Live hören
Jetzt läuft: Yemamaya (David Walters remix) von iZem Luizga
Cover des Albums: Schwarz-weiß Fotos von Declaime & Madlib

Declaime & Madlib: "In the Beginning Vol. 3"

Tief verwurzelter Independent-Geist

Stand: 18.01.2023, 12:06 Uhr

Mit "In The Beginning Vol. 3" veröffentlichen Madlib und Declaime den dritten Teil ihrer LP-Serie, für die sie in den eigenen Archiven gegraben haben. Zu hören sind bisher unveröffentlichte Tracks und Skizzen aus den Jahren 1993 bis 1996.

Von Keno Mescher

Es rauscht. Es knarzt. Es zerrt. Auf verschiedenen Leveln gepitchte Stimmen verkünden ihre "Illmindedness" und führen ein, in eine Welt von wummernden Bässen und klatschenden Snares. "There is no competition, because I am the judge". Soso. Old School Boom Bap also. Von vor dreißig Jahren. Braucht das noch jemand? Gegenfrage: Warum eigentlich nicht?

Declaime und Madlib sind Realkeeper des kalifornischen HipHop. Mit weirder Kratzbürstigkeit und DIY-Charme sind sie so etwas wie der Gegenentwurf zum Westcoast-Sound von Weltstars wie Snoop Dogg und Dr. Dre. Deren Oeuvre ist dermaßen fest in der oft oberflächlichen Pop-Kultur verwurzelt, dass er auch auf Aprés-Ski-Partys prima funktioniert und sogar stramm rechte US-Politikerinnen wie Marjorie Taylor Greene es für eine gute Idee halten, ihre Beats zu picken. Wenn nicht wegen der Texte, dann eben wegen der "kreativen Akkordfolgen". Dass Declaime und Madlib ähnliches passieren könnte, scheint extrem unwahrscheinlich. Dafür ist der Independent-Geist in ihren Raps und Produktionen zu sehr verwurzelt.

Über das Liebhaber-Label "Some Otha Ship Connect", das von Dudley Perkins (aka Declaime) und seiner ehemaligen Lebensgefährtin Georgia Anne Muldrow gegründet wurde - nebenbei bemerkt eine der wohl unterschätztesten alternativen HipHop-Künstlerinnen der USA - gibt es jetzt die dritte Ausgabe von unveröffentlichtem Archivmaterial aus den Anfangstagen von Declaime und Madlib. Zwei Freunde, die sich schon seit der Grundschulzeit kennen. Wer "In The Beginning Vol. 3" hört, bekommt schnell das Gefühl, mit den beiden zusammen auf der Couch zu sitzen. Declaime mit dem Mic in der Hand. Madlib mit der MPC auf den Knien und dem Turntable auf dem zugeräumten Beistelltisch.

Die Songs klingen amtlich, sind technisch gut aufgearbeitet, fühlen sich aber trotzdem angenehm unausproduziert an. Songs wie "Soitissaid '93" (Cassette) zeigen, wie Teile der Ursuppe von Declaimes Album "Andsoitisaid" geklungen haben. Mit "Come With The Ill Grammar" und "Too much Clout" gibt es auch Ungehörtes mit Old-School-Boom-Bap-Hitpotential. Declaime und Madlib sagen, die "In The Beginning"-Serie ist ihre Art, ihrer Heimatstadt Oxnard und ihren alten Weggefährten Tribut zu zollen. Mehr ist es nicht. Weniger aber auch nicht. Und es macht Spaß, ihnen dabei zuzuhören.