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BKO: "Djine Bora"

BKO: "Djine Bora"

BKO: "Djine Bora" - Malis Geister sind ausgerückt

Stand: 20.07.2022, 12:12 Uhr

Vor zehn Jahren gab es in Mali einen Militätputsch, unter den Folgen leidet das Land bis heute. Damals wurde die Verfassung außer Kraft gesetzt und der Flughafen von Bamako geschlossen. Kein Zufall also, dass sich die Band BKO, die im selben Jahr enstand, nach dem Code des Flughafens in Malis Hauptstadt benannt hat. Die fünf Musiker spielen auch auf ihrem dritten Album "Djine Bora"mit ihrer wilden, hypnotischen Musik gegen das Chaos im Land.

Von Anna-Bianca Krause

Zwei Freunde

Der Franzose Aymeric Krol – heute selbst ein international anerkannter Perkussionist – hatte schon mit 15 Jahren angefangen das Spielen auf Djembés und anderen westafrikanischen Trommeln zu erlernen. Sein letzter und wichtigster Lehrer war der malische Perkussion-Meister Ibrahima Sarr, der viele Jahre in der Band von Oumou Sangaré um die Welt getourt ist. "Ich war der kleine Toubab", sagt Krol, so nennt man in Westafrika die weißen Europäer. Doch bald nannte Sarr ihn nicht mehr Schüler, sondern Freund und bat Krol mit seinem riesigen Set an Perkussionsinstrumenten zu kommen, um mit ihm eine musikalische Vision zu realisieren.

 Die Vision

Sarrs revolutionäre Idee war es erstmals zwei der bekanntesten und wichtigsten Saiteninstrumente Malis zusammenspielen zu lassen, die Djeli N’goni, die Laute der Griots und die Donso N’goni, die Laute der Bambara-Jäger aus der Wassolou-Region. Die beiden Perkussionisten holten sich drei weitere Komplizen dazu - jeder von ihnen eine außergewöhnliche Musikerpersönlichkeit -  und fingen an in Bamako zu proben.  Die Djeli N’goni spielt virtuos Abdoulaye Koné, den sowohl Tiken Jah Fakoly als auch Salif Keita auf jede Tournee ins Ausland mitnehmen. Nfali Diakité ist für die sechssaitige Donso N’goni zuständig, er stammt ebenso wie Leadsänger und Meistertrommler Fassara Sacko aus einer Griot-Dynastie. Doch Sacko bricht mit dem üblichen Griotgesang, ab und an schreit er fast punkig, heult, brummt, seine Stimme ist intensiv und klingt manchmal so, als käme sie aus einer Zwischenwelt. Der blinde Sänger ist die perfekte Besetzung für diesen rauen, psychedelischen Afro-Fusion-Roots-Rock – oder wie auch immer man das nennen soll.

Der Geist ist aus der Flasche

Sicher liegt der wilde, raue Sound auch daran, dass die fünf Musiker alles so aufgenommen haben, als ständen sie live auf der Bühne: Analog, ohne Overdubs oder anschließende Korrekturen. Das ist für BKO nichts Außergewöhnliches, sie sind eine gefragte Liveband und haben inzwischen über 500 Konzerte in 25 Ländern gespielt. Der Albumtitel "Djine Bora" ist Mandinka und bedeutet: "die Geister sind ausgerückt". Es gäbe kein besseres Bild um die heftige, manchmal dem Hardrock verwandte Musik zu beschreiben. Auf die politischen, ökologischen und fundamentalistischen Probleme in ihrer Heimat antworten BKO mit Widerstandsliedern und einer sehr hypnotischen Musik.