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Fireboy DML: "Playboy"

Fireboy DML: "Playboy"

Playboy mit Liebeskummer

Stand: 10.08.2022, 17:20 Uhr

Mit "Peru" hatte Fireboy DML einen der größten Afrobeats-Sommerhits 2021, der Remix mit Ed Sheeran katapultierte den Nigerianer in die Liga der Superstars. Auf seinem dritten Album "Playboy" zelebriert er seinen Erfolg - thematisiert aber auch Herzschmerz und die Schattenseiten des Ruhms.

Von Adrian Nowak

"My life dey make more sense as I get older, Wake up in the morning, do some Yoga". Mit diesen nachdenklichen Zeilen über Erfolg im Leben und Yoga am Morgen eröffnet Fireboy DML sein drittes Album. Moment mal, der "Playboy" macht Yoga und sucht den Sinn des Lebens?
Anscheinend steckt da mehr hinter dem Sänger, der für poppige Afrobeats und Texte über schnelle Autos, Markenklamotten und schöne Frauen bekannt ist.

Der nachdenkliche Playboy

1996 kommt Adedamola Adefolahan in Abeokuta im Südwesten Nigerias zur Welt, im Kirchenchor macht er erste Erfahrungen als Sänger und auf der Bühne.
2018 feiert er seinen Durchbruch mit der Single "Jealous", er wird von Afrobeats- Pionier Olamide gesignt und es erscheinen zwei erfolgreiche Alben zwischen Afrobeats, Pop und R&B. 2021 steigt sein Stern noch höher mit der Single "Peru" - und dem Remix mit Ed Sheeran.

Auf seinem dritten Album feiert der Fireboy seine Erfolge. "Till eternity, I’m on fire / My legacy will not die" heißt es auf dem treibenden "Bandana" und im Titeltrack erzählt er von seinem Vielflieger-Alltag: "LA to Houston to NYC". Doch neben selbstbewussten Ansagen gibt es immer wieder tiefer gehende Betrachtungen, etwa wenn er sich in "Glory" an die schweren Zeiten vor dem Erfolg erinnert: "I remember when I dey hustle insidе Lagos". Neben seinen Erfolgsstories sind Beziehungen das Hauptthema auf "Playboy", welches er allerdings aus vielen Perspektiven beleuchtet.

Romantik vs Realismus

Seine Texte sind nicht immer kitschig und romantisch, sondern oft realistisch, manchmal auch richtig abgeklärt. In "Ashawo" singt er "Wenn  ich dich betrüge, tut es mir leid. Wenn du mich betrügst, mach dir keine Sorgen." Er bezeichnet die Liebenden als "Ashawo", was auf Yorubua Sexarbeiter*in heißt und verdeutlicht, dass beide die Beziehung nicht so ernst nehmen. Auch ein Konzept von Gleichberechtigung. Fireboy DML ist nicht nur der Macho-Aufreisser, er zeigt sich in seinen Songs auch verletzlich, hat Liebeskummer und geht Kompromisse ein.

Ausflüge in andere Genres

Musikalisch bleibt Fireboy DML meist in poppigen Afrobeats-Gefilden, für Abwechslung sorgen Gäste wie  der US-Rapper Euro, der bei Lil Waynes Young Money Label unter Vertrag ist, und Rema, der genau wie   Fireboy zur jungen, neuen Afrobeats-Generation gehört. Etwas schwierig ist der Auftritt von Chris Brown, denn der R&B-Sänger ist immer wieder durch gewalttätige Auseinandersetzungen und Gewalt gegen Frauen aufgefallen. Viel Sympathischer ist dagegen der Auftritt der Dancehallkünstlerin Shenseea, die gerade eine der wichtigsten Figuren der Musikszene Jamaikas ist.

Für musikalische Abwechslung sorgen Ausflüge Richtung Rock auf "Glory", Pop auf "Change" oder das Stück "Afro Highlife2, einer Hommage an den klassischen Highlife Sound, der in den 1920er Jahren in Ghana entstanden ist. Auch die Reggaenummer "Havin Fun" ist interessant, wenn er über seinen Glauben und das Glück in seinem Leben sinniert. Doch auch bei dem Ausflug Richtung Offbeat zeigt sich die Schwäche des Albums: der süßliche Pop-Schleier, der über den meisten Songs liegt. Aber gerade das macht wahrscheinlich den Mega-Erfolg von Fireboy DML aus, der auf seinem dritten Album seinen Mix aus Afrikanischen Elementen und der großen Pop-Geste perfektioniert.