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Anden-Electro reloaded

Review - Chancha Via Circuito: "Bienaventuranza"

Review - Chancha Via Circuito: "Bienaventuranza"

Anden-Electro reloaded

Vor zehn Jahren hat der Argentinier Chancha Via Circuito das Genre der Cumbia Digital mit aus der Taufe gehoben. Seitdem hat sich sein Sound zwischen dubbiger Elektronik und andiner Folklore konsolidiert. Auf Bienaventuranza arbeitet Chancha Via Circuito mit ungewöhnlich vielen Gastvokalisten zusammen und wird seiner Rolle als Pionier des Anden-Electro gerecht.

Anden-Folk trifft Elektronik

Pedro Canale alias Chancha Via Circuito genießt in der Cumbia Digital-Szene eine Sonderstellung. Denn seine Musik hat sich von Anfang an durch sehr minimalistische, tiefschürfende, teils psychedelische Rhythmen abgegrenzt. Chancha- wie er genannt wird-  hat als erster den Schritt gewagt, handgemachten Anden-Folk- mit Elektronik zu fusionieren.

Dieser Formel bleibt Chancha Via Circuito auf seinem neuen Albu Buenaventuranza treu. Bestes Beispiel ist die Single "Llaló" zusammen mit dem ecuatorianischen Sänger Matteo Kingman. Eine andine Charango-Gitarre, Holzflöten und ein indigen anmutender Gesang werden von einem ganz dezenten Reggaetón-Rhythmus und Rap-Einlagen eingerahmt. Damit spricht Chancha Via Circuito ein breites Publikum an: Reggaeheads, aber auch die Minimal- und Ethno-Fraktion. Keiner schafft diesen Spagat so gut wie er.

Gesang aus Andenfolk und Cumbia Digital

Bisher hat Eigenbrödler Chancha Via Circuito eher alleine gearbeitet. Auf Buenaventuranza erweitert er sein Spektrum und vesammelt gleich eine Reihe unterschiedlicher Gastsänger. Die legendäre argentinische Folklore-Sängerin Miriam Garcia ist mit dabei. Aber auch junge Stimmen der Cumbia Digital-Szene aus Kolumbien. Lido Pimienta und Landsmann Manu Ranks gelingt auf dem Song La Victoria ein verträumtes Duett. Ein Song übers Tagträumen und positive Vibes. Eine indische Sitar, afropazifische Marimbas und kongolesische Secousse-Riffs fusionieren zu einem ungewöhnlichen Amalgam. Aber trotzdem klingt der Song nicht überladen, sondern super frisch und ungezwungen.

Raffiniertes Sounddesingn und glasklare Recordings

Chancha Via Circuito wird von vielen Nachwuchs- Produzenten als Vordenker bewundert. Der Argentinier hat mit der simplen Formel der Andenelektronik eine ganze Szene begründet: Nicola Cruz aus Ecuador, BeGun aus Spanien, oder El Buho aus Schottland sind nur einige Künstler die Chancha als wichtigste Inspirationsquelle nennen. Chanchas drittes Album Bienaventuranza brilliert erneut durch raffiniertes Sounddesingn und glasklare Recordings. Die vielen traditionellen Instrumenten, Spoken Words-Poesie und Sampels aus dem Amazonas treffen auf zeitgemäßen Global Pop. Das neue Album ist damit ein Soundtrip durch Lateinamerika und wird damit auch seinem Titel gerecht: Bienaventuranza ist nämlich eine Wortneuschöpfung aus den Begriffe Heiterkeit und Abenteuerlust.

Stand: 08.06.2018, 17:18