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Blood Orange "Negro Swan"

Blood Orange - Negro Swan

Reviews

Blood Orange "Negro Swan"

Von Negisa Blumenstein

Er ist Multi-Instrumentalist, schreibt und produziert seine Songs selbst und hat dabei einiges zu sagen. Angefangen als Teil der Disco-Punk-Band Test Icicles in London, lebt Blood Orange heute in New York und gehört zu den bedeutendsten Stimmen des modernen Soul.

Der schwarze Schwan

Sein neues Album trägt den Titel "Negro Swan", angelehnt an das Buch "Black Swan Lake" von Rodney Giblett. Es erzählt die Geschichte des schwarzen Schwans, der von indigenen Völkern für seine Schönheit angepriesen, von europäischen Ansiedlern dann aber verspottet wurde. Eine Metapher für das Leben Schwarzer und queerer Minderheiten in den USA, mit dem er sich in Songs wie "Charcoal Baby" beschäftigt. Darin geht es um Blackface-Performers aus dem 19. Jahrhundert, die sich ihre Gesichter mit schwarzer Kohle anmalten, um das weiße Publikum zu belustigen. Er singt über die Angst und sein eigenes Trauma, ein Außenseiter in der Gesellschaft zu sein.

Ein Funken Hoffnung

Bereits auf seinem Album "Freetown Sounds" vor zwei Jahren singt er von dem Alltag in den USA aus der Sicht einer Minderheit, Themen wie Integration spielen eine große Rolle. Und obwohl die Songs auf "Negro Swan" so melancholisch sind, bleibt immer ein Funken Hoffnung. Nach dem hat er auch einen der Songs benannt: "Hope", ein Dream-Pop-Song, der gegen Ende jazziger wird und in dem Blood Orange über die Liebe philosophiert, die für ihn über die Gender-Grenzen hinweg existiert. Den Gesang übernimmt dabei die kolumbianisch-kanadische Sängerin Tei Shi. Während er diesen Song schrieb, imitierte Blood Orange die Stimme von Puff Daddy. Ihm kam die Idee, dass sich das Original sicher noch besser machen würde. Kurzerhand schrieb er dem Rapper daraufhin eine SMS - und Puffy lieh ihm seine Stimme für den Rap-Part.

Pluralismus

"Negro Swan" ist smoother, minimalistischer Neo-Soul. Melancholische E-Gitarrenriffs, sphärische Keyboards und Samples von Straßengeräuschen schlagen die Brücke zum Indie-HipHop. Und obwohl er seine Songs im Alleingang produziert, sind neben Puff Daddy und Tei Shi noch weitere Gäste auf dem Album gefeatured: A$AP Rocky, Solange und die Trans-Aktivistin Janet Mock. Fragmente aus einem Gespräch zwischen ihr und Blood Orange sind in fünf Songs auf dem Album zu hören. Pluralismus erkennt man nicht nur in seiner Zusammenarbeit mit anderen Künstlern, sondern eben auch in seinem Gender-Verständnis. Mit starken Aussagen und Tiefgang hebt sich dieses Album von den meisten seiner Art ab.

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Stand: 31.08.2018, 12:00