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Weiblicher Wüstenblues

Asmâa Hamzaoui

Review: Asmaa Hamzaoui & Bnat Timbouktou "Oulad Lghaba"

Weiblicher Wüstenblues

Von Anna-Bianca Krause

Asmaa Hamzaoui bricht mit ihrem Debutalbum "Oulad Lghaba" in die bislang rein männlich besetzte Szene der Gnawa ein. Die 22-Jährige und ihre All-Female-Band Bnat Timbouktou spielen die jahrhundertealte marokkanische Trance-Musik wild, rau, hypnotisch, virtuos und als erste Frauen öffentlich.

Der Sound archaisch, der Rhythmus wild und repetitiv, getragen vom leicht scheppernden Sound der Metall-Kastagnetten Quarquaba, dazu kommt der erdig-bauchige Klang der dreisaitigen Laute Gimbri. Inmitten dieser hypnotischen Musik, die sich anhört wie übriggeblieben aus einer anderen Zeit, taucht die wunderschöne, sinnliche Stimme von Asmaa Hamzaoui auf, deren Echo die Call- and Response-Gesänge ihrer Mitmusikerinnen sind. Das klingt wirklich nicht wie die Musik aus dem Maghreb, die normalerweise in europäischen Ohren landet.

Hamzauoi und ihre vierköpfige rein weiblich besetzte Band Bnat Timbouktou spielen die marokkanische Trance-Musik Gnawa. Und Tracks der Musikerinnen sind genau so, wie Gnawa sein muss und wie auch die ihrer männlichen Kollegen wirken: Sie steigern sich langsam aber sicher, damit die Zuhörerinnen und Zuhörer in eine Art Trance-Zustand geraten. Die Gnawa wurde mitgebracht von Sklaven aus dem Senegal, dem Sudan, Ghana, Guinea u.a.m., die nach Marokko verschleppt wurden. Wie die Trantella in Süditalien ist sie eine heilende Musik, eine mit spirituellem Charakter. Aber Hamzaoui spielt eine modernere, nicht-religiöse Form von Gnawa und sie spielt Elektro-Gimbri.

Pionierin

Asmaa Hamzaoui ist 22 Jahre alt und die erste Frau, die Gnawa öffentlich spielt und sie ist auch die erste Frau, die Guembri spielt, also das heilige Instrument der Gnawas, das eigentlich Männern vorbehalten ist. Frauen hatten zwar bei Gnawa-Ritualen immer eine wichtige Rolle, aber sie waren nach außen nicht sichtbar. Asmaa Hamzaoui hat gerade deshalb ihre Band Bnat Timbouktou gegründet, damit Frauen sich ermutigt fühlen, die machistischen Codes der Gnawa-Musik zu übertreten.

Asmaa Hamzaoui & Bnat Timbouktou "Oulad Lghaba"

Cover: Asmaa Hamzaoui & Bnat Timbouktou "Oulad Lghaba"

Dass Hamzaoui den Mut hat das zu tun, liegt an der Unterstützung, die sie gehabt habt. Ihre Mutter ist Tänzerin, ihr Vater ein Gnawa-Meister, der sehr berühmte Rachid Hamzaoui. Er hat seiner Tochter das Guembri-Spiele schon als Kind beigebracht und sie dann auch ganz früh mitgenommen, wenn er bei Festen spielte. Jetzt steht sie auf eigenen Füßen. Ihr Debutalbum "Oulad Lghaba" ist das erste Gnawa-Album von Frauen.

Die Töchter Timbuktus

Asmaa Hamzaoui ist auch deshalb so wichtig, weil sie die Gnawa-Musik in die Welt bringt, zum Roskilde Festival in Dänemark etwa, wo sie dieses Jahr aufgetreten ist, in die USA, nach Finnland oder Deutschland. Aber klar, den Traditionalisten und Puristen geht es gegen den Strich, dass eine junge Frau Gnawa macht. Bnat Timbouktou - übersetzt: die Töchter Timbuktus - haben das erlebt,  als die Band 2017 beim Gnawa-Festival in Essaouira aufgetreten ist, beim wichtigsten und größten Festival in Nordafrika für Globale Musik. Der Großteil des Publikums aber war, trotz des Tabubruchs, begeistert von den jungen Frauen, die so virtuos spielen und dieses patriarchale Gebiet für sich einnehmen. Und die Musikerin selbst nimmt die Aufregung ganz gelassen: "Lasst sie reden", hat sie gesagt, "ich arbeite und sie quatschen nur."

Stand: 17.09.2019, 12:21