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Rub-A-Dub-Dub

Blundetto: Slow Dance

Review - Blundetto: "Slow Dance"

Rub-A-Dub-Dub

Von Adrian Nowak

Zurücklehnen und Genießen: Denn Blundetto ist zurück! Der Franzose war früher bekannt für eklektische Soundexperimente zwischen Funk, Reggae und Elektronica. Auf „Slow Dance“ bringt er uns eine karibische Version vom guten alten Stehblues.

Pärchen stehen auf der Tanzfläche, ihre Körper schmiegen sich aneinander, im Hintergrund läuft ein hypnotischer, schleppender Riddim von Blundetto. Eine Video von dieser Szene bei einer Party in Brasilien inspirierte den französischen Produzenten zu einem ganzen Album.

„Slow Dance“ beginnt trotzdem mit einem relativ flotten Beat, der an moderne Clubsounds aus Westafrika erinnert. Darauf hört man den New Yorker Reggaesänger Jahdan Blakkamore, der die Damen und Herren zum Tänzchen einlädt. Ein  bunter Stilmix, typisch für Blundetto, der 20 Jahre lang Musikredakteur beim hippen französischen Radiosender Radio Nova war. Bürgerlich heißt er Max Guiget und in seinen Produktionen mischt er seinen guten Geschmack mit seinen guten Connections. Wenn die Stars des Global Pop zu seinem Arbeitsplatz kamen, dann war es auch nicht weit zu Blundettos Studio.

Nun hat er den Redakteursposten an den Nagel gehängt, und ist aufs Land gezogen. Die neuen Lebensumstände beeinflussen auch das neue Album – der Meister des entspannten Eklektizismus klingt noch relaxter.

Blundetto ist auf „Slow Dance“ weniger vielfältig als auf den drei Vorgängeralben. Statt auf einen bunten Mix aus Funk, Dub und Elektronica zu setzen zelebriert er nun die sexy Langsamkeit im Reggae. Er nennt es „Slow Dance“, in Deutschland heißt es Stehblues,

in Jamaika sagt man dazu „Rub-A-Dub“. Dieser Engtanz und der dazu passende Sound war besonders populär in den 70ern und frühen 80ern. Blundetto entwickelt diese Spielart jetzt weiter - mit viel Hall und sphärischen Elementen, eine Art „Cloud Reggae“ oder auch „Rub-A-Dub-DUB“. Seine spartanischen Grooves benutzen wenige Drumsounds, begeistern mit hypnotischen Basslines, wabernden Gitarren, dezenten Synthietupfern und – ganz wichtig – richtig gesetzen Pausen.

Dieser Sound lässt viel Raum für eine Vielzahl an Gastsängern. Dazu gehören unter anderem die Reggae-Veteranen Cornel Campbell und Ken Boothe, beide waren schon in der goldenen Zeit des Rub-A-Dub dabei. Campbell beschwört zusammen mit dem Dancehall-Deejay Little Harry genau diese „Good Ol' Days“, während der Riddim Grooves aus der Vergangenheit und Sounds aus der Zukunft zusammenbringt. Ken Boothe schildert dagegen in „Have A Little Faith“ ein kleines Liebesdrama und beschwört seine Angebete ihm Vertrauen zu schenken. Neben den älteren Herren sind auch junge Talente wie der französische Überflieger Biga Ranx zu hören, auf „Pontus Pilate“ verbinden sich genial Dub, Doubletime-Rap und Ambient-Elemente. Neu im Business ist die Sängerin Belkis FDB von der Formation Damé aus Lyon, die im melancholischen „Story Never Told“ die Geschichte von einer Frau auf der Flucht vor der Polizei schildert. Abgerundet wird das Album mit meditativen Instrumental-Stücken, die Dub-Tradition, programmierte Sounds und Liveinstrumente geschmackvoll vereinen.

Blundetto orientiert sich auf seinem neuesten Werk überhaupt nicht an aktuellen Trends,  setzt in Zeiten von Trap und „turn up“ eher auf „turn down“ und genau darin liegt die Stärke von „Slow Dance“.

Stand: 25.05.2018, 13:56