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Bonbon Vodou - Nebeneinander von Leben und Tod

Cover von "Cimetière Crèole": Collage aus Gesichtern, Totenköpfen, Pflanzen und Oriane Lacaille mit JereM auf einer Wiese liegend

Bonbon Vodou: "Cimetière Crèole"

Bonbon Vodou - Nebeneinander von Leben und Tod

Von Anna-Bianca Krause

Bonbon Vodou verzaubern auf ihrem zweiten Album mit bittersüßen Balladen voller überraschender Sounds. Das Duo holt die Musiktraditionen und die Kreolsprache von La Réunion in die Gegenwart und ins französische Chanson.

Das Zusammentreffen von zwei außergewöhnlichen Künstlern markiert den Anfang von Bonbon Vodou. Für Oriane Lacaille, Tochter des legendären Akkordeonisten und Meister der Sega-Rhythmen von La Réunion und den tunesisch-französischen Musiker JereM war es Liebe auf den ersten Blick. Sie stand schon als Jugendliche mit ihrem Vater auf der Bühne und hat von ihm alles über die Musik ihrer Heimatinsel gelernt. Heute ist sie Perkussionistin und Drummerin mit einem Hang zu verspielten Rhythmen, aber auch eine Sängerin mit einer wunderschön klaren Stimme. Er legt ihr mit seinen Saiteninstrumenten Ohrwurm-Melodien zu Füßen. Bonbon Vodou, der Name des Duos, soll so süß-magisch klingen wie ihre Songs.

Sounds & Traditionen

In den letzten Jahren tauchen immer wieder Bands wie Grèn Sémé oder Lindigo auf, die die Musiktraditionen von La Réunion in die Gegenwart holen. Viele der Musikerinnen und Musiker sind in Frankreich geboren oder aufgewachsen, obwohl ihre Wurzeln auf dieser Vulkaninsel im indischen Ozean liegen. Auch Bonbon Vodou sind Teil dieser Generation und bringen die beiden Kulturen zusammen. Doch wie sie das tun, ist einzigartig. In ihren Balladen stecken viele schöne, aber dennoch ungewohnte Sounds, denn die beiden spielen keine "normalen" Instrumente. Oriane Lacaille hat sich Drums aus Blechdosen und Flaschen gebaut, das Hi-Hat besteht aus einem Plastiksack. JereM als ihr Lebenspartner muss da kreativ mithalten, er hat sich eine Gitarre aus einem Ölkanister gebastelt und spielt manchmal auch eine umgebaute Ukulele. Beide betonen jedoch, dass diese zusammengebastelten Klangerzeuger bei ihnen zu echten Instrumenten werden. Was die faszinierende Wirkung von Bonbon Vodou zudem verstärkt, ist die Kreolsprache, in der meistens gesungen wird.

Piraten & Legenden

Die Musik von Bonbon Voudou mag fröhlich wirken, ihre Songtexte sind jedoch meist inhaltsschwer. Es geht um den Tod, um das Anwachsen des Extremismus, Gewalt in der Ehe und Religion. Oriane Lacaille führt in "Si Rogré", dem schönsten Song des Albums, einen Dialog mit einer Vorfahrin, die Sklavin war und deren Anwesenheit sie gespürt hat. Beschwörende Gesänge wie aus einer anderen Welt begleiten sie dabei. Der Albumtitel "Cimetière Crèole" beinhaltet dieses Nebeneinander von Leben und Tod, von dem Bonbon Vodou singen. Der "Cimetière Créole" ist der schönste Piraten-Friedhof auf La Rèunion. Er liegt direkt am Indischen Ozean, an einem schwarzen Strand und sieht aus wie für einen Grusel-Thriller gebaut.

Kreol-Chansons

Die Basis der Songs von Bonbon Vodou sind Musiktraditionen aus La Rèunion, Sega- und Maloya-Rhythmen. Mithilfe vieler toller Gastmusiker:innen bringen sie zudem Einflüsse aus Nordafrika und New Orleans in ihre Musik ein. So kreolisieren zwei Musiker:innen, die in Frankreich aufgewachsen sind, den französischen Chanson und hauchen ihm damit neues Leben ein.

Stand: 11.11.2021, 14:33