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Arca - KICK ii - iiiii

Arca: "KICK ii - iiiii"

Arca - transzendentes, ekstatisches Kick-Universum

Stand: 16.12.2021, 10:33 Uhr

Arca ist ein Supertalent, von dem schon Björk, FKA twigs oder Kanye West profitiert haben. Nun hat die gefragte venezolanische Produzentin und Konzeptkünstlerin mit direkt vier aufeinander folgenden Alben ihr "Kick"-Universum komplettiert und einen Safer Space geschaffen, der sich um Reggaeton, Synths, Pop und experimentellen Elektro dreht.

Von Maike de Buhr

Mit einem Kick geht alles los. Laut Arca ist der pränatale Tritt erste unbestreitbare Beweis, dass ein Leben existiert und sich individuell Ausdruck verschafft. Arca macht das in ihrem Kick-Universum mit ambitionierten elektronischen Sounddesign und Experimentierfreude. Das ist der Ausdruck ihres unermüdlichen Kreativen Schaffens. Ihr Album "KiCk i" ist schon letztes Jahr rausgekommen. "KICK ii, KicK iii, kick iiii, KiCK iiiii" hat sie nun direkt hintereinander veröffentlicht. Kick ist ein Zyklus, sagt Arca, bei dem mit jedem Album der Reihe ein anderes Stimmungsfeld betreten wird. 

Dystopische Clubfantasien und Xenopop

Von Pop über Reggaeton bis experimentelle Elektronik, Arca macht sich eine breites Klangspektrum zu eigen. Sphärische Pianomelodien stehen neben komplexer ungerader Rhythmik und ihrer verfremdeten Stimme in Spanisch und Englisch. Featuregäste wie der japanischen Komponist Ryuichi Sakamoto oder Garbage-Frontfrau Shirley Manson liefern Spoken Word Passagen. "KICK ii" ist die Reise zu Arcas Jugend in Venezuela, geprägt vom Reggaeton, den sie sich hier in dekonstruierter Form zu eigen macht. "KicK iii" hat den Vibe von düsteren experimentellen Clubnächten, futuristisch, dystopisch, cyberpunkig. "kick iiii" und "KiCK iiiii" sind wie die dazugehörige Afterhour, die mit ruhigen Melodien wieder runterholen, sanft, sinnlich und mit Synthies durchzogen. Xenopop nennt Arca es. Xeno steht für "fremd". Sie betont damit ihre Anders- und Einzigartigkeit und so klingt es auch den Alben: wie Pop wie aus einer anderen Welt.

Mensch, Maschine, Mutant

Arca identifiziert sich als nicht-binäre trans* Frau, in ihrem Kick-Universum ist das ein zentrales Thema. Es geht um Transformation und um Sexualität, fernab von hetero-normativen Sichtweisen.Arca singt von queerer Power, von Sehnsucht, Lust und Weiblichkeit. Kick soll ein intersektionaler Schlachtruf sein und besonders die verbinden, die sich ausgeschlossen oder wie "Freaks2 fühlen und Raum bieten für Unterschiede. "Mutants" - Mutanten - so nennt Arca ihre Fans auch gerne. Das zeigt sich auch in ihrer Ästhetik auf den Kick-Albumcovern: Zu sehen ist sie als Femme Fatale, mit schwarzen Dessous, rotem Lippenstift und Roboterarmen, die aus ihrem Körper ragen. Eine Verschmelzung von Mensch und Maschine. Als "Diva Experimental" bezeichnet sich Arca selbst. Die Kick-Alben verkörpern das durch und durch. Sie sind wie eine transzendente Reise zwischen ekstatisch turbulente Welten und bedacht einhüllende Safer Spaces.