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Autechre - Versteckte Popsongs

Autechre: "Signs"

"Sign"

Autechre - Versteckte Popsongs

Von Christian Werthschulte

Das britische Elektronikduo Autechre  ist nicht nur für seinen unaussprechlichen Namen bekannt. Sondern auch für seine abstrakten Elektronikstücke. Auf ihrem neuen Album "Sign" klingen die beiden Frickler fast schon ein wenig wie Popmusiker.

In den abstrakten Stücken von Autechre sind immer wieder Melodien versteckt, auch wenn sie manchmal hinter schroffen Sounds verborgen bleiben. "Autechre" arbeiten so weiter an ihrem Signature Sound: experimentelle Musik, kombiniert mit einer Pop-Sensibilität, die diese Musik zu einer weltweiten Fangemeinde verholfen hat. Jede Sekunde Autechre-Musik wird von Fans im Internet analysiert und bewertet.

Seit fast 30 Jahren machen Sean Booth und Rob Brown gemeinsam Musik. Früher nannte man ihren Stil "Intelligent Techno". Viele Kritiker hielten es für eine intellektuellere Alternative zum Techno, der auf den Mega-Raves der 90er-Jahre gespielt wurde. Aber auch Autechre tanzen gerne: Sie sind B-Boys der alten Schule. Kennengelernt haben sich Rob Brown und Sean Booth als Teenager in Nordengland. Ihre gemeinsame Liebe: Breakdancing, Graffiti, HipHop und Electro. Und diese Einflüsse treten auf "Sign" wieder stark in den Vordergrund – mit relaxten Kopfnickerbeats und collagierten Sounds. Nur dass Autechre diese nicht von Funk- oder Soulplatten sampeln, sondern in ihren Laptops generieren.

Der Trademark von Autechre ist ihre Software. Ihre Alben entstehen am Rechner, die beiden Musiker schicken sich Codeschnipsel per E-Mail. Autechre schreiben diesen Code selbst, das macht ihr Sounddesign einmalig. Es gibt viele Musiker, die wie Autechre klingen, aber Autechre selbst klingen wie niemand anderes. Und auch wenn der Schaffensprozess der beiden Musiker etwas konzeptionell anmutet, ist die Musik auf "Sign" voll emotionaler Momente: flehende Sounds treffen auf melancholische Melodien, die sich schnell in den nächsten Beatgerüsten verlieren. Autechre lösen damit Emotionen aus, die kein Äquivalent im Alltag haben, sondern die nur von ihrer Musik hervorgebracht werden. Ein größeres Kompliment kann man zwei Laptopfricklern nicht machen.

Stand: 14.10.2020, 09:00