lassen kann. An vielen Stellen schafft FKA twigs es, die Hörer mit ihrem multidimensionalen Sound einzufangen. Man merkt, dass sie aus ihrem Schmerz mit neuer Kraft hervorgegangen ist. Sie ist eine Künstlerin, die stetig diszipliniert an ihren Fertigkeiten arbeitet. In ihrer Musik oder in ihrer Bühnenperformance. Bei ihren Auftritten tanzt sie athletisch an einer Poledance-Stange oder baut Schwertkampf in ihre Choreographie ein. FKA twigs hebt sich als Künstlerin von ihren anderen Kollegen in den Charts ab. "Madgalene" hat sie nicht gemacht, um sich anzupassen.

Stand: 08.11.2019, 10:00