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Der große Exzentriker des US HipHop

Danny Brown

Der große Exzentriker des US HipHop

Der große Exzentriker des US HipHop

Von Vincent Lindig

Zwischen Comedy, rauhen Straßengeschichten und impulsiver Poesie. Danny Brown berichtet aus der Perspektive eines sympathischen Losers von seiner Heimatstadt Detroit.


Wenn man an Rap aus Detroit denkt, fällt den meisten wahrscheinlich Eminem ein: Battlerap, Straßengeschichte von der 8-Mile Road. Mit Danny Brown gibt es aber noch einen anderen, deutlich exzentrischeren Künstler. Dessen neues Album „Uknowhatimsayin?“ ist gerade erschienen – und darauf macht Danny Brown so ziemlich alles anders als seine HipHop-Kollegen und Kolleginnen zur Zeit.

Unrunder Groove
Auf elf Anspielern rappt Danny Brown atemlos und scheinbar ohne Punkt und Komma über Alles, was ihm vors innere Auge kommt: Der in einem Wort geschrieben Albumtitel gibt die Richtung vor. Die Beats des Albums laufen irgendwie unrund und sind trotzdem ausgesprochen groovy, Samples und Synthies flattern wild zerschnitten im Hintergrund herum. Darüber rappt Danny Brown in verschiedenen Stimmlagen über sein Leben und seine Stadt Detroit, im Flug wechselnd zwischen größenwahnsinnigen Angebereien, zutiefst ehrlichen Geschichten aus seinem Leben und einer gehörigen Portion Selbstironie und Komik. „Uknowhatimsayin¿“

Produzentenlegende Q-Tip an den Reglern
Für die Beats konnte sich Danny Brown mit Sicherheit einen Jugendtraum verwirklichen. Der Rapper, der A Tribe Called Quest Mitglied Ali Shaheed Muhammad als seinen Mentor bezeichnet, hat sich Q-Tip an Bord geholt. Der ist abseits seiner Crew A Tribe Called Quest schon lange als Producer tätig und hat legendäre Alben von Mobb Deep oder Nas produziert.
Q-Tip ist zwar eher für jazzige Wohlfühl-Beats bekannt. Für Danny Brown hat er seine Comfort-Zone verlassen: Schiefe Trompete, piepsige Synthies und unvorhersehbare Drum-Pattern. Q-Tip hat sich auf „Uknowhatimsayin¿“der Weirdo-Vision von Danny Brown angepasst und liefert den perfekten Soundtrack zu dessen abgedrehten Raps.

Ein sympathischer Loser auf den Straßen Detroits
Danny Brown ist Ende 30 und in Detroit aufgewachsen. Die Stadt ist als ziemlich hartes Pflaster bekannt und hat seit Jahrzehnten Probleme mit Gewalt, Drogen und Armut. Um die 20 geriet Danny Brown auf die schiefe Bahn geraten – und zwar, weil er mit Gras dealte. Wieder und wieder wurde er dabei erwischt, laut eigener Aussage versteckte er sich 5 Jahre vor der Polizei, weil die ihn verhaften wollte – am Ende wurde er doch geschnappt. Geschichten über Straßendealer und Kriminalität sind im HipHop keine Seltenheit – aber Danny Brown erzählt sie aus der Perspektive eines Verlierers. Kein Glanz und Gloria, keine dicken Ketten und Karren – sondern Geldnot, Knast und Planlosigkeit. Dadurch übernimmt er perfekt die Perspektive eines sympathischen Losers.

Weniger Party, mehr künstlerische Vision
Im Verhältnis zu früheren Alben geht es auf „Uknowhatimsayin¿“weniger um Drogen und Party. Früher stand Brown für kompromisslosen Abriss. Die Selbstironie und die derben Punchlines sprudeln immer noch aus ihm raus, aber das alles klingt jetzt eine Spur musikalischer. Zusammen mit Featuregästen wie Run The Jewelz oder JPEGMAFIA, die wie er selbst eine Außenseiterrolle im Trap-dominierten US-HipHop spielen, hat Danny Brown sich irgendwie freigestrampelt und folgt seinem ganz eigenen roten Faden.
So frisch und innovativ kann HipHop klingen – und zugleich so fordernd.

Stand: 11.10.2019, 18:27